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Kaufvertrag unterzeichnet: Stadt schafft in Friedberg-West 199 Kita-Plätze

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Von: Jürgen Wagner

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Das Montessori-Banner (r.) hängt seit Monaten auf »halbmast«: Jetzt kam es zu einer Einigung im Bieterverfahren um die Gebäude der insolventen Montessori-Fördergemeinschaft Wetterau: Die Stadt hat den Zuschlag erhalten, will Kinderhaus und ehemalige Grundschule als Kindertagesstätten nutzen. © Nicole Merz

In Friedberg werden in den kommenden Monaten 199 neue Kita-Plätze eingerichtet. Wie Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) mitteilt, hat die Stadt den Montessori-Campus gekauft.

Im Februar 2020 wurde bekannt, dass die Montessori-Fördergemeinschaft Wetterau mit Sitz in Friedberg einen Insolvenzantrag gestellt hat. Der private Schulträger war pleite. Was folgte, war ein zähes Ringen um die Aufrechterhaltung des Schul- und Kita-Betriebs. Mittlerweile sind das Montessori-Kinderhaus (Kita) und die Grundschule nach Rosbach umgezogen, die Gebäude im Gewerbegebiet West wurden zum Verkauf angeboten.

Bieterverfahren: Ein zähes Ringen

Das Bieterverfahren sei »ein zähes Ringen« gewesen, heißt es aus gut informierten Kreisen. Letztlich erhielt die Stadt den Zuschlag. Über die Kaufsumme schwieg sich Erste Stadträtin und Kita-Dezernentin Marion Götz gegenüber dieser Zeitung aus. Die Stadtverordneten hatten der Stadtspitze im November 2020 ein Limit gesetzt. Das habe man eingehalten, sagte Götz.

Der Montessori-Campus in Friedberg-West ist seit einem Jahr Geschichte; die benachbarte Montessori-Sekunderstufe ist von der Insolvenz nicht betroffen und wird weitergeführt. Nebenan werden demnächst die Handwerker anrücken. Das Kinderhaus soll laut Götz in sieben bis acht Monaten seinen Betrieb aufnehmen. Umbauten sind nicht erforderlich, die Räume waren als Kita hergerichtet worden, können nach kleineren Sanierungsmaßnahmen genutzt werden. Bei der Zeitangabe macht Götz allerdings eine - nachvollziehbare - Einschränkung: »Die sieben oder acht Monate schaffen wir nur, wenn die Auftragsvergaben gelingen.« Handwerker zu bekommen, ist derzeit ein Problem, selbst für öffentliche Verwaltungen, die als zuverlässige Zahler gelten. Oft würden überteuerte oder gar keine Angebote eingehen, sagte Götz.

Das Kinderhaus ist für vier Kita-Gruppen eingerichtet, dabei bleibt es auch. In der benachbarten Grundschule sollen sieben Kita-Gruppen eingerichtet werden. Götz betonte, dass es sich um zwei eigenständige Einrichtungen handeln werde. Insgesamt plane man 199 Kita-Plätze an den beiden Standorten: 127 Ü 3- und 72 U 3-Plätze. Aufgrund des Alters kann es aber noch zu Verschiebungen kommen.

Die Grundschule muss im Gegensatz zum Kinderhaus umgebaut werden. Die Räume sind auf Schulbetrieb zugeschnitten. Hier rechnet Götz damit, dass die Arbeiten bis Ende 2023 erledigt sind - immer vorausgesetzt, dass die Auftragsvergabe klappt.

Kauf ist günstiger als ein Neubau

In der Stadtverordnetenversammlung hatte es vorab Kritik gegeben an der Größe der Einrichtung. Götz weist diese Kritik zurück. »Wir bewegen uns bei der Gruppenstärke exakt im Rahmen dessen, was derzeit in ganz Deutschland gebaut wird. Sogar in kleineren Städten entstehen aktuell achtgruppige Kitas.«

Für die Stadt Friedberg ist die Immobilie im Grünen Weg (gelegen zwischen Johannes-Vatter-Schule und Jobcenter) eine lohnenswerte Anschaffung. Ein Neubau käme viel teurer. Der Kauf ist aber auch ein Befreiungsschlag. Wie überall ist die Nachfrage nach Kita-Plätzen groß und kann nicht in allen Fällen bedient werden. Nach der Schließung der evangelischen Kita im Wellenhaus wollte die Stadt einen Neubau errichten. Die Bauverwaltung prüfte sämtliche in Frage kommenden Grundstücke in Friedberg, ohne positives Ergebnis. Letztlich wurde ein Acker am Ende der Taunusstraße ausgedeutet, die Bauleitplanung wurde fast bis zum Beschluss vorangetrieben. Im Notfall hätte die Stadt - was niemand gerne getan hätte - wertvolles Ackerland bebauen müssen. Der Standort Taunusstraße liegt nun auf Eis, viele Politiker hoffen, dass es dabei bleibt.

Die 199 neuen Plätze seien »ein Befreiungsschlag«, bestätigt Götz. Durch den Kauf der Immobilie könne man zeitnah eine große Menge an Kita-Plätzen einrichten. Der Kaufvertrag ist bereits notariell beurkundet, bis zur Schlüsselübergabe sind aber noch Formalitäten wie der Eintrag ins Grundbuch zu erledigen. »Ende Juni können wir in die Gebäude rein.« Bis dahin gehen die Planungen im Stadtbauamt und in der Kita-Verwaltung weiter.

Die Stadt muss Personal akquirieren. Das geschehe nach und nach, sagte Götz. Genauso wie die neuen Kitas nicht auf einen Schlag in Betrieb genommen werden sollen, sondern peu á peu. »Kleine Kinder benötigen einen Eingewöhnungsprozess. Wir beginnen mit wenigen Kindern, dann werden es immer mehr.« Genau das, was auch die Kita-Verwaltungen seit Jahren beobachten und weshalb die Kommunen mit dem Kita-Bau kaum hinterherkommen.

Die nächsten Kita-Projekte in Friedberg

Die nächste (sechsgruppige) Kita, die in Friedberg gebaut wird, entsteht an den 24 Hallen, als Ersatz für die in die Jahre gekommende (zweigruppige) Kita »Tintenklecks«. Die Kinder ziehgen während der Bauzeit in einen Container, der im Rathauspark aufgestellt wird - rechterhand hinter dem Kulturamt, wo vor Jahren schon einmal ein Schulcontainer stand. Demnächst sollen die Bauarbeiten in der Usa-Vorstadt beginnen. Die »Villa Winzig« in der Saarstraße scheint sich indes zu einer Dauerbaustelle zu entwickeln. Die Umbauten hätten sich »verzögert«, sagte Götz dazu. Im Laufe des Jahres sollen hier weitere U 3-Plätze eingerichtet werden. Und das ist längst nicht alles in Sachen Kita-Bau in Friedberg. In der Kaserne sind zwei Grundstücke für Kitas vorgesehen, und am Ortseingang von Ockstadt (aus der Kernstadt kommend) soll rechterhand in ein paar Jahren neben einem neuen Feuerwehrhaus auch eine weitere Kita entstehen. Götz kündigte für das zweite Halbjahr eine Gremienvorlage an, in der sie eine Übersicht über alle Kita-Baumaßnahmen sowie über den Platzbedarf vorlegen will.

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