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Kranz individuell: Julia Kiefner zaubert Kunstwerke aus Trochenblumen

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Von: Larissa Wolf

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Die Friedbergerin Julia Kiefner stellt als »Frollein Schön« individuell gestaltete Kränze her. FOTOS: NICI MERZ © Nicole Merz

Dass ein selbstgebastelter Türkranz ausreicht, um eine Karrierelaufbahn auf den Kopf zu stellen, zeigt Julia Kiefner. Die Friedbergerin zaubert als »Frollein Schön« handgemachte Kränze.

Als Julia Kiefner 2019 mit ihrem Mann von Frankfurt nach Friedberg zieht, möchte sie ihre Haustür verschönern. Online sucht sie nach Inspiration für einen Türkranz, bastelt danach einen mit dem Familiennamen und postet ihn auf ihrer privaten Instagram-Seite. »Plötzlich habe ich Nachrichten bekommen, ob ich so einen auch für andere machen könnte«, sagt die 37-Jährige. Zuerst macht sie Kränze für Freunde, doch die Nachfrage wächst mit jedem Post auf der Internet-Plattform. »So wurde ›Frollein Schön‹ geboren.« Nur ein halbes Jahr nach dem erstem Bild meldet sie ihr Gewerbe an.

In ihrer eigenen Werkstatt im Keller der Schwiegereltern, die sich Kiefner erst kürzlich eingerichtet hat, entstehen ihre »handgemachten Schönigkeiten«, wie sie ihre Produkte nennt. »Ich habe schon immer gern gebastelt und für meine Kinder viel genäht, und ich verschenke gern persönliche Dinge. Das ist dann etwas Besonderes. Wenn ich etwas Schönes sehe, denke ich: Wie könnte ich das umsetzen?«, sagt Kiefner. Angefangen habe alles mit Namen aus gebogenem Draht, der mit Wolle umwickelt ist. »Diese Kränze mache ich heute noch hauptsächlich für Kinder. Daran hängen dann selbstgemachte Bommeln.«

Kiefner entwickelt sich und ihre Kränze stetig weiter. »Aktuell gibt es kein Vorbeikommen an Trockenblumen«, sagt sie. »Die Personalisierung steht bei mir immer im Vordergrund.« So kann der Ring weiß, golden, silber oder schwarz sein, und auch die durch Schrift personalisierte Scheibe in der Mitte kann aus Holz oder Plexiglas daherkommen. »Das Schöne daran ist: Alle Komponenten sind individuell kombinierbar, und ich kann einfach kreativ sein.« Gelernt hat Kiefner das Binden der Blumen durch Internet-Videos. »Ich habe mir dann aber meinen eigenen Stil angeeignet. So, wie ich es am schönsten fand«, sagt sie. Wenn sie bindet, umwickelt sie jede Blüte einzeln mit Draht, darunter Eukalyptus, Hortensien, Weizen, Schleierkraut, Mohn, Ruskus. Eine bunte Mischung an Trockenblumen, die sie zumeist vom Blumengroßmarkt in Frankfurt bezieht, ist Teil ihrer Arbeit.

Vom Hobby zur Selbstständigkeit

»Für einen Kranz brauche ich eine gute Stunde«, sagt sie. Das variiere mit jeder individuellen Bestellung, die sie aktuell noch über ihre Instagram-Seite und per Mail annimmt. »Die Kommunikation mit jedem einzelnen Kunden ist sehr zeitaufwändig. Deshalb ist gerade eine Website im Aufbau.«

Die gelernte Kauffrau für audiovisuelle Medien hat bis vor Kurzem noch in der Unternehmenskommunikation von Eurobaustoff in Bad Nauheim gearbeitet und das Kränze-Machen als ihr Hobby betrieben. »Das war dann aber zu viel. Morgens war ich dort, mittags bei den Kindern, abends habe ich an den Kränzen gearbeitet. Im April habe ich dann den Schritt gewagt und mich mit ›Frollein Schön‹ selbstständig gemacht«, sagt Kiefner.

Ihre Werkstatt ist in Arbeitszonen unterteilt: In der Mitte des Raums steht ein großer Tisch zum Herstellen der Kränze, in dem allerlei Kisten mit vorgeschnittenen Blumen und anderem Arbeitsmaterial verstaut sind. Dazu kommen ein kleiner Tisch zum Einpacken und ein Schreibtisch, auf dem neben dem Arbeits-PC auch ein sogenannter Plotter steht. »Damit wird die Folie für die Schrift auf der Scheibe in der Mitte des Kranzes ausgeschnitten«, sagt Kiefner.

Über den Computer programmiert sie den Schneideauftrag mit der gewünschten Schrift. Dann ruckelt der Plotter etwas, macht ähnliche Geräusche wie ein Drucker. »Das geht ziemlich flott.« Mit einem Picker entgittert Kiefner danach den Schriftzug, der auf die Scheibe soll. »Darauf kommt dann eine Transferfolie, auf der ich die Mitte des Wortes ausmesse und anzeichne.« Durch die Plexiglasscheibe kann man durchsehen - ein Vorteil. »Ich lege die Scheibe auf eine Schneidematte mit aufgedrucktem Lineal, um den Schriftzug anzubringen. So wird alles gerade«, sagt Kiefner. Da sie auch Holzscheiben verschönert, möchte sie sich in Zukunft noch einen Holz-Laser zulegen. »Während der graviert, kann ich etwas anderes machen und die Zeit effizienter nutzen.«

Wo die Reise mit den Kränzen hingeht, das weiß Kiefner noch nicht genau. »Die Trends werden gehen, Trockenblumen nicht mehr so gefragt sein. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.«

Liebevolle Handarbeit

Der »normale« Kranz in Julia Kiefners Shop »Frollein Schön« hat einen Durchmesser von 25 Zentimetern. »Meine größte Auftragsarbeit war ein 80-Zentimeter-Kranz für eine Hochzeit«, sagt Kiefner. Die Anfertigung habe insgesamt etwa drei Stunden gedauert. »Das Schöne ist, man kann es für jeden Anlass individualisieren.« So habe sie schon Kränze für Taufe, Einschulung, Einzug, Hochzeit, Kommunion und Konfirmation gemacht. »Ich bin ein kreativer Mensch. Dass ich das jetzt beruflich machen kann, ist einfach wunderbar.«

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