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Kreispressesprecher verabschiedet sich mit nicht alltäglichem Buch

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Von: Jürgen Wagner

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Präsentieren das Wanderbuch (v. l.): Cornelia Wenk (»Demokratie Leben«), Martin Fischer, Michael Elsaß und Jan Weckler. © Nicole Merz

Über 30 Jahre lang war Michael Elsaß Sprecher des Wetteraukreises. Bekannt wurde er durch seine Bücher. Mit einem Co-Autor legt er zum Abschied ein barrierearmes Wanderbuch vorg.

Wetterausflüge nannte Michael Elsaß seine erste Serie von Zeitungsartikeln mit Wandertipps in der Wetterau, die, wie die kleine Wortspielerei zeigt, wie geschaffen ist für diese Freizeitbeschäftigung. Es folgten die Serie »Wandern durch die Wetterau« sowie vier Wanderbücher, ein Buch mit Radtouren und drei Regionalkrimis. Dem Pressesprecher des Wetteraukreises, passionierter Wanderer und Biker, war es wichtig, auf die Schönheiten dieser Landschaft aufmerksam zu machen.

Im Grunde genommen ist das die Arbeitsplatzbeschreibung für Pressesprecher: das eigene Haus ins rechte Licht rücken. Als Elsaß im Januar 1990 seinen Job als Leiter des »Fachdienstes Kommunikation« antrat, gab es noch keine Pressestelle im heutigen Sinne. Computer? Fehlanzeige. Nicht mal ein Fax-Gerät war vorhanden. Die Pressestelle war seit einem halben Jahr verwaist, sein Vorgänger hinterließ 24 Umzugskartons »mit losen Blättern und Zeitungen«. Dann kam Sturm Wiebke und in Staden geschah ein Vierfach-Mord, der neue Pressesprecher hatte allerhand um die Ohren. Die »Akten« des Vorgängers blieben liegen. Elsaß hat nach eigener Aussage nie etwas davon vermisst und baute im Laufe der Jahre eine moderne Pressestelle auf.

Die eigene Meinung bleibt außen vor

Presseartikel, Reden und Grußworte für den Landrat schreiben, Anfragen beantworten, Veranstaltungen organisieren: Das waren nur einige von Elsaß’ Aufgaben. Auch im Corona-Krisenstab war er zuletzt aktiv. Am meisten Spaß gemacht habe ihm, Dezernenten auf Ortsterminen zu begleiten und darüber zu schreiben. Elsaß: »Meine eigene Meinung zu den Themen interessiert niemanden.« Pressesprecher sind im weitesten Sinne Transportarbeiter, sind Informations-Logistiker. Sie übermitteln, was andere sagen.

In den letzten 32 Jahren hat sich viel verändert. 1990 wurde der Neubau der Kreisverwaltung eingeweiht. Landrat Herbert Rüfer (SPD) sprach bewusst vom »Kreishaus«, nicht vom »Landratsamt«. Personenkult war ihm fremd. Auch mit den Nachfolgern Rolf Gnadl, Joachim Arnold (beide SPD), dem »Interimslandrat« Oswin Veith und dem aktuellen Landrat Jan Weckler (beide CDU) sei er sehr gut ausgekommen.

Er wolle »kein politischer Angestellter« sein, sagte Elsaß, als er im Februar 1990 in der Presse porträtiert wurde. In seinem Wohnort Hanau ist er (passives) SPD-Mitglied, seinen ersten Job als Pressesprecher hatte er unter einem CDU-Bürgermeister in Eschborn. Davor: Verwaltungslehre, Studium der Sozialarbeit und der Politikwissenschaft, die Promotion war angedacht. »Aber ich wollte mit 32 endlich Geld verdienen.« Als Elsaß seinen Job in Friedberg antrat, gab es im Wetteraukreis noch sechs eigenständige Tageszeitungen. Es gab regelmäßige Kreispressekonferenzen, auf denen sich der Landrat den Fragen der Journalisten stellte.

Am Freitag hat der 64-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Die Hände in den Schoß legen wird er aber nicht. Zuerst übt er ein Jahr lang alleine das Pensionärsdasein, bevor ihm seine Frau, die ebenfalls im Friedberger Kreishaus beschäftigt ist, folgt. Wandern, radfahren, im Garten Salat, Kartoffeln und Bohnen anbauen, lesen und reisen - damit lässt sich der Ruhestand bewältigen. Auf Honorarbasis wird Elsaß noch das Programm zum 50. Geburtstag des Wetteraukreises organisieren. Seinen Kommissar Kalli Wetz versetzt er nach Hanau, außerdem hat Elsaß ein neues Buchprojekt gestartet: Es geht um barrierefreies Wandern. Wanderführer für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, aber trotzdem etwas in der Natur unternehmen wollen.

Neue Bücher bereits in Arbeit

Elsaß arbeitet derzeit an barrierearmen Wanderführern für Frankfurt und den Main-Kinzig-Kreis. Das erste Buch freilich beschäftigt sich mit der Wetterau (siehe Kasten). Co-Autor ist Martin Fischer, Lehrer im Ruhestand, der sich seit 30 Jahren mit Rollstuhl oder Handbike fortbewegt und als Tourguide seine Leidenschaft mit mobilitätseingeschränkten Menschen teilt. Fischer: »Ich hatte dem Wetteraukreis eine Kooperation in Sachen ›Barrierefreies Wandern‹ angeboten, daraus entstand die Idee zu dem Buch.

Ein Buch, das es in dieser Form so auf dem deutschen Buchmarkt noch nicht gibt, wie Björn Lauer vom Frankfurter Societätsverlag bei der Vorstellung am Montag im Kreishaus sagte. Angesprochen werden alle Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, aber auch für Familien mit kleinen Kindern bieten sich die Wanderstrecken an. Sie sind zwischen drei und sechs Kilometer lang und bieten viele Sehenswürdigkeiten am Wege, die Elsaß und Fischer in ihrem reich bebilderten und mit detailreichen Karten ausgestatteten Buch beschreiben.

Barrierearmer Wanderführer: Was die Leser erwartet

Beim Wandern kommen Körper und Geist zur Ruhe. Aber was, wenn man nur eingeschränkt mobil ist? Mit »Einfach wandern« haben Michael Elsaß und Martin Fischer einen ganz besonderen Wanderführer für die Wetterau geschrieben: Ein Buch mit 25 barrierearmen Wandertouren, zwischen 2 und 6 Kilometer lang, eingeteilt in drei Schwierigkeitsgrade. Detailliert beschrieben werden Wegelänge und -beschaffenheit, Maximalsteigung und Seitneigung (ist der Weg abschüssig, können Rollis umkippen), aber auch kulturelle, historische und naturkundliche Besonderheiten. So gibt es beispielsweise eine Tour zu »Sieben Gotteshäusern« in Bad Nauheim, eine barrierearme Rosenwanderung in Steinfurth, und selbst die hoch gelegene Burg Münzenburg wird »von allen Seiten« erkundet. Dazu gibt es anschauliche und detailreiche Karten, GPS-Tracks, Einkehrmöglichkeiten und ÖPNV-Anbindungen. »Einfach wandern« erscheint als Taschenbuch beim Societätsverlag Frankfurt, ist in allen Buchhandlungen erhältlich und kostet 16 Euro. Überschneidungen mit seinen vorherigen Wanderbüchern gebe es keine, sagte Michael Elsaß bei der Buchvorstellung. »Wir haben im Wetteraukreis rund 1000 Kilometer ausgewiesene Radwege und etwa dreimal soviele Wanderwege.« Es gebe noch viele unentdeckte Orte, die einen Besuch lohnten. Die Erstellung der Wegekarten wurde aus Mitteln des Programms »Demokratie Leben« gefördert; Cornela Wenk regte an, in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen für das Buch zu werben. Für Landrat Jan Weckler ist das etwas andere Wanderbuch ein Ausweis dafür, was die Wetterau im Rahmen der Tourismus-Destination zu bieten hat: Gesundheit und Natur. Und Wandern sei das verbindende Element.

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Das war’s (noch lange nicht): Kreisspressesprecher Michael Elsaß verabschiedet sich mit einem barrierearmen Wanderführer und hat schon neue Projekte in Arbeit. © Nicole Merz

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