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Klaus Gehre und Stefanie Fiedler sind die Initiatoren des Vereins »Stadttheater Friedberg«. Sie spielen in der Neuhausgasse 3, unweit der Kaiserstraße.

Mehr als Kasperle und Seppel auf der Bühne

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Aus der ehemaligen »Oase« ist das Kinderlokal geworden. Ein Raum für Theater in der Neuhausgasse 3. Dahinter stehen Klaus Gehre und Stefanie Fiedler, die mit acht Gleichgesinnten den gemeinnützigen Verein »Stadttheater Friedberg« gegründet haben. Was sie damit erreichen wollen, erklären die Initiatoren: »Wir verstehen unser Angebot als Ergänzung zum Theaterangebot für Kinder und Jugendliche in Friedberg«, sagt Gehre, der als freier Regisseur tätig ist.

Vor vier Jahren zog das Paar in die Kreisstadt und stellte schnell fest, dass das kulturelle Angebot für Kinder und Jugendliche »sehr begrenzt ist«, sagt die Mutter zweier Kinder im Alter von fünf und eineinhalb Jahren.

Vor gut zwei Jahren begannen die Planungen für das Projekt. Es wurden Förderanträge geschrieben und vor allem ein geeigneter Spielort gesucht. »Das war nicht so einfach, wir hatten Zusagen, die wieder zurückgenommen wurden«, erinnert sich die Diplom-Kultur-pädagogin, die nach einer weiteren Ausbildung als Theatertherapeutin in einer psycho-sozialen Klinik tätig ist.

Schließlich wurde ein geeigneter Spielort in der Neuhausgasse 3, unweit der Kaiserstraße, gefunden. Dieser war zuletzt als Lagerraum genutzt worden. Es handelt sich dabei um das Gebäude, in dem sich in den 1960er Jahren die »Oase« befand, ein Jugendtreff, an den sich ältere Friedberger noch gut erinnern können.

Der Raum wurde mit viel Engagement und Eigeninitiative zum »Kinderlokal« umgebaut. Der Begriff soll ausdrücken, dass hier eine lokale Spielstätte für Kinder entstanden ist. Es folgte die Probezeit für das erste Stück der beiden, deren Verein von der PwC-Stiftung gefördert wird. Die 2002 in Frankfurt von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gegründete Stiftung unterstützt Projekte im Bereich der »Ästhetischen Kulturbildung«.

Leinwand mit Live-Übertragung

Anfang Dezember startete die erste Spielzeit unter dem Motto »Kunst und Kaufen«, wobei sich das Paar von der Nähe zur Einkaufsstraße inspirieren ließ. Die Themenbereiche Geld und (Finanz-)Wirtschaft werden in den drei Stücken bis zum Sommer nächsten Jahres im Mittelpunkt stehen und in begleitenden Workshops altersgerecht bearbeitet.

Bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag wurde das Stück »Kasper und das Weihnachtsgeschenk für Gretel« aufgeführt. Das Stück richtete sich an Kinder ab drei Jahre und es ist weit mehr als nur ein Kasperletheater.

Vor den 14 Vorstellungen - darunter sieben für Kita-Gruppen - konnten die Kinder Wunschzettel malen oder kleine Spiele ausprobieren. »Wir wollten damit die Kinder auf die Vorführung einstimmen«, sagt Fiedler. Natürlich durften bei dem Stück neben dem Kasper und der Gretel ein Räuber, ein Krokodil und die Großmutter nicht fehlen.

Das Besondere am Konzept des Paars: Auf einer Leinwand werden zum Spiel im Theater passende Szenen live übertragen. Die Kinder sehen beispielsweise, wie Gehre ein Matchboxauto vor der Kamera bewegt und es entsteht so der Eindruck, dass die Großmutter mit ihrem Auto durch den Wald rast.

Immer wieder verlassen die beiden Schauspieler das kleine Kasperletheater, um Szenen vor der Kamera zu spielen. Die Kinder wurden so noch mehr in das Stück einbezogen, was viele Reaktionen hervorrief. Die kleinen Zuseher gingen begeistert mit und beantworteten die Fragen von Kasper lautstark. »Manchmal war es so laut, dass ich einen Moment warten musste, bis ich weiterspielen konnte«, freut sich Gehre über den Erfolg des Stücks um den Sinn oder Unsinn von Geschenken, wobei Kasper so manche knifflige Geschenkfrage klären musste, zumal Gretel noch einen geheimen Wunschzettel hatte.

Vor Ostern soll mit dem Stück »Fluch der Karibik« die erste Spielzeit fortgesetzt werden. »Das wird ein Angebot für Jugendliche ab 13 Jahren«, erklärt Fiedler. Als drittes Stück soll dann vor der Sommerpause die Eigenproduktion »Kasper fliegt in die USA« für Kinder ab vier Jahre folgen. »Wir freuen uns sehr, dass unser Angebot so gut angenommen wird«, sagen Gehre und Fiedler.

Mehr Informationen über den Verein »Stadttheater« gibt es auf der Internetseite www.stadt-theater.de.

Besonderer Effekt: Die Kinder sehen, wie Klaus Gehre ein Matchboxauto vor der Kamera bewegt. So scheint es, als ob die Großmutter mit ihrem Auto durch den Wald rast.
Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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