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Mordfall Christel Rink: »Sie wäre eine herzensgute Oma gewesen«

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Ein Familienfoto zeigt Christel Rink im Mai 1989 mit dem kleinen Enkel. Die Aufnahme ist zehn Tage vor ihrem gewaltsamen Tod entstanden. © pv

Es gibt DNA-Spuren und ein Phantombild, doch auch nach 34 Jahren ist der Mörder von Taxifahrerin Christel Rink aus Reichelsheim nicht gefasst. Rinks Sohn appelliert an Zeugen, sich zu melden.

Wie ein Schatten hängen die schrecklichen Ereignisse vom Mai 1989 über dem Leben unseres heute 59-jährigen Gesprächspartners und seiner gleichaltrigen Frau. Damals, in der Nacht von Montag, 15. Mai, auf Dienstag, 16. Mai, brachte ein Unbekannter seine Mutter Christel Rink um. Sie war Taxifahrerin, eine resolute Frau und erst kurz zuvor von Bad Nauheim nach Reichelsheim-Weckesheim gezogen. Wie der Sohn erzählt, konnten sich Bekannte kaum vorstellen, dass ausgerechnet solch eine starke Persönlichkeit Opfer eines Raubmordes geworden war. Ihren Fall haben Staatsanwaltschaft Gießen und Kripo Friedberg mit einem neuen Team wiederaufgerollt (die WZ berichtete).

Am Morgen des 16. Mai 1989 erhielt der Sohn einen Anruf von der Polizei. Das Taxi der Mutter war in Frankfurt gefunden worden. »Im Wagen fanden sich Blutspuren und Geschosshülsen, eine Fensterscheibe war zerstört«, erzählt er. Von Christel Rink fehlte jede Spur. Trotz schlimmster Befürchtungen hofften er und seine Frau auf einen glücklichen Ausgang, doch am Nachmittag kam es zur traurigen Gewissheit: Jemand hatte die 48-Jährige gewaltsam getötet. Ein Ehepaar, das zwischen Nieder-Florstadt und Altenstadt fuhr, sah von der Landstraße aus die Leiche auf einem Feldweg liegen.

Kritik: Ermittlungen ohne Feingefühl

Von diesem Zeitpunkt an war für den damals 26-Jährigen, seine Frau und die 21-jährige Schwester nichts mehr wie vorher. Die Eheleute mussten Christel Rink identifizieren, Ort war der Friedhof in Friedberg. Sie erlitten einen Schwächeanfall, ein Arzt musste kommen. Der Mörder hatte die Frau mit fünf Schüssen aus einer ungefähr 70 Jahre alten Pistole des Typs »Frommer Baby« ermordet. Anschließend schlug er ihr einen Stein auf den Kopf.

Die letzte Taxifahrt hatte vom Bahnhof Friedberg mit vermutlich einem Fahrgast nach Altenstadt führen sollen - so hatte sie es jedenfalls der Funkzentrale durchgegeben. Unterwegs muss der Täter sie bedroht und in den einsamen Weg auf der waldreichen Strecke gelotst haben. Hinweise, dass sie sich körperlich wehrte, gab es laut Kripo nicht. Viel dürfte nicht in der Kasse gewesen sein, da der Abend laut Taxi-Uhr eher ruhig gewesen war.

Der Sohn und seine Frau erinnern sich, von der Polizei in früheren Ermittlungen ohne Feingefühl behandelt worden zu sein. Beispielsweise sollten sie zum Fundort kommen, um die Tote dort zu identifizieren, was der Bestatter aber unmöglich gefunden und abgewehrt habe.

Bei »Aktenzeichen XY…«-Sendung war für den Sohn manches neu

Ihrer Beobachtung nach kam es auch zu Fehlern bei der Fahndung. Die schlimmste »Panne« sei gewesen, als ein Unbekannter die Tasche mit der Mordwaffe aus dem abgelaufenen Schließfach 419 in der Frankfurter Hauptwache abholen wollte. Die Aufsicht rief die Polizei an, doch der Zugriff scheiterte (diese Zeitung berichtete). Warum die Ordnungshüter das Fach nicht observiert hatten, ist nachträglich laut Kripo nicht mehr zu klären. Bald darauf wurde ein Phantombild erstellt, und auch eine DNA-Spur gibt es.

Familiärer Zusammenhalt ermöglichte den Kindern von Christel Rink, die schlimme Zeit durchzustehen, wobei die Schwiegerfamilie und Rinks Bruder eine Stütze waren. Das Ehepaar ist wütend auf den unbekannten Täter. »Sie wäre eine herzensgute Oma gewesen«, sagt die Schwiegertochter. Es gibt letzte Fotos, auf denen Christel Rink zehn Tage vor ihrem Tod im Kurpark mit dem Enkel zu sehen ist.

Zweimal strahlte das ZDF in »Aktenzeichen XY« ihren Fall aus. Einmal 1989, das andere Mal jetzt im März. Manches, was in der aktuellen Fassung dargestellt wurde, war dem Sohn neu: Etwa der mögliche Kontext zum Mordfall an Taxifahrer Horst Heinz Krug aus Bad Nauheim, der Ende Oktober 1988 mit 34 Messerstichen auf dem Parkplatz des Usa-Wellenbads in Bad Nauheim getötet worden war. In frühen Ermittlungen hatte die Polizei die Fälle nie in Verbindung gebracht. Der Täter stahl Krug dabei möglicherweise die Pistole »Frommer Baby«. Der Taxifahrer soll laut Kripo stets eine kleine Waffe unter dem Sitz gehabt haben, die nach dem Raubmord nicht mehr im Wagen war.

Christel Rinks Sohn und seine Frau hoffen auf einen Fahndungserfolg des neuen Ermittlungsteams, auch um ein Stück weit abschließen zu können. Sie appellieren: »Wir bitten Zeugen, sich bei der Polizei zu melden.«

Der mysteriöse Schließfachinhaber

In einem abgelaufenen Schließfach in der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache fand sich drei Tage nach dem Mord an Christel Rink eine Plastiktüte. Darin befanden sich laut Polizei ein Paar dunkelbrauner und gefütterter Lederhandschuhe, eine Herrenunterhose mit einer gestopften Stelle an der rechten Seite, zwei verschiedene, mit Erde verschmutzte Tennissocken, eine Arbeitsschutzbrille mit schwarzem Gestell und die Pistole vom Typ »Frommer Baby«. An den Socken fanden sich mittel- bis dunkelbraune Katzenhaare (ein bis vier Zentimeter lang). All diese Sachen gehörten nicht dem Opfer. Zudem steckten Ausweispapiere, ein Kraftfahrzeugschein, Rinks Schlüssel und eine leere Geldbörse in der Tasche. Die Waffe, die nach neueren Erkenntnissen vermutlich beim Raubmord an Horst Heinz Krug im Oktober 1988 in Bad Nauheim erbeutet worden war, war bei der Polizei schon aktenkundig. Jemand hatte damit zwischen Montagabend, 5. Dezember 1988, und dem folgenden Morgen auf das Schaufenster der Assenheimer Apotheke in der Nieder-Wöllstädter Straße 2 gefeuert. Der geflüchtete Schließfach-Inhaber wird wie folgt beschrieben: 25 bis 30 Jahre alt, sportlich-schlank, mittelblonde kurz geschnittene Haare, dünner Oberlippenbart, ovales Gesicht, normale Hautfarbe. Bekleidet war er mit weißem T-Shirt und Sommerhose. Er soll laut alten WZ-Berichten einwandfreies Deutsch ohne jeden Dialekteinschlag gesprochen haben, was die Kripo bestätigt. Für Hinweise, die in begründeten Fällen auch vertraulich behandelt werden können, meldet man sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 0 60 31/60 12 22 (Anrufbeantworter), alternativ unter Tel. 0 60 31/60 10 oder per E-Mail an ag-from mer.ppmh@polizei.hessen.de.

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