1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Friedberg

Musikschulleiter Bert Jonas verlässt Friedberg

Erstellt:

Von: Hanna von Prosch

Kommentare

agl_Jonas_hms_190922_4c
Bert Jonas zwischen Organisation, Weiterentwicklung, Unterricht und Personalführung. Ende September geht seine Zeit in Friedberg als Musikschulleiter zu Ende. © Hanna von Prosch

Ende September verlässt Bert Jonas nach dreieinhalb Jahren die Musikschule Friedberg und geht nach Bad Homburg. Seine Gründe dafür liegen auch in der schlechten Finanzierung durch das Land.

Bert Jonas ist ein Macher. Er hat klare Ziele, wie eine Musikschule pädagogisch und strukturell aufgestellt sein sollte. Als er vor dreieinhalb Jahren die Leitung in Friedberg übernahm, hatte die Musikschule gerade eine schwierige Zeit hinter sich. Es stand die Frage im Raum, ob der Haushalt konsolidiert werden müsse, was für Jonas aber nicht in Frage kam. »Dann hätten wir Lehrkräfte verloren, was wir uns nicht leisten konnten. Also habe ich auf Um- und Ausbau gesetzt. Das hat sich als richtig erwiesen«, sagt er. Zwar stehe die Musikschule bis ins erste Quartal 2023 noch vor finanziellen Herausforderungen, aber es werde danach besser, schätzt Jonas.

Er habe sich in Friedberg sehr wohlgefühlt, sei gut aufgenommen worden von Vorstand und Kollegium. Alle hätten mitgezogen, wenn er etwas Neues vorgeschlagen habe.

Ein Tag pro Woche noch für Friedberg

Dass er jetzt zu einer wesentlich kleineren Musikschule mit 500 Schülerinnen und Schülern wechselt, die als Teil der dortigen Volkshochschule noch nicht dem deutschen Musikschulverband angehört und starke private Konkurrenz hat, habe auch private Gründe, sagt er. Vorrangig sei jedoch die in Hessen bekannt schlechte Bezahlung der Mitarbeiter in den öffentlichen Musikschulen. Eine große Familie, wie er sie habe, könne man damit nicht ausreichend versorgen, gibt er zu bedenken. Jonas fordert, wie die Kolleginnen und Kollegen in der Wetterau, mehr Landeszuschüsse: »Die Bezahlung unter dem Tarif des öffentlichen Dienstes macht mir auch als Leiter Sorgen, denn die guten Leute gehen, und man bekommt nicht genügend qualifiziertes Personal. Da muss sich in Hessen was ändern. Wir sind hier nicht mehr konkurrenzfähig.«

In Bad Homburg beginnt Jonas allerdings wieder von vorne, so wie damals, als er von Friedrichsdorf nach Friedberg wechselte. »Ich habe viel Erfahrung gesammelt, bin gut vernetzt, weiß wohin ich will und dass personenunabhängige Strukturen das Wichtigste sind. Die Unterstützung ist mir zugesagt«, erläutert er. Auffallend ist, dass Jonas über sein Ausscheiden hinaus immer von »Wir« spricht, wenn er die Friedberger Musikschule meint. Es bewegt ihn, dass das Begonnene gut weiterläuft. So hat er auch versprochen, als Leiter mit einem Tag in der Woche zur Verfügung zu stehen, bis die Nachfolge geregelt ist. »Ich habe schließlich keine Stellvertretung. Aber wir haben vielversprechende, qualifizierte Bewerbungen, selbst zu diesen Konditionen.«

Ensemble-Angebot deutlich erweitert

Was hinterlässt Bert Jonas? Die meiste Zeit hatte er mit Coronabedingungen zu kämpfen. Dabei trieb er die Digitalisierung samt Unterrichtsmodellen und Homepage voran und baute die Öffentlichkeitsarbeit aus. In Zusammenarbeit mit dem Kollegium entstand ein neues Leitbild. Er konnte die Musikschule von 1000 auf 1700 Schülerinnen und Schüler aufstocken. Das Ensembleangebot hat er verdoppelt mit Bigband, gemischtem Holzbläserensemble, Einsteigerchor für Erwachsene, Jazz-Chor »Jazzy Weather« und Vocalensemble. Das Jugendblasorchester des Burggymnasiums integrierte er samt Leiter.

Vor allem aber förderte er die Kooperation mit den Grundschulen: In Friedberg etablierte er flächendeckend den Tandem-Unterricht in allen ersten Grundschulklassen. In den zweiten Klassen hat er das Instrumentenkarussell eingeführt und die 100 notwendigen Instrumente angeschafft. Im vergangenen Jahr hatte die Musikschule erstmals eine FSJ-Stelle zur Verfügung und in diesem Jahr eine für den Bundesfreiwilligendienst. Bert Jonas erhöhte trotz der schwierigen Finanzlage die Zahl der Festangestellten inklusive Leitung und Verwaltung auf sieben. »Personalführung, Organisation, Weiterentwicklung, das ist eigentlich nichts für Musikpädagogen. Man muss schon dafür brennen«, resümiert er und weint der Zeit in Friedberg eine Träne nach.

Auch interessant

Kommentare