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„Das tut mir weh“: Mütter aus Friedberg beklagen Diebstähle und Vandalismus auf dem Friedhof

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Von: Sabrina Dämon

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Auf dem Friedhof in Friedberg werden immer wieder Gräber beschädigt.
Vandalismus: Auf dem Friedhof in Friedberg werden immer wieder Gräber beschädigt. © Sabrina Dämon

In Friedberg werden immer wieder Gräber bestohlen und beschädigt. Angehörige fordern jetzt Maßnahmen gegen den Friedhof-Vandalismus

Friedberg – „Was ging in diesem Menschen vor?“, fragt Valentina Gorte. Vor einigen Tagen ist eine Bronzevase aus der Steinplatte am Grab ihres Sohns herausgerissen worden. Es war nicht der erste Fall von Grabschändung auf dem Friedberger Hauptfriedhof. Valentina Gorte kommt jeden Tag. Nach der Arbeit besucht sie das Grab ihres Sohns Fabian. 2014 ist er auf dem Friedhof in Friedberg beerdigt worden. Seither hat Valentina Gorte immer wieder Spuren von Vandalismus am Grab beseitigen müssen. Wenn sie auf den Friedhof komme, rechne sie schon damit: dass wieder etwas gestohlen oder zerstört worden ist.

„Vor acht Jahren ist unser geliebter Sohn Fabian mit 19 Jahren plötzlich und unerwartet nach einer Herzmuskelerkrankung verstorben. In der Nacht nach seiner Beerdigung ist er bestohlen worden.“ Als die Mutter am Tag nach dem Begräbnis zum Grab kam, fehlten ein Blumenstrauß und ein Engel. „Das hat sehr wehgetan. Schlimmer geht es nicht. Von einem frischen Grab, in dem ein Kind beerdigt ist.“ Seither hat es nicht aufgehört. „Wegen fehlender Blumen oder Kerzen sage ich schon nichts mehr.“

Friedberg: Mutter beklagt Vandalismus auf dem Friedhof

2019 ist ein Engel aus Bronze mit Gewalt aus der Grabplatte gerissen worden. „Der Stein ist beschädigt worden. Das haben wir mit viel Schmerz verkraftet.“ An der Stelle, an der der Engel gewesen ist, sind noch die Schrauben zu sehen. „Andere sehen sie nicht, aber mir fällt es auf.“

„Am 1. Dezember 2019 wurde das Bild von unserem Sohn zerschlagen. Eine Laterne wurde zerstört. Der Grabstein hat tiefe Risse davongetragen.“ Die zerstörte Stelle haben die Eltern reparieren lassen. Eine kleine Platte ist darübergekommen, an der wieder das Bild des Sohns angebracht ist.

Als es diesen Monat erneut zu Vandalismus gekommen ist – eine Vase aus Bronze wurde herausgerissen – verfasste Valentina Gorte einen Brief an die Zeitung. „Wenn es mein Kind betrifft, kann ich nicht ruhig bleiben. Das tut mir weh. Da schreibe ich.“

Friedhof in Friedberg als Treffpunkt für Vandalismus: „Ich kann nur beten“

Wo die Vase gestanden hat, ist ein Loch. Valentina Gorte hat Blumen hineingestellt. „Was passiert als Nächstes? Der materielle Schaden ist groß. Aber was hat er uns damit angetan? Materiellen Schaden kann man beheben, aber den Seelenschmerz nicht.“

Vandalismus auf dem Friedhof ist ein Problem, das es schon lange gibt und von dem viele betroffen sind. Anna Fakner, eine Nachbarin von Valentina Gorte, muss diese Erfahrung auch immer wieder machen. Am Geburtstag ihres Sohnes hat sie eine Vase mit Blumen auf sein Grab gestellt. Beides war am nächsten Tag nicht mehr da. Warum jemand Blumen von einem Grab mitnimmt, ist ihr unbegreiflich. „Kann man sich an so etwas freuen? Ich könnte es nicht.“ Valentina Gorte sagt: „Ich kann nur beten für diese Person, die zu so etwas fähig war, dass sie zur Vernunft kommt und es tief bereut.“

Die zwei Frauen und ein weiterer Nachbar, Johannes Trapp, versuchen, sich für die nächtliche Schließung des Friedhofs einzusetzen. Sechs Eingänge gibt es, alle sind Tag und Nacht offen, sagt Johannes Trapp. Da der Friedhof nicht abgeschlossen sei, würde er als Treffpunkt genutzt – auch zum Alkohol trinken.

Die Gräber auf dem Friedhof in Friedberg werden immer wieder Opfer von Vandalismus.
Die Gräber auf dem Friedhof in Friedberg werden immer wieder Opfer von Vandalismus: Dekorationen werden gestohlen und Grabsteine beschädigt. © Sabrina Dämon

Vandalismus auf dem Friedhof: Friedberger fordern Videoüberwachung

Was auch helfen würde, wie die drei glauben: Videoüberwachung. „Ich war kürzlich in Frankfurt auf einer Beerdigung. Dort ist der Friedhof videoüberwacht“, berichtet Anna Fakner.

Der Vandalismus betrifft fast jeden Bereich. Doch die wenigsten beschwerten sich. Und bisherige Beschwerden seien ins Leere gelaufen.

Bürgermeister Dirk Antkowiak weiß um die Problematik. „Ich empfinde es als erschreckend und auch als beschämend, wie sich manche Zeitgenossen an einem Ort der Trauer und des Gedenkens verhalten“, sagt er. Was Videoüberwachung angehe, „wäre diese aus unserer Sicht gegebenenfalls während den Schließzeiten möglich“ – den Vorschriften des Datenschutzgesetzes sei Rechnung zu tragen. „Eine Anfrage an den Datenschutzbeauftragten wird gestellt.“

In Friedberg gilt der Friedhof als Treffpunkt zum Trinken von Alkohol – und für Vandalismus.
In Friedberg gilt der Friedhof als Treffpunkt zum Trinken von Alkohol – und für Vandalismus. Angehörige fordern deshalb Maßnahmen von der Stadt. © Sabrina Dämon

Friedberg sucht nach Antworten auf Friedhof-Vandalismus

Der Friedhof sei bis in die 90er nachts abgeschlossen worden, auch damals habe es Diebstähle gegeben. Der Schließdienst sei durch den Magistrat wegen zweier Vorfälle aufgehoben worden: Zwei ältere Besucher seien eingeschlossen worden und hätten gesundheitlichen Schaden erlitten. Sollte es wieder eine Schließung geben, müsse ein barrierefreier „Notausgang“ geschaffen werden. Öffnungszeiten müssten unter Berücksichtigung dieser Punkte geprüft werden. Die Polizei habe aber auch bestätigt, dass abgeschlossene Tore Vandalismus und Diebstahl nicht verhindern würden.

Die Vase, die von Fabian Gortes Grab gestohlen worden ist, wird Valentina Gorte nicht ersetzen. Sie würde ja doch nur wieder gestohlen werden. Doch auch wenn immer wieder Blumen mitgenommen werden: Gar keine an die Gräber ihrer Kinder zu bringen, ist für die Mütter unvorstellbar. „Ich möchte meinem Kind Blumen hinstellen“, sagt Anna Fakner. „Das muss doch möglich sein.“ (Sabrina Dämon)

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