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Trinkwassernotstand in Friedberg rückt näher

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Von: Jürgen Wagner

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Der Seebach in Friedberg gleicht aktuell einem Rinnsal. Die Trockenheit lässt die Grundwasserbestände schrumpfen. Setzt sich dies fort, müssen die Bürger mit Einschränkungen bei der Trinkwassernutzung rechnen. © Nicole Merz

Der Po in Norditalien ist ausgetrocknet. Und mag der Vergleich auch kurios wirken: Der Seebach gleicht in diesen Tagen einem Rinnsal. Die Stadt reagiert bereits auf den Wassermangel.

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat ein Paddelverbot auf der Nidda ausgesprochen. Im Vogelsberg machen sich viele Gemeinden Sorgen um das Grundwasser, das nach Frankfurt abgegeben wird.

Der Trinkwassernotstand ist also eigentlich längst da, das »Gelb« der Ovag-Wasserampel sollte als Alarmsignal gewertet werden und nicht als bloße Vorstufe zum bald offiziell auszurufenden Trinkwassernotstand. Die Stadt Friedberg will deshalb - wie jüngst Wöllstadt Karben oder Bad Vilbel - eine »kommunale Gefahrenabwehrverordnung über die Einschränkung des Verbrauchs von Trinkwasser bei Notständen in der Wasserversorgung« erlassen.

Strittig war zuletzt noch die Frage, ob die Stadt ein zweistufiges System bei der Trinkwasserknappheit installiert. Die Grünen hatten dies vorgeschlagen. Die Verwaltung hatte die ursprüngliche Vorlage für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses nachgebessert, einige Vorschläge der Parlamentarier aufgenommen.

Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht die Frage, wie die Stadt effektiv auf den Wasserverbrauch einwirken kann. Die Wasserampel steht seit 2020 auf »Gelb«, die Aussagekraft und vor allem die abschreckende Wirkung dieses Instruments halten sich folglich in Grenzen.

Eine Wirkung ist freilich, dass die Stadt jährliche vom Wasserlieferanten, der Ovag, eine Einsparprognose erhält: Stand jetzt, soll die Stadt in 2020 rund 47 000 Kubikmeter Trinkwasser einsparen. Dieser Wert kann sich freilich schnell ändern, beruht auf Zahlen von 2021.

Stadt plant Vorwarnstufe

Um nun die geforderte erste Vorwarnstufe in die Gefahrenabwehrverordnung einzubauen, könnte die Stadt beispielsweise einen Grenzwert von 50 000 Kubikmeter festlegen. Müsste die Stadt diese Menge einsparen, gingen bei ihr die roten Lichter an und die erste Stufe der Verordnung würde greifen. Wichtig dabei: Das Konstrukt muss juristisch abgesichert sein.

Was dies im Detail bedeutet, steht noch nicht fest. Das liegt im Ermessen der Stadtverordneten und könnte etwa das Befüllen von Swimmingpools, das Bewässern von Rasen, der Betrieb von Springbrunnen sein oder die Bewässerung von Sportplätzen wird nur noch zu bestimmten Zeiten zugelassen.

Am Ende einer ausgiebigen Diskussion votierte der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig nicht nur für die Gefahrenabwehrverordnung Trinkwasser, sondern auch dafür, dass die Verwaltung im Herbst einen Vorschlag für ein zweistufiges Verfahren vorlegt.

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