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Die Frauen des Clubs Soroptimist Bad Nauheim-Friedberg sagen »Nein« zur Gewalt gegen Frauen mit einer aufrüttelnden Bierdeckelaktion.

»Nein« zu Gewalt gegen Frauen

  • VonHanna von Prosch
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Wetteraukreis (hms). »Alles Orange« heißt es im Wetteraukreis zum Auftakt der internationalen, von den UN ins Leben gerufenen »Orange Days«. Die Aktion macht aufmerksam auf die steigende Zahl von Gewalt gegen Frauen. Der Club Soroptimist Bad Nauheim-Friedberg beteiligt sich mit seiner schon 2019 erfolgreichen Bierdeckel-Aktion, um zu sensibilisieren und Hilfe anzubieten.

Nur 16 Tage im Jahr auf 148 000 bekannter Gewaltfälle gegen Frauen in Deutschland aufmerksam zu machen, das sei sicher zu wenig, meint der Club Soroptimist Bad Nauheim-Friedberg (SI). Jeden Tag müsse das einem bewusst sein. Doch als international kon-zertierte Aktion hätten die »Orange Days« mit Start am heutigen Donnerstag, 25. November, eine große Wirkung. Gebäude und Wahrzeichen werden in Orange getaucht.

Ein ungewöhnlicher Anblick - so wie die 10 000 Bierdeckel, die die Soroptimistinnen in mehr als 50 Cafés, Gaststätten und Kneipen in der Wetterau verteilt haben. Ziel ist, dass Betroffene oder Menschen aus einem aufmerksamen Umfeld sich die Deckel einstecken oder weitergeben können, ohne Worte, ohne Druck, ohne viel Aufhebens.

Mit Freude berichtet SI-Pressebeauftragte Friederike Arning davon, dass die Bierdeckel-Idee in ihrem Club geboren wurde und schon im Folgejahr von zahlreichen Clubs aufgegriffen wurde. »Wir wollen mit knappen Botschaften und Kontaktadressen auf den orangen Bierdeckeln niederschwellig auf ein Problem aufmerksam machen, dass viel zu viel verdrängt wird, in den eigenen Familien und der Öffentlichkeit. Die Dunkelziffer ist vermutlich enorm hoch.«

Zwar ist nach der am Dienstag veröffentlichten Auswertung des Bundeskriminalamts die angezeigte Partnerschaftsgewalt - zu 80 Prozent sind Frauen betroffen - nicht mehr als in den Vorjahren gestiegen, aber die Beratungskontakte bei den Stellen des Frauen-Notrufs haben während der Lockdowns um rund 15 Prozent zugenommen. Dabei hat Gewalt gegen Frauen viele Gesichter, körperliche, sexuelle, psychische Gewalt und zunehmend auch Femizide, also Tötungen von Frauen, weil sie Frauen sind. Weltweit geht es darüber hinaus um Genitalbeschneidung und Menschenhandel, um die Me-Too-Debatte und auch um den subtilen Psychoterror und die verbale Gewalt im Netz. Ein Aufgabenfeld, das auch SI-Bad Nauheim noch stärker ins Blickfeld nehmen will. Auf diese erschreckenden Botschaften weisen die orangefarbenen Bierdeckel plakativ hin. Darunter geben die Rufnummern des Frauen-Notrufs Wetterau und von »Frauen helfen Frauen« in der Wetterau den Hinweis auf Hilfe direkt vor Ort. Seit Jahren unterstützt der SI-Bad Nauheim-Friedberg beide Organisationen finanziell und mit Aktionen.

Farbe für eine hellere Welt

»Es freut uns besonders, dass gerade die Männer in den Betrieben unserer Aktion sehr positiv gegenüber stehen. Fast alle Gastronomen nehmen wieder teil, verteilt über die ganze Region in Städten und Dörfern«, berichtet Arning. Darunter sind einfache Kneipen, edle Restaurants, Pizzerien, Cafés, Bistros, traditionelle Gasthäuser.

In jedem Betrieb hängt ein Plakat, das individualisiert auf die Aktion aufmerksam macht. Bierdeckel gibt es, solange der Vorrat reicht. Im vergangenen Jahr fiel die Aktion Corona zum Opfer. Wie es in diesem Jahr mit der Gästezahl in den Gastronomiebetrieben sein wird und wie viele Menschen angesprochen werden können, wagt niemand vorauszusagen.

Der Fokus der internationalen SI-Kampagne 2021 liegt auf Prävention und Umsetzung der Istanbul-Konvention. »Danach sind die Vertragsstaaten verpflichtet, von Amts wegen tätig zu werden, auch in den Fällen, in denen das Opfer seine Aussage oder Strafanzeige zurückzieht. Wenn die Istanbul-Konvention konsequent umgesetzt wird, dann kann sie Leben retten«, sind die Soroptimistinnen überzeugt.

Und warum gerade die Farbe Orange? »Es ist die Farbe, die die UN als Symbol für eine gewaltfreie Welt für Frauen gewählt hat, eine hellere Welt«, erklärt Arning.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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