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Gregor Jonas Brundke Architekt

Neue Perspektiven

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). »Im Architekturstudium habe ich nicht ganz verstanden, wie man Häuser baut.« Diese ungewöhnliche Aussage stellte Gregor Jonas Brundke, Architekt und Dozent an der Universität Kiel, an den Beginn seines anspruchsvollen architekturtheoretischen Vortrags bei »Kultur auf der Spur«.

Der geborene Friedberger studierte unter anderem an der TU Kaiserslautern und wirkt neben seiner Lehrtätigkeit zurzeit an einem Wohnungsbauprojekt in Kiel-Holtenau mit. Sein 45-minütiges Referat im Theater Altes Hallenbad kreiste anhand zahlreicher Lichtbilder um zweidimensionale Visualisierungen räumlicher Konstellationen.

Dazu zählen z. B. Modelle, Lageskizzen, Grundrisse, Ansichten, Schnitte, Skizzen, Details, Diagramme, Piktogramme und isometrische Darstellungen. Auf die kritische Frage eines Zuhörers, weshalb räumliche Konstellationen nicht besser anhand dreidimensionaler Modelle visualisiert werden können, äußerte Brundke grundsätzliche Zweifel an der nötigen Komplexität solcher

3-D-Modelle. »ArchitektInnen bauen keine Häuser«. Auch diese Aussage befremdet zunächst, wird aber - wenn auch dem Laien nur bedingt - verständlich, wenn man die Aufgabe des Architekten darin sieht, bauliche Objekte als Zusammenstellung statischer Elemente zu planen und diese Pläne dann in Zeichnungen und Modelle zu überführen.

Damit erhält das Modell eine hohe Eigenbedeutung und wird - als zentrales Visualisierungsmedium - zum »emotionalen Vermittler«. Brundke berief sich in diesem Zusammenhang auf die klassische Formel des US-amerikanischen Medientheoretikers Marshall McLuhan: »the medium is the message«, das heißt, bereits dem jeweiligen Medium, nicht erst dem von ihm vermittelten Inhalt, kommt eine hohe Eigenbedeutung zu. Als Beispiele für diese These nannte Brundke die Archi- tekturmodelle der vor eini- gen Jahren verstorbenen irakischen Stararchitektin Zaha Hadid. Viele ihrer Modelle blieben unrealisiert und wurden so zu reinen Kunstobjekten.

Anhand von Piktogrammen und isometrischen Darstellungen der vom »Bauhaus«-Architekten Walter Gropius entworfenen und 1930 realisierten Wohnsiedlung in Dessau stellte Brundke ein weiteres Visualisierungsmedium von Architektur vor.

Im Anschluss an seinen Vortrag entspann sich eine interessante Debatte über das Verhältnis von architektonischem Entwurf und dessen baulicher Realisierung. So komme es immer wieder vor, so ein kompetenter Zuhörer, dass zwischen planerischer Idee und gebauter Wirklichkeit eine große Differenz bestehe.

Der nächste Vortrag bei »Kultur auf der Spur« soll am Montag, 31. Januar 2022, stattfinden. Dr. Matthias Recke vom Archäologischen Institut der Universität Frankfurt wird über »Bild, Raum und Perspektive in Kunst und Architektur der Antike« referieren. FOTO: GK

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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