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Politische Alltagsgeschichten

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Von: Harald Schuchardt

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Am Telefon: Sebastian Schnoy verdeutlicht seine Gags mit Gesten. Sonst wechselt er blitzschnell die Themen und bringt Dinge zusammen, die eigentlich keine direkte Verbindung haben. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Mit einem zweiten Gastspiel im Theater Altes Hallenbad eröffnete Sebastian Schnoy am Samstag die Spielsaison 2022 in der einstigen Schwimmhalle. »Dummikratie - Warum Deppen Idioten wählen« lautet das aktuelle Programm des Hamburgers, der sich als politischer Kabarettist längst etabliert hat.

»Wir sind froh, dass wir das Haus offen haben«, sagte Alexa Busse vom »Kulturtaucher«-Team in ihrer kurzen Begrüßung der 80 zugelassenen Besucher, die sich alle an die 2G-plus-Regeln samt Maskenpflicht am Sitzplatz hielten.

Eine Neuerung, auf die auch Schnoy einging: »Wenn Sie ohne Maske ins Theater gehen wollen, dann machen Sie ein Bühnenprogramm«, riet er den Besuchern, denen er die hervorragende Anbindung seiner Heimatstadt an Friedberg erklärte: »Ich steig in Hamburg in den Intercity und in Friedberg wieder aus, deshalb komme ich besonders gern hier her.«

Er »vermisst« Donald Trump

Und als er dann noch Besucher Martin als Double »seines« Hamburger Bürgermeisters Peter Tschenscher begrüßte, war das Eis gebrochen und der Kabarettist, Autor und Historiker konnte sich seinen Herzensthemen Gleichberechtigung, Toleranz und Frieden widmen.

»Das Programm ist entstanden, als Populisten hoch im Kurs waren«, meinte der 51-Jährige und »trauerte« um seinen »Liebling Donald Trump«. Von Beginn an band Schnoy die Besucher in sein Programm ein und versprach nach seiner Einführung, Corona nicht mehr zu erwähnen - was ihm tatsächlich gelang.

Die Befragung der Besucher, wo sie politisch stehen, zog sich durch den ganzen Abend, wobei Schnoy sich als »eher links« outete. »Kabarettbesucher sind per se links - außer in Brandenburg«, meinte Schnoy, der die Nähe der Konservativen zu den Rechten ebenso thematisierte, wie den alltäglichen Rassismus, »von rechts und auch von links«, so der Kabarettist, der in der Hamburger Flüchtlingshilfe aktiv ist.

Seinen »Politiktest« würzte er mit von ihm kreierten Partei-Parolen, die durchaus provozierten, wie seine »positive« Beschreibung von Rechtsradikalen: »Sie sind einfach gestrickt, aber ehrlich.« Doch auch Grüne, SPD und Linke bekamen ihr Fett weg. Dazuzählten die drei besten Parolen, um Grün zu wählen, wie »wenn ich Bundeskanzlerin werden sollte, werden doppelt so viele Züge fahren, aber nur noch die Hälfte kosten«, so der Hamburger, der kundtat, Vereinfachungen zu lieben.

Welche Folgen zu viel Rücksichtnahme und Toleranz jedoch auch haben können, zeigte er anhand eines Willkommen-Grillens für Flüchtlinge auf. »Kein Schweinefleisch und Alkohol wegen der Muslime, kein Fleisch überhaupt wegen den Vegetariern und keine Grillkohle wegen der Umwelt.« Da höre der Spaß auf, meinte Schnoy, der auch ein Rezept für weltweiten Frieden parat hatte: »Je mehr wir uns mischen, umso besser ist es.«

Zu seinen konkreten visionären Vorschlägen für ein friedliches Europa gehörte die Forderung, die Türkei in die EU aufzunehmen, denn »den Despoten Erdogan« hätten Angela Merkel und die anderen in der EU bis 2008 selbst gezüchtet.

Auch von den Russen könne man durchaus lernen, meinte Schnoy und plädierte für die Einführung der Monarchie, nachdem er der Frage nachgegangen war, ob Demokratie nicht doch zu stressig sei. Blitzschnell wechselte er die Themen, brachte Dinge zusammen, die eigentlich keine direkte Verbindung haben. So mischte er unter seine politischen Statements immer wieder Alltagsgeschichten, wie die vom Aussteiger, der täglich über Apple einen Blog schreibt, was für ihn ebenso widersprüchlich ist, wie das Gendern. »Bei Lehrer-Sternchen-innen steht der Mann noch immer an erster Stelle und das Sternchen steht für 70 andere Geschlechter, die müssen alle ausgeschrieben werden«, forderte Schnoy, der schließlich in seiner Zugabe noch die Spaziergänger in Deutschland gekonnt analysierte.

Viel Beifall gab es von den Besuchern für den Kabarettisten, dessen Standpunkte sicher nicht immer alle im Saal teilten - und es auch nicht mussten.

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