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Quer durch die Jahrzehnte

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Von: Harald Schuchardt

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Wolf Maahn blickt auf eine 40-jährige Musikkarriere zurück. 19 Alben hat er bisher veröffentlicht. Jetzt ist er im Friedberger Rathauspark aufgetreten. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Den ganz großen Hit hat Wolf Maahn in seiner über 40 Jahre langen Musikerkarriere nie gehabt. Trotzdem ist der 67-Jährige längst eine feste Größe in der deutschen Rockmusikszene geworden, nicht nur als Sänger, sondern auch als Songwriter und Komponist für andere Künstler sowie als Musikproduzent.

Doch Maahns große Leidenschaft, das sind seine Songs, die er am Freitagabend bei »Sommer im Rathauspark« präsentierte. »Ihr seid richtig hier, es gibt sie wieder - die Live-Konzerte« meint die Deutschrock-Legende und kündigt sein Konzert als »Radio Wolf Maahn - quer durch die Jahrzehnte« an.

Stirnband ist sein Markenzeichen

Tatsächlich unternahm der gebürtige Berliner, der längst ein fester Teil der Kölner Rockmusikszene geworden ist, einen Zeitsprung nach dem anderen. Dazu gab es noch jede Menge Zeitgeschichte, gemixt mit Anekdoten aus seinem langen Musikerleben mit insgesamt 19 veröffentlichten Alben.

Es war genau das, was die Besucher von dem genialen Musiker mit dem obligatorischen Stirnband als Markenzeichen hören und sehen wollten. Der Mix aus unbekannteren, neuen und erfolgreichen Songs passte einfach. Zu Letzterem gehören »Blinder Passagier« und »Gelobtes Land« aus dem 2015 veröffentlichten Album »Sensible Daten.«

Maahn singt nicht nur von Freud und Frust in der Liebe, er setzt sich schon immer kritisch mit dem Alltag in Deutschland und der Welt auseinander. Er hält mit seiner Meinung und seinen Ansichten nicht hinterm Berg und setzt diese mit seiner ihm eigenen Lyrik, gepaart mit fetzigem Rock oder Blues ebenso um wie in einige fast schon romantisch anmutenden Rockballaden. Dabei wird er von vier erstklassigen Musikern unterstützt, allen voran Gitarrist Roger Schaffrath, mit dem er schon seit über 20 Jahren zusammenarbeitet. Für seine diffizilen Gitarrensoli erhielt der Kölner immer wieder langen Zwischenapplaus.

Keyboarder Jürgen Dahmen überzeugte nicht nur mit variablem Spiel auf den Tasten sondern bei einigen Stücken auch als versierter Conga-Spieler und unterstützte so Schlagzeuger Jan Wienstroer, der ebenso brillierte wie Volker Vaessen mit seinem variablen Bassspiel. In seine Zeitreise eingebaut hatte Maahn auch seine 1982 veröffentlichte erste Solosingle, eine Elektropopversion des Anti-Kriegs-Lieds »Sag’ mir wo die Blumen sind«. Darin erwähnte er, wie selbstverständlich, Putin.

»Da ist ein Irrer in einer Supermacht, der uns erpressen will. Der ist in der vorpubertären Phase hängen geblieben«, meinte Maahn im Verlauf des Abends, was die Besucher mit langem Beifall quittierten.

Etliche Fans hatten sich schnell vor der Bühne eingefunden, tanzten und feierten Maahn ebenso wie eigentlich alle Besucher. Überall auf dem weitläufigen Areal wurde getanzt, auf dem Stuhl hin und her gewippt, mitgeklatscht und die bekannten Songs, wie »Blinder Passagier« oder »Gib’ mir das Fieber zurück« aus dem Album »Irgendwo in Deutschland« mitgesungen. Dazu erzählt Maahn, dass er 1985 in der ZDF-Hitparade aufgetreten ist und der Drummer sein Schlagzeug zerstört habe. Im gleichen Jahr trat Maahn mit seinen »Deserteuren« als erster Musiker mit rein deutschsprachigen Songs im legendären Rockpalast auf.

Die ausgelassene »Festivalstimmung« gefiel Maahn sichtlich. »Es ist super hier in dieser schnuckeligen Kleinstadt, es könnte nicht schöner sein«, meinte Maahn, klatschte den Fans zu und wirbelte weiter über die Bühne, wobei er seine musikalischen Mitstreiter ebenso immer wieder antrieb, wie die Besucher.

Zu den älteren Songs gesellten sich drei Lieder aus dem 2019 veröffentlichten Album »Break out of Babylon«, in dem sich Maahn mit dem Leben der Superreichen auseinandersetzt, denn »die, die das meiste Geld haben, sind nicht immer die hellsten Kerzen«, heißt es darin.

Nach knapp zwei Stunden Non-Stop-Deutschrock einschließlich zweier Zugaben vom Allerfeinsten stellte Maahn fest: »Ein besonderer Abend geht zu Ende.«

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