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Kundgebung in Friedberg: Redner setzen auf „Vernunft statt Geschwurbel“

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Von: Jürgen Wagner

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Am Montagabend versammeln sich auf dem Friedberger Elvis-Presley-Platz zeitweise bis zu 300 Menschen, die gegen Verschwörungsglauben, Fake News und Rechtsextremismus demonstrieren. Die »Montagsspaziergänger« sind an diesem Tag deutlich in der Minderheit, laufen aber andernorts auf.
Am Montagabend versammeln sich auf dem Friedberger Elvis-Presley-Platz zeitweise bis zu 300 Menschen, die gegen Verschwörungsglauben, Fake News und Rechtsextremismus demonstrieren. Die »Montagsspaziergänger« sind an diesem Tag deutlich in der Minderheit, laufen aber andernorts auf. © Nicole Merz

„Solidarität statt Egoismus“: Unter diesem Motto haben mehr als 300 Menschen auf dem Elvis-Presley-Platz in Friedberg gegen Fake News und Verschwörungsgeschwurbel demonstriert.

Friedberg – Was mancher befürchtet hatte, blieb aus: Kritiker und Unterstützer der Corona-Politik trafen am Montagabend (17.01.2022) in Friedberg nicht aufeinander. Als die von 24 Gruppen initiierte Kundgebung auf dem Elvis-Presley-Platz bereits eine Stunde lang lief, ertönte aus der Wolfengasse eine Lautsprecherdurchsage. Die Polizei wies die vorgeblichen »Spaziergänger« darauf hin, dass ihr Zug unverzüglich aufgelöst werde, sollte es zu Störungen der Kundgebung kommen.

Die Störungen blieben aus, sie wären auch wirkungslos gewesen. Dem Polizeiauto folgte gerade mal ein Dutzend Impfskeptiker, mit Masken, wie auf der Kaiserstraße angeordnet. »Dumm gelaufen« kommentierte ein Kundgebungsteilnehmer die Mini-Demo doppeldeutig. Das Häuflein der Querdenker bzw. derjenigen, die sich von Querdenkern beeinflussen lassen, verlief sich wieder.

Ein Bündnis aus mittlerweile 24 Gruppen, Institutionen und Parteien hatte zur Kundgebung »Friedberg solidarisch - Für Demokratie, Aufklärung und Wissenschaft« aufgerufen. Sie wollen ein Zeichen gegen Corona-Proteste und Querdenker setzen, vertrauen lieber der Wissenschaft als Internet-Chats und sprachen allen, die von der Pandemie betroffen sind, ihre Solidarität aus. Der Elvis-Presley-Platz war gut gefüllt, alle trugen Masken und hielten Abstand. Die Antifa-BI sprach am Montagabend gar von 400 Teilnehmern.

Friedberg setzt Zeichen gegen „Querdenker und Verschwörungsredner“

»Friedberg zeigt Flagge gegen Querdenker und Verschwörungsredner«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Für Ortsvorsteher Rudi Mewes (Grüne) war die große Beteiligung ein »Signal, dass wir uns umeinander kümmern und nicht zusehen, wie Leute mit rechtsradikalen Botschaften durch die Stadt ziehen«. In einer Gesellschaft seien Regeln nötig; wer sich nicht impfen lasse, habe Nachteile. Die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl (SPD) sprach allen, die in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen »alles am Laufen halten«, ihren Dank aus. Darum müsse es gehen: Um Solidarität, Anteilnahme und Hilfe. Gnadl forderte, alle Skeptiker sollten sich von Rechtsextremen, die übers Internet zu den »Spaziergängen« einladen, abgrenzen.

Der Kampf auf der Straße ist auch ein Kampf um Worte. Der Physiker und Buchautor Holm Gero Hümmler (mit Ulrike Schiesser: »Fakt und Vorurteil. Kommunikation mit Esoterikern, Fanatikern und Verschwörungsgläubigen«) sprach nicht von »Verschwörungstheorie«, sondern von »Verschwörungsglauben«, den die Impfskeptiker propagierten. »Wenn falsche Behauptungen nicht hinterfragt werden, werden sie für die Leute zur Realität.« Deshalb müsse man Fake News widersprechen.

Dekan Volkhard Guth von der Evangelischen Kirche rief zum Dialog auf und betonte: Nicht die Gesellschaft schließt die Impfgegner aus, Freiheit bedeute immer auch Verantwortung für seine Mitmenschen. »Impfen rettet Leben«, sagte Guth. Wer das leugne, ignoriere die Wirklichkeit.

Friedberg: Polizei hält maskenlosen Störer auf

Wie argumentieren Querdenker? Das hat Mahran Pulkert von der Antifa-BI recherchiert. In Telegram-Gruppen im Internet würden die abstrusesten Behauptungen aufgestellt. Wer Kritik anmelde, werde als »Spalter« diffamiert und bekomme die Schreibrechte entzogen. Weitere Redner waren der Ausländerbeiratsvorsitzende Mehmet Turan, Uschi Knihs (»Omas gegen Rechts«), Dr. Doris Jentsch (Grüne) und Malin Potentowski (»Fridays for Future«). Wobei deutlich wurde, dass es durchaus unterschiedliche Sichtweisen auf die Corona-Politik der Bundesregierung(en) gibt und Kritik nicht verschwiegen wird. Das dürfe aber nicht dazu führen, demokratische Werte über den Haufen zu werfen, hieß es.

Organisator Andreas Balser von der Antifa-BI kündigte weitere montägliche Kundgebungen an. »In der Wetterau gibt es keinen Raum für Querdenker.« Das musste auch ein junger Mann erfahren, der nach etwa einer Stunde ohne Maske und wirres Zeug brüllend über den Elvis-Presley-Platz stürmte, aber umgehend von der Polizei aufgehalten werden konnte. Warnung an alle Verkehrsteilnehmer: Auch an den folgenden Montag ist in den Abendstunden mit Irrläufern zu rechnen. Hier lesen Sie die Polizeibilanz zu den jüngsten Einsätzen bei den Corona-Demos in Mittelhessen.

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