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Schön fürs Auge, gut für die Natur

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Stefan Nawrath pflanzt in seinem »Archegarten« den selten gewordenen Heilziest. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Es gibt sie noch, die kleinen Oasen mitten in der Stadt. 13 dieser mehr oder weniger großen Refugien hatten für das vergangene Wochenende zum zweiten »Tag der offenen Gärten« eingeladen.

Einige Gärten öffneten bereits am Samstagvormittag, so wie der Ockstädter Saisongarten des Biohofs Ewald. Der war das erste Ziel von Nadine Kohlinger, die sich mit dem Rad von Butzbach-Münster auf den Weg in die Kreisstadt gemacht hatte. Der zweite Friedberger Saisongarten in Fauerbach konnte am Samstagnachmittag besichtigt werden.

Lebensraum für Wildbienen

Weiter ging es für die Butzbacherin in den Fermakulturgarten in der Nelkenstraße, wo Lukas Schulze und Sven Fischer Gemüse und Kräuter zum Fermentieren anbauen. In der Kernstadt steuerte Kohlinger zunächst den Garten der Familie Germey an, der einen Mix aus Erholungs-, Spiel- und Nutzgarten darstellt und sich an der Seewiese befindet.

Weiter ging es zum 1600 Quadratmeter großen Permakulturgarten von Rabea und Kyra Scheifele direkt an der Usa. Die beiden Schwestern und Mutter Astrid hatten einen Rundgang durch »Rabeas und Kyras Farm« angelegt, an dem mittels Schautafeln die Philosophie und Ethik der Permakultur erläutert wurde. »Das Interesse ist groß«, freuten sich die beiden Schwestern und Mitorganisatorinnen der Veranstaltung. Nach dem Rundgang konnten sich die Besucher mit Wasser und Brot mit hausgemachter Marmelade stärken.

Fast überall wurden Snacks und Erfrischungen angeboten, auch im Garten der Familie Janus-Förster in der Barbarastraße. Hier hat Sabine Janus-Förster auf 1000 Quadratmetern einen artenreichen Lebensraum für Wildblumen und weitere Insekten mit vielen kleinen Ruhe-Oasen geschaffen. »Wir hatten viele inspirierende Gespräche und Menschen kennengelernt, die nur einige Häuser von uns entfernt wohnen«, freute sich Sabine Janus-Förster, die unter anderem frisch gebackenes Brot mit »Unkraut-Pesto« anbot. »Dieser Garten ist total schön und auch etwas verwunschen«, lobte die Ossenheimerin Monika Köller. Wie sich das Anwesen in fast 150 Jahren verändert hatte, konnten die Besucher an zwei Schautafeln voller alter Bilder nachvollziehen.

Gleich drei Gärten in der Nähe der 24 Hallen konnten am Samstag besichtigt werden, wobei auf dem Gelände der Kinderfarm Jimbala für die jüngeren Besucher eher Herumtoben auf dem Aktivspielplatz angesagt war, anstatt die Gartenbereiche zu betrachten.

In der Nähe befinden sich der NABU-Garten und der »Friedberger Begegnungsgarten«, der von Tine Hölzinger vom Evangelischen Dekanat Wetterau betreut wird. Auf 20 Quadratmeter großen Parzellen bauen dort Menschen aus verschiedenen Kulturen Gemüse an. »Die Gurken koche ich zusammen mit Zwiebeln, Dill und Pfeffer ein«, erzählte Walter Bender, der seit zwei Jahren auf einer Parzelle gärtnert. »Meine Nachbarn hier sind Türken, Inder und Japaner, das ist toll.«

Biodiversität auf dem Dach

Wer wollte, der konnte auf das 40 Quadratmeter große Dach des Gartenhauses steigen und sich die Bepflanzung samt Erdhaufen, Sandflächen und Ästen betrachten. Verantwortlich dafür zeichnet Beate Alberternst, die im Botanischen Garten Frankfurt das Projekt »lebendige Dächer« betreut. »Wir wollen Biodiversität auf die Dächer bringen«, sagte die Agrar-Biologin, die zusammen mit Student Yannick Scheier, der gerade seine Masterarbeit über Ökologie und Evolution schreibt, über das Frankfurter Projekt informierte.

Etwas Besonderes ist auch der kleine »Archegarten« mit bedrohten heimischen Wiesenpflanzen, wie dem Heilziest, den Diplom-Biologe Dr. Stefan Nawrath angelegt hat. Nawrath wohnt mit Familie in der Ossenheimer Passivhaussiedlung »Lummerland«, wo er und zwei Nachbarn am Sonntag ihre Naturgärten am Haus geöffnet hatten. An beiden Tagen geöffnet hatte der von Künstlern betreute »KunstgARTen« in der Nähe der Promenade zwischen Friedberg und Bad Nauheim. Im kommenden Jahr soll die erfolgreiche Aktion wiederholt werden.

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