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Schüler fordern Weiterbeschäftigung ihres Musiklehrers

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Von: Jürgen Wagner

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»Herr Krogmann muss bleiben«: 150 Schüler, Eltern und Lehrkräfte demonstrieren am Freitag für eine Weiterbeschäftigung des beliebten Musikpädagogen. © Nicole Merz

Claus Krogmann ist »nur« Musikpädagoge. Deshalb endet sein Job sals Musiklehrer an der Friedberger Philipp-Dieffenbach-Schule. Dagegen protestierten die Schüler am Freitagnachmittag.

Die hessischen Schulämter schreiben auf ihrer Internetseite: »Die Übernahme befristeter Vertretungsverträge bietet unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, Bonuspunkte zu sammeln, welche die Chancen auf ein unbefristetes Einstellungsangebot erhöhen können.« Geht es nach Eltern, Schülerinnen und Schülern und nach dem Kollegium, wurden an der Philipp-Dieffenbach-Schule in Friedberg schon reichlich Bonuspunkte gesammelt.

Claus Krogmann, sagt eine Lehrerin, habe im Unterricht, aber auch in den Projekten, die er initiiert habe, »ein überragendes Engagement« gezeigt. »Wir haben quasi einen musikalischen Schwerpunkt an der PDS, dank Claus Krogmann.« »Die Kinder lieben ihn«, sagt ein Vater. »Wenn wir bei ihm Musik haben, ist es wie in einer anderen Welt«, sagt Magareta (9). Müsse er die Schule verlassen, dann sei das »sehr, sehr traurig«, ergänzt ihre Freundin Louise (8).

Niederlage vor dem Arbeitsgericht

Freitag vergangener Woche musste Krogmann eine Niederlage vor dem Arbeitsgericht hinnehmen. Er hat auf Weiterbeschäftigung geklagt, nachdem das Schulamt ihm mitteilte, dass er an der PDS nicht weiter beschäftigt wird. Krogmann hat sieben Arbeitsverträge in fünfeinhalb Jahren unterschrieben, wie viele andere Musikpädagogen auch. Musiklehrer mit Staatsexamen sind rar gesät. Für Musikpädagogen, die Privatunterricht geben oder an Musikschulen beschäftigt sind, eine Chance, in den Lehrberuf an staatlichen Schulen einzusteigen.

Aus rechtlichen Gründen dürfen solche befristeten Verträge in Hessen nur bis zur maximalen Dauer von sieben Jahren aneinandergereiht werden. Krogmann wurde, wie er sagt, vom Schulamt aufgefordert, einen Antrag auf Entfristung seiner Anstellung zu stellen. Das war’s dann. Weiterbeschäftigt könnte er nur werden, »wenn er in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis übernommen wird«, erklärt Anna Curran, Vorsitzende des Schulelternbeirats. Doch da stellen sich die Behörden quer.

Krogmann spiele »alle gängigen Musikinstrumente mühelos selbst, singt, textet, tanzt und bringt den Kindern mit großem Engagement den Zauber der Musik nahe«, sagt Curran. »Es dürfte schwerfallen, im Wetteraukreis, vielleicht sogar in ganz Hessen, einen motivierteren und inspirierenderen Musiklehrer zu finden.« Elternvertreter Helge Müller, selbst Jurist und Beamter, kann zwar die juristischen Gründe nachvollziehen. »Aber es ist unverständlich, dass die Behörden nicht imstande sind, eine Ausnahmeregelung zu schaffen. Seit Jahren gibt es einen Mangel an Musiklehrkräften. Ministerium und Schulämter müssen ihrer Verpflichtung nachkommen und mehr für die Schulen tun.«

Demo gegen den »Lehrer-Klau«

Eine Petition mit 143 Unterschriften haben Elternvertreter kürzlich im Kultusministerium in Wiesbaden abgegeben; weder Minister noch Staatssekretäre nahmen sich für den Termin Zeit. Am Freitag haben rund 150 Schüler, Eltern und Lehrkräfte zusammen mit Krogmann für dessen Weiterbeschäftigung demonstriert. Ein Kamerateam des HR war da. Mit großer Begeisterung zeigten Krogmann und die Kinder einen Tanz zum Hit »The Weatherman«, und nach der Zugabe marschierten alle einmal rund um die Schule und über die Seewiese. »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns Herrn Krogmann klaut«, skandierten die Demonstrierenden. Claus Krogmann will vor dem Arbeitsgericht in Berufung gehen. Jobangebote hat er genug. Er will aber an der Philipp-Dieffenbach-Schule bleiben.

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