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Selbstbewusster Dichter und Sohn der Stadt Friedberg

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Von: Harald Schuchardt

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Über die gelungene Ausstellung freuen sich (v. l.) Lutz Schneider, Dirk Antkowiak und Andrej Seuss. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Seit der Wiedereröffnung des historischen Burggartens im Jahre 2010 sind die Fotoausstellungen in den Sommermonaten eine lieb gewonnene Tradition geworden. Am Freitag wurde die Ausstellung, die sich mit Leben und Wirken des Friedberger Dichters, Schriftstellers und Publizisten Albert H. Rausch alias Henry Benrath beschäftigt, eröffnet.

Dazu waren Bürgermeister Dirk Antkowiak, Stadtarchivleiter Lutz Schneider und Andrej Seuss, seit 2018 ehrenamtlicher Betreuer des Henry-Benrath-Archivs, eines Teils des Stadtarchivs, gekommen. Antkowiak dankte Seuss für dessen Tätigkeit im Archiv eines »weitgehend vergessenen Bürgers dieser Stadt«. Zudem hob der Bürgermeister die reibungsglose Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof hervor.

Seuss hat die Ausstellung konzipiert, die Texte dazu geschrieben und zusammen mit Schneider die Bildauswahl getroffen und die Bildunterschriften verfasst. »Das sind gefühlte zehn Meter laufende Archivkisten«, sagte Seuss über das 1948 von Oberstudienrat Wilhelm-Hans Braun gegründete Archiv voller Bilder, Dokumente und Briefwechsel mit bekannten Persönlichkeiten aus Kultur, Gesellschaft und Politik.

Grund für die Ausstellung »Albert H. Rausch - Henry Benrath. Ein Leben« ist der 140. Geburtstag von Rausch, der am 5. Mai 1882 in Friedberg geboren wurde. »Das ist für mich ein Anlass, Rausch wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken«, sagte Seuss.

Auf den 19 Ständern im Burggarten wird ausführlich auf das Leben des Literaten eingegangen. Vor zwei Jahren publizierte Seuss einen Band über die Freundschaft Rauschs mit dem Schweizer Maler Andreas Walser. In Friedberg erinnern der Henry-Benrath-Weg und die Henry-Benrath-Schule an den Dichter. Am Geburtshaus Kaiserstraße 41 und am Bibliothekszentrum Klosterbau befindet sich jeweils eine Gedenkplakette.

Unter der Fragestellung »Wer war Henry Benrath?« will die Ausstellung Antworten geben, die aufgrund des Umfangs seines Werkes, des Nachlasses, der Forschungsliteratur und der Begrenzung, die dem Ausstellungsformat geschuldet ist, nur überblickartig und lückenhaft sein können.

Die Ausstellung beginnt unter den Titeln »Ein Friedberger«, »Ein Augustinerschüler« und »Ein europäischer Student« mit Kindheit, Jugend, Schul- und Studienzeit von Rausch, der als Sohn des Mehlhändlers Karl Heinrich Rausch und dessen Ehefrau Marie Luise Bechstein geboren wurde. Es folgen Bilder und Texte von Rauschs ersten Veröffentlichungen sowie über die Anerkennung des »selbstbewussten Künstlers« bei den führenden Intellektuellen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im Ersten Weltkrieg war Rausch als Journalist tätig, leitete eine deutsche Zeitung in Metz und holte den jungen Friedberger Fritz Usinger zu seiner Zeitung. Mit »Ein reisender Europäer« ist ein weiteres Kapitel überschrieben, und mit der Tafel »Ein Mann, der Männer liebte« wird auf die Homosexualität Rauschs eingegangen. Nicht zu kurz kommt das literarische Werk Rauschs, der 1943 nach Magreglio zog. Er gilt als Retter mehrerer italienischer Dörfer, die von der Wehrmacht niedergebrannt werden sollten. »Wie er die Wehrmachtsführung von dieser Tat abbrachte, ist bis heute nicht geklärt«, sagte Seuss. Er hofft, dass auch Schulklassen die Ausstellung besuchen und sich mit Rauschs Leben auseinandersetzen werden.

Die Ausstellung »Albert H. Rausch - Henry Benrath. Ein Leben« kann noch bis Ende Oktober während der Öffnungszeiten des Burggartens täglich - außer montags - von 9 bis 20 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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