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Sind Geisterfahrten zu verhindern?

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Wetteraukreis/Gießen (so). Es war ein Bild des Grauens: Trümmer von mehreren Pkw verteilten sich über bald 400 Meter auf der nächtlichen A5. Vier Menschen starben, davon drei junge Erwachsene aus dem Kreis Gießen: der mutmaßliche Unfallverursacher (33) sowie zwei 19-Jährige. Drei weitere Menschen wurden teils lebensbedrohlich verletzt.

Was war passiert? Ein Geisterfahrer war auf der falschen Spur gen Süden gefahren und mit seinem Opel Astra zwischen der Anschlussstelle Friedberg und dem Rasthof Wetterau mit einem entgegenkommenden Wagen frontal zusammengeprallt. Zwei Nachfolgende Autofahrer konnten nicht ausweichen, rasten ebenfalls in die Unfallstelle, so starb ein vierter Mensch, ein 68 Jahre alter Frankfurter.

Mehr als fünf Monate nach dem Unfall, am dritten Septemberwochenende 2021, sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen und können sich laut Staatsanwaltschaft auch noch hinziehen.

Insbesondere das komplexe Unfallanalysegutachten steht laut Staatsanwalt Thomas Hauburger noch aus. Er rechnet damit, dass dies noch mehrere Wochen dauern kann.

Der Wetterauer Polizeisprecher Tobias Kremp verweist auf die Staatsanwaltschaft, bei der die Fäden zusammenlaufen. Angesichts der noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen wolle man vorab keine Einzelheiten darlegen. Erst sollen alle nötigen Erkenntnisse zusammengetragen sein.

Insofern bleibt noch eine Reihe von Fragen offen. Etwa zum genauen Unfallhergang und dazu, wie es zu dieser tödlichen Geisterfahrt kam: Ein Versehen? Unklare Verkehrssituation oder Beschilderung? Oder gar Absicht? Auch zum mutmaßlichen Unfallverursacher gibt es bislang keine Auskünfte. Es soll sich um einen 33-Jährigen aus dem Kreis Gießen handeln. Er war wohl allein im Auto unterwegs und starb kurz nach dem Unfall ebenfalls in einer Frankfurter Klinik.

Resolution des Kreistags

Derweil hat sich die Politik des Themas angenommen: Der Gießener Kreistag hat am Montag einstimmig eine Resolution an die Autobahn GmbH und deren Vertreter für den Bereich Mittelhessen verabschiedet. Gefordert werden darin Maßnahmen zur Verhinderung von Geisterfahrten auf Autobahnen.

In einer bewegenden Rede hat Stergios Svolos (Grüne), wie bereits im Sozialausschuss des Kreistags, die gemeinsame Initiative von Grünen, Freien Wählern und CDU vorgestellt. »Der Schmerz, den man fühlt, wenn eine nahestehende Person aus dem Leben gerissen wird, ist unbeschreiblich«, sagte der 19-Jährige. Eine Mitschülerin des Abiturienten aus Gießen war ebenfalls bei dem Unfall umgekommen. Angehörige und Freunde der Opfer fühlen tiefe Trauer, Wut und Unverständnis, sagte Svolos. Von Jugendlichen ist er gefragt worden: Wieso unternimmt die Politik nichts dagegen?

So wird die Autobahn GmbH vom Gießener Kreistag gebeten, regelmäßig die Autobahnen in Bezug auf besondere Gefahrenstellen für Geisterfahrten zu evaluieren und verstärkt Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit einzuplanen und umzusetzen. Denkbar wären neongelbe große Schilder an den Ein- und Ausfahrten sowie auf der Strecke in umgekehrter Fahrtrichtung, die die falsche Richtung aufzeigen und auch unter schlechten Wetterverhältnissen zu erkennen sind. Auch geeignete Markierungen im Bereich der Auf- und Abfahrten werden vorgeschlagen.

Die Antragsteller gehen davon aus, dass der Unfall mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen womöglich zu verhindern gewesen wäre.

Zur Begründung heißt es: Die meisten Falschfahr-Unfälle werden überwiegend im Winter, am Wochenende, bei Nacht und/oder unter schlechten Wetterverhältnissen verursacht. Laut ADAC gab es im Jahr 2020 rund 2200 Falschfahr-Meldungen. Es könne jeden Autofahrer treffen, selbst ein Geisterfahrer zu werden, wenn man verwirrt oder von äußeren Einflüssen abgelenkt wird.

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