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»Starke, gut vernetzte Frauen«

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Landesverbands-Präsidentin Ursula Pöhlig (r.) überreicht ein Geldgeschenk an die Bezirksvorsitzende Bettina Bonarius und erhält aus deren Hand einen Blumenstrauß. © Inge Schneider

Friedberg (im). Zum 75. Geburtstag des Landfrauen-Bezirksvereins Friedberg hat Vorsitzende Bettina Bonarius zahlreiche Gäste im Festzelt auf dem Friedberger Herbstmarkt begrüßt. Durch das Programm führte Vorstandsmitglied Dr. Isabell Tammer, Bürgermeisterin von Münzenberg, die den Kommers wie ein gutes Kuchenrezept unter dem Motto »Man nehme…« mit zahlreichen Rednerinnen und imaginären Zutaten »garnierte«.

Zur Eröffnung begrüßte Vorsitzende Bonarius die Ehrengäste, unter ihnen Landrat Jan Weckler, den Kreisbeigeordneten Matthias Walther, Andrea Rahn-Farr als Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt, Lena Herget-Umsonst als Bürgermeisterin von Reichelsheim, Ursula Pöhlig als Präsidentin des hessischen Landfrauenverbandes, Christel Gontrum für den Landfrauen-Bezirksverein Gießen sowie Vertreterinnen der Bezirksvereine Hochtaunuskreis, Nidda, Hanau, Gelnhausen, Usingen und Schotten. Nicht zuletzt waren zahlreiche Mitglieder und Ehrenmitglieder der 22 Ortsvereine mit insgesamt 2000 Mitgliedern im Festzelt auf der Seewiese anwesend. »Wir sind starke, gut miteinander vernetzte Frauen, die füreinander einstehen«, rief Bonarius der Versammlung zu. »Ich bin stolz, eine von euch zu sein!«

Landrat Jan Weckler, selbst aus einer Landfrauen-Familie stammend und mit einem Großvater, der einst in Friedberg die Landwirtschaftsschule geleitet hatte, unterstrich die existenzielle Bedeutung der Landwirtschaft und der Landfrauen für die Gesamtgesellschaft. »Der Ukraine-Krieg hat uns gezeigt, was daraus folgt, wenn sich Grundnahrungsmittel wie Getreide in der Hand eines Diktators befinden«, sagte Weckler, der zur Förderung der regionalen Landwirtschaft und zu Aufklärungsarbeit in Sachen Ernährung durch die Landfrauen aufrief. Viel Applaus erhielt er für ein Zitat seines Großvaters, der im Jahr 1971 »die Landfrauen als Ganzes« zur Frau des Jahres gekürt habe.

»Sie können stolz auf sich sein«, unterstrich auch Landesverband-Präsidentin Ursula Pöhlig. »Wir sind Deutschlands größter Frauenverband, und doch ist jeder Bezirk, jeder Ortsverein und jede einzelne Landfrau anders, bringt ihre Stärken ein und kann sich mit ihren Schwächen, Sorgen und Fragen angenommen fühlen. Die Mischung macht es.« Für den Regionalbauernverband Wetterau-Frankfurt gratulierte Vorsitzende Andrea Rahn-Farr (»Ohne die Landfrauen läuft nichts im Dorf!«), für den Bezirk Gießen dessen Vorsitzende Christel Gontrum.

Wie sich die Themen gewandelt haben

Als Schriftführerin des Landfrauen-Bezirksvereins Friedberg gab die Münzenberger Krimiautorin Jutta »Jule« Heck einen Einblick in Wurzeln und Geschichte des Vereins. Diese begann bereits im Jahr 1898 mit der Gründung des Landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins durch die ostpreußische Gutsfrau Elisabeth Boehm, die sich für Anerkennung und Förderung der oft unterschätzten und unterdrückten Bäuerinnen und ihre Teilhabe an Politik und Gesellschaft einsetzte. Aus dem kleinen Verein in Boehms Heimatstadt Rastenburg wurde bald die deutsche Landfrauenorganisation.

In die Fußstapfen Boehms traten bereits 1927 die 28 Gründungsmitglieder des Ländlichen Hausfrauenvereins mit den Ortsverbänden Friedberg, Klein-Karben, Reichelsheim, Okarben und Nieder-Wöllstadt. 1934 wurden alle Vereine durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Der 2. April 1948 markierte den Neubeginn unter der Bezeichnung Bezirks-Landfrauenverein Friedberg. In den 50er Jahren waren es der wachsende Bürokratismus, der technische Wandel im Haushalt, aber auch der Wunsch nach Austausch, der Frauen in die Vereine führte. Mit der Zeit nahm die Freizeit zu, man konnte Hobbys, Reisen und Ausflüge, Tanz und Gymnastik genießen. Ab dem Jahr 2000 traten Ernährung, Nachhaltigkeit, Gesundheitsvorsorge und Digitalisierung in den Vordergrund, wie Heck ausführte. »Der Begriff Landfrau klingt angestaubt, die Vereine sind es durchaus nicht - wie allein unsere Internetpräsenzen und Zoom-Konferenzen beweisen.«

Mit einem einstündigen Vortrag unter dem Motto »Landei und stolz darauf - die Zukunft liegt im ländlichen Raum« setzte Mentalbäuerin, Medizinpädagogin und Coach Elke Pelz-Thaller zwischen Pumps und Gummistiefeln einen flammenden Impuls in Richtung Selbstbewusstsein, Stolz und Verantwortungsübernahme durch die Landfrau. Den Abschluss bildete nach dem Genuss von Kaffee und Kuchen eine Vorführung der Linedance-Gruppe »Päädchetrabbeler« aus Steinfurth.

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