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Starke Stimmen, große Emotionen

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Von: Harald Schuchardt

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Die Eintracht-Chöre treten unter der Leitung von Martin Bauersfeld in der St.-Jakobus-Kirche auf. © Loni Schuchardt

Friedberg-Ockstadt (har). Es war schon - aus unterschiedlichen Gründen - etwas Besonderes: Das traditionelle Adventskonzert der Eintracht-Chöre am ersten Adventssonntag in der St.-Jakobus-Kirche, das in den vergangenen zwei Jahren pandemiebedingt nicht hatte stattfinden können. »Die Kirche ist voll. Ich freue mich so sehr«, sagte denn auch Pfarrer Bernd Weckwerth, der nach der besinnlichen Einstimmung des Kinderchors die Besucher zusammen mit dem Eintracht-Vorsitzenden Jochen Albrecht begrüßte.

»Ab jetzt alle Jahre wieder«, versprach Weckwerth, und Albrecht brachte es auf den Punkt: »Endlich wieder ein Konzert in der Kirche.«

Diese positive Grundstimmung hielt nicht nur bis zum Ende des gut 90-minütigen Konzerts, sie steigerte sich kontinuierlich. Ein Grund dafür war das von Chorleiter Martin Bauersfeld zusammengestellte Programm, das alle Facetten der vorweihnachtlichen Musik beinhaltete - von besinnlich bis swingend und fröhlich. Und dann waren da noch die knapp 60 Sängerinnen und Sänger vom gemischten Chor und der Chorgruppe Allegro, denen man den Spaß an ihrem Gesang geradezu ansah, auch bei schwierigen Arrangements wie »We wish you«, geschrieben von Lorenz Maierhofer. In seiner Komposition hat der Österreicher unzählige deutschsprachige und internationale Weihnachtslieder zu einem fröhlichen Medley vereint, welches der gemischte Chor geradezu spielend - und dabei doch sehr konzentriert - meisterte.

Vor acht Monaten aus Kiew geflohen

Auch die Chorgruppe Allegro hatte mit dem bekannten »Feliz navidad« und »Wieder naht/Joyful« sowie »The Rose« drei Bearbeitungen Maierhofers in ihrem Repertoire. Bei einem Popklassiker von Bette Midler überzeugten Kerstin Röhler, Andrea Hartenfeller und Jochen Albrecht als Trio, dessen Gesang bei so manchem Besucher für Gänsehaut sorgte.

Auch die Klassik durfte nicht fehlen. So sangen beide Chöre gemeinsam unter anderem mit »Jauchzet dem Herrn der Welt« und »Es wird ein Stern aus Jakob aufgehn« zwei Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy sehr sicher und souverän, ein Verdienst von Chorleiter Martin Bauersfeld, der einige Vorträge am Klavier begleitete, ebenso wie Andrea Hartenfeller an der großen oder der kleinen Orgel.

Viel Beifall gab es für die beiden Auftritte der 20 Kinder, die unter anderem »Dezemberträume« sangen. Tradition bei den Adventskonzerten haben die beiden Soli von Chormitglied Hildegard Wamser, die »Ave Maria« von Franz Schubert und »Es ist ein Ros entsprungen« klar und sauber sang und von den Besuchern gefeiert wurde.

Den Höhepunkt des Konzerts - auch emotional - bildeten die beiden Solo-Auftritte der Ukrainerin Violeta Samon. Die 27-Jährige kam nach ihrer Flucht aus Kiew vor acht Monaten eher zufällig nach Ockstadt; sie wohnt bei Heidi und Raymund Hofmann, die beide Eintracht-Mitglieder sind. Raymund Hofmann nahm die studierte Sängerin, die ihr Studium an der Musikhochschule in Kiew mit Masterabschluss und Diplom beendet hatte, mit in die Singstunde des gemischten Chores, wo sie sofort mitsang.

Im Konzert begeisterte die Sopranistin zunächst mit dem »Biblischen Lied op. 99 Nr. 6« von Anton Dvorák, sicher begleitet von Martin Bauersfeld am Klavier. Vor ihrem zweiten Solo dankte Violeta Samon in sehr gutem Deutsch dem Ehepaar Hofmann und der Eintracht-Familie für die Unterstützung »in dieser dunklen Zeit meines Lebens«.

Da liefen nicht nur bei der Sängerin einige Tränen über die Wangen. Es folgte mit »Geistliches Wiegenlied« von Johannes Brahms der Höhepunkt des Konzerts schlechthin. Die Sängerin meisterte diese schwierige Komposition, trotz der zuvor ausgebrochenen Emotionen, sehr sicher und füllte den Kirchenraum mit ihrer glasklaren Stimme voll aus. Hervorragend auch die »doppelte« Begleitung von Martin Bauersfeld am Klavier und Andrea Hartenfeller an der kleinen Orgel.

Der Beifall für diese sängerische Glanzleitung nahm kein Ende. Dies war nach dem Finale nicht anders. Alle Eintracht-Chöre verabschiedeten sich gemeinsam mit drei Arrangements von Tore W. Aas, dem Gründer und Chorleiter des Oslo Gospel Choir, darunter das »Santo« und - nach den Dankesworten Albrechts - »Come let us sing«. Einer Aufforderung, dem auch einige Besucher nachkamen.

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