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Steigende Kaffeepreise und Lieferengpässe

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Von: Sabrina Dämon

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sda_muntermacher10_17032_4c © Sabrina Dämon

Enrico Stiller röstet Kaffeebohnen in seiner Friedberger Kaffeemanufaktur »Der Muntermacher«, die er vor eineinhalb Jahren eröffnet hat. Doch seither hat sich der Markt gewandelt: Die Preise steigen.

Enrico Stiller mag guten Kaffee. Und davon eine Menge: »Morgens zwei, mittags zwei, abends einen - und dazwischen noch mal ein, zwei«, sagt der Friedberger. Seine Lieblingssorte? Aktuell einer aus Indonesien, selbst geröstet in seinem Laden im Friedberger Gewerbegebiet in der Pfingstweide. Dort haben Stiller und seine Eltern im Sommer 2020 die Kaffeerösterei »Der Muntermacher« eröffnet.

Neben der Eingangstür hängt ein Schild: »Ein guter Tag beginnt mit einem guten Kaffee« - und davon, sagt Stiller, gibt es einige: fruchtige oder schokoladige Sorten, lang oder kurz geröstete Bohnen, aus dem Hochland oder aus dem Tiefland. Sie alle kommen in Säcken und in Rohform in die Rösterei - aus Costa Rica, aus Äthiopien, aus Indonesien. »Ich habe 16 Sorten hier«, sagt Stiller. Den Rohkaffee röstet er mit seiner Maschine, füllt ihn ab und verkauft ihn.

Bis zu 25 Prozent Preisaufschlag

Was Stiller jedoch ein wenig Sorge bereitet, sind die steigenden Kaffeepreise, die sich zurzeit überall bemerkbar machen: ob im Supermarkt, in Cafés oder eben beim Einkauf vom Großhändler, wie Stiller in den vergangenen Wochen zu spüren bekommen hat. »Seit Corona gehen die Preise sukzessiv nach oben«, berichtet Stiller. »Es gibt 20 bis 25 Prozent Aufschlag auf den Rohkaffeepreis.« Gründe dafür gebe es viele - vor allem solche, die sich gegenseitig bedingen. Ein Faktor sei das Klima. Zum Beispiel komme es häufiger zu Ernteproblemen, u. a. in Brasilien. Dort habe es einen Frosteinbruch gegeben, der sich auf die diesjährige Ernte auswirken werde. In der Folge werde der Kaffee teurer.

Verantwortlich für die Preissteigerungen seien außerdem die höheren Lieferkosten - weil die Verschiffung in Frachtern teurer geworden sei.

Entsprechend würde ein Frachter erst auf den Weg geschickt, wenn er voll sei. Überhaupt seien während der Pandemie weniger Frachter gefahren. Zu den steigenden Preisen kämen deswegen oft Lieferengpässe und längere Wartezeiten hinzu. Eine Sorte Kaffee bspw., erzählt Stiller, sollte Anfang Februar kommen - ist aber noch immer nicht da.

Lieferung wegen Spritpreisen teurer

Die Verteilung der Bestellungen innerhalb Deutschlands sei ein weiteres Schräubchen im Getriebe: Kaffee komme in der Regel per Schiff in Hamburg an - und muss durch den Zoll. Coronabedingt sei das Personal heruntergefahren worden, die Bearbeitungsdauer entsprechend länger.

Was sich zusätzlich bemerkbar macht: die enorm gestiegenen Spritpreise, da der Kaffee von Hamburg aus Hunderte Kilometer durch Deutschland transportiert werden muss.

Stiller wird die Preise für seinen Kaffee deswegen anheben müssen. Noch, sagt er, hat er Bestände vorrätig, die er zum alten Preis verkaufen kann. Durch sein breites Angebot an Sorten versuche er nach wie vor mehrere Preiskategorien anzubieten: »So, dass für jede Preisklasse etwas dabei ist: der Kaffee für jeden Tag zu einem adäquaten Preis, aber auch exotische Sorten.« Zum Beispiel die aus Kolumbien. Dort bezieht er die Bohnen von Bauern, die einen Zwei-Hektar- Acker bewirtschaften. Oder die Sorte aus Peru, die er direkt von einer Bauernkooperative kauft.

Sowohl in Stillers Kaffeemanufaktur als auch im Supermarkt zeigen sich die Preisanstiege bereits. Eins zu eins, sagt Stiller, könne man das nicht an die Kunden weitergeben. Ein wenig müsse er aber draufschlagen. Für den Kaffee aus Indonesien bezahlen Kunden aktuell 13 Euro pro Pfund. Vor wenigen Wochen waren es 11 Euro. »Und man weiß im Moment noch nicht, wie sich das entwickeln wird.«

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Die Preise für Kaffee steigen. Gründe dafür gibt es viele, wie Enrico Stiller erklärt. © Sabrina Dämon

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