1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Friedberg

Steuererklärung im Unterricht?

Erstellt:

Von: red Redaktion

Kommentare

hed_kino_111022_4c
Moderatorin Jessica Rumpf (Mitte) mit den Podiumsteilnehmern (v. l.) Lisa Gnadl, Christian Eichenberger, Dominik Erb, Sebastian Wysocki, Christoph Seipp und Andreas Lichert. © pv

Wetteraukreis (pm). Anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums hatte die IHK Gießen-Friedberg gemeinsam mit den Wirtschaftsjunioren Wetterau und Gießen-Vogelsberg zur Podiumsdiskussion »Junge Wirtschaft trifft junge Politik« eingeladen. Im erst kürzlich von Giovanni Speranza unter dem Namen »FilmBühne« wiedereröffneten Bad Nauheimer Kino sei das Ambiente ideal gewesen, teilt die IHK mit.

Speranza sei es gelungen, nicht nur ein Kino, sondern auch eine Stätte der Begegnung zu schaffen. »Es war ein mutiger Schritt in wahrlich schweren Zeiten ein so tolles Kino neu aufzubauen«, lobte die Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren Gießen-Vogelsberg, Jessica Rumpf, die gemeinsam mit dem Wetterauer Kreissprecher Daniel Götz die Gäste begrüßte.

Im Fokus der gut 90-minütigen, von Rumpf moderierten Diskussion standen die Themen Wirtschaft als Pflichtfach in der Schule und Bürokratieabbau. Für mehr Berufsorientierung an Gymnasien sprach sich Lisa Gnadl, sozialpolitische Sprecherin und stellv. Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, aus. Wünschenswert sei es, das Ankerfach Berufs- und Lebensorientierung an Schulen einzuführen. Dabei gelte es alltagstaugliche Themen, etwa das Anfertigen einer Steuererklärung, zu vermitteln. Einigkeit bestand darin, Unternehmertum an Schulen stärker zu fördern.

»Gründergeist muss mehr unterstützt werden«, betonte Christian Eichenberger, Geschäftsführer von Party Rent aus Ober-Mörlen. Er sei der einzige seiner Klasse gewesen, der ein Unternehmen gegründet habe, bemängelte er.

»In der Schule gibt es Vorurteile gegen Unternehmertum«, erklärte auch der stellv. AfD-Fraktionsvorsitzende Andreas Lichert. Dabei steht seiner Ansicht nach in der sozialen Marktwirtschaft der Unternehmer und nicht die Politik im Mittelpunkt. Darauf, wie wichtig es ist, in diesem Zusammenhang auch Fehler und Scheitern zuzulassen, wies Bad Vilbels Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) hin. »Wenn etwas schiefgeht, sollte man einfach daraus lernen.«

»Wie aber kann eine Lehrkraft, die selbst nie einen Betrieb geführt hat, unternehmerisches Wissen vermitteln?«, fragte Gnadl in die Runde. Vorstellbar seien Praxistage für Lehrer in Unternehmen. Der Gießener Unternehmenscoach Christoph Seipp schlug eine Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Unternehmern vor. Auch entsprechende Videos könnten in den Unterricht integriert werden. »Viele Schüler wissen auch nach 13 Jahren Schulen noch nicht, was sie machen wollen, wo ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken liegen«, bedauerte Dominik Erb, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Gießen. »Junge Gründer sollten eine unkomplizierte Beratung erhalten«, meinte Wysocki. »Die Aufgabe des Staates muss es sein, eine Gründung möglichst einfach zu machen«, stimmte Erb zu. Hierzu sei es wichtig, Ämter untereinander besser zu vernetzen. »An dieser Stelle spielen Netzwerke wie die IHK oder die Wirtschaftsjunioren eine sehr wichtige Rolle.«

Unternehmer in den Schulen

Dass die Bundesregierung, die gerade den Weg gehe, Start-ups stärker zu unterstützen, sich dabei Hilfe von Experten holen sollte, schlug Gnadl vor. »Unternehmer müssen in Schulen gehen.« Ein Mentorenprogramm sei in diesem Zusammenhang unabdingbar, hob Eichenberger hervor. Wysocki rief die Regierung dazu auf, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. So müssten produzierende und transportierende Unternehmen eine Chance haben, Flächen zu bebauen. »Die Logistikbranche hat zwar keinen guten Ruf, aber dennoch will jeder 20 Joghurtsorten im Supermarktregal stehen haben«, fasste Gnadl zusammen. »Es gibt genug Flächen, die versiegelt sind, aber brach liegen und nicht genutzt werden«, stellte Seipp fest. Diese gelte es wieder nutzbar zu machen.

Auch interessant

Kommentare