1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Friedberg

Neustart für das Friedberger Central Studio

Erstellt:

Von: Michael Humboldt

Kommentare

agl_mi_central5_240922
Hier darf wieder getanzt werden: Die Central Bad startet durch. © Nicole Merz

Das Central Studio im Umfeld der Friedberger Stadtkirche ist eine Location, die Geschichte geschrieben hat. Am Samstag, 24. September, steigt eine große Wiedereröffnungs-Party.

Einst gab es in der Wetterau an allen Ecken und Enden eine Möglichkeit zum Feiern und Tanzen. Man ist nach Rockenberg in den Soccer Club gefahren, nach Butzbach ins Galaxys oder ins Busters, nach Bad Nauheim in den Lorbass-Keller, nach Assenheim ins Macabre, nach Ober-Mörlen oder Nieder-Mockstadt. Und natürlich ins Central Studio in Friedberg. Fast alles ist Geschichte. Und jüngere Leute müssen heute bis in die Mainmetropole pilgern, wenn sie mal richtig abfeiern wollen. Verblieben sind zwischen Frankfurt und Gießen nur der »Busters Workshop« und das Central-Studio in Friedberg, das nun wieder richtig loslegt.

Unter der neuen Leitung von Alexandra Wilfling und Anthony Robinson wird am heutigen Samstag in der Kreisstadt der Neustart gefeiert. Mit einer Fotobox aus Erinnerungen und coolen Cocktails, wie Alexandra Wilfling verspricht. Wer die ehrwürdige Location betritt, atmet Geschichte. Gleichzeitig jedoch haben die neuen Betreiber vieles modernisiert und neu eingerichtet. Oben in der Lounge kann man nun chillen, der Musik lauschen und sich einfach nur unterhalten, während an der neuen Cocktail-Bar kreative Drinks kreiert werden.

Das alles freut auch Vorbesitzer Ernst Janik, der 27 Jahre lang das Central Studio betrieben hat und nun spürbar glücklich ist über die neue Konstellation. »Ohne das Central Studio ist Friedberg doch nachts tot. Hier wird für Leben gesorgt«, erklärt er. In seinen Räumlichkeiten betreiben Alexandra Wilfling und Anthony Robinson mit ihrem Partner Holger Schmidt auch ihre Firma »Underdog Revanche«, ein Label für Street- und Sportswear. Als sie im Frühling eine Promotion-Party mit 450 Gästen im Central Studio feierten, fragte Ernst Janik einfach mal nach, ob sie nicht Lust hätten, seine Nachfolger zu werden. »Ich dachte mir, dass man so einen Club nicht einfach sterben lassen kann. Und dann haben wir spontan zugesagt«, erzählt Anthony Robinson.

Die älteste Disco in Deutschland?

Wahrscheinlich, so vermutet Ernst Janik, sei das Central Studio die älteste Discothek in Deutschland, die noch besteht. Wer mit ihm ins Gespräch kommt, wird denn auch mit einem Feuerwerk der Erinnerungen konfrontiert. 1964 sei die allererste Disco in diesem Land eröffnet worden, die längst geschlossen ist. Das Central Studio folgte als Tanzpalast 1968 und hat alles überlebt. Übernommen hat Janik den Club gemeinsam mit seiner Frau Carmen von Christine Niethammer, nachdem er in Bad Vilbel lange eine andere Disco betrieben hatte. »In den ersten Jahren unter meiner Vorgängerin waren nur VIPs hier zu Gast. Dann wurde das Central auch für die amerikanischen Soldaten geöffnet, und es ging richtig los«, erinnert sich Ernst Janik. Er selbst sei in dieser Zeit ein Fan der Black Music geworden, die aus den USA nach Friedberg überschwappte und hier für Furore sorgte. Eine große Zeit sei auch die Epoche von John Travolta, den Bee Gees und der Musik von »Saturday Night-Fever« gewesen. Damals tanzten die größten Promis in New York im »Studio 54«, während Friedberg mit dem Central durchaus Paroli bieten konnte. Dankbar war Janik in all der Zeit seiner Mitarbeiterin Ursula Rösch, die mit 18 im Central angefangen und ihm Jahrzehnte die Treue gehalten habe »Wir hatten hier professionelle DJs vom HR, aber sie hat immer das perfekte Gefühl für die Musik gehabt«, betont er.

Kleine Gage, großer Maffay-Auftritt

Viele Promis sind im Central aufgetreten. »Peter Maffay hat hier für ein kleines Honorar gespielt und einen Riesenerfolg gefeiert«, berichtet der einstige Betreiber. Nun wollen Alexandra Wilfling und Anthony Robinson mit einem neuen Konzept durchstarten und schielen auch auf die Zielgruppe zwischen 25 und 35 Jahren. Samstags denken sie an Musik-Richtungen zwischen Rap, Hip-Hop oder angesagten Pop-Hits, freitags soll es Motto-Partys unter dem Slogan »Rock Classic«, »Latin Night« und auch mal Schlager geben. Zudem wird das Central für Privatveranstaltungen zur Verfügung stehen, also Abi-Feiern, Geburtstage oder Firmen-Feste. Am heutigen Samstag steigt zunächst die »Underdog Revanche Party II«, bevor am 29. Oktober eine Halloween-Party ansteht. Auch X-Mas- und Silvester-Feste wird es geben. Und für den 1. Oktober ist ein Oktoberfest geplant.

In Zusammenarbeit mit dem Alten Hallenbad werden aber auch die Kultur- und Kino-Veranstaltungen befeuert. Profitieren werden all diese Künstler von der großen Bühne, die jeden Live-Auftritt mit furioser Beleuchtung und einer großen Leinwand zum Erlebnis macht. »Hier waren schon mal 1000 Leute vor Ort, aber das war zu viel. Ich denke, dass bei 800 Gästen die Grenze erreicht ist«, schätzt Ernst Janik, der sicher heute den Neustart ausgiebig mitfeiern wird.

Auch interessant

Kommentare