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Tausende Kraniche halten sich derzeit in der Wetterau auf

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Von: Dagmar Bertram

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Die Wetterau ist auch für Kraniche eine Kornkammer, auch wenn die Vögel lieber größere Insekten, Regenwürmer, Weichtiere und kleine Wirbeltiere fressen. Davon gibt es im Bingenheimer Ried mehr als im Osten, wo die Tiere vorher waren. © Red

Tiefer Frost im Osten hat sie vertrieben, in der wärmeren Wetterau haben sie offenbar ein Zwischenquartier gefunden: Tausende Kraniche halten sich sich derzeit im Bingenheimer Ried auf.

Echzell - Zurzeit ist wieder ein Naturschauspiel in der Wetterau zu bewundern: Mehrere Tausend Kraniche halten sich bei uns auf. Hobby-Fotograf Hanns-Jürgen Roland aus Reichelsheim berichtet, dass seit Samstag auch einige Kraniche im Bingenheimer Ried übernachten. Erst seien es nur 250 gewesen, am Sonntag schon um die 1000, und in der Nacht zum Dienstag sogar rund 2000.

Der Naturschützer erklärt, warum: »Diese Kraniche haben versucht, in den östlichen Bundesländern zu überwintern, was immer häufiger vorkommt. Die tiefen Frostgrade haben sie aber vertrieben. In der Wetterau ist es wärmer, und der Boden ist nicht gefroren. Hier finden sie besser Nahrung. Hinzu kommt, dass sie hier auf Regenwetter und Gegenwind gestoßen sind. Das mögen sie beim Zug überhaupt nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie noch ein paar Tage bleiben.«

Kraniche in der Wetterau: 500 Meter Abstand halten, um Tiere nicht zu stören

Das Schauspiel sei vom Beobachtungsturm auf der Ostseite des Rieds gut zu sehen. »Auf der Westseite besteht die Gefahr, dass man stört«, bittet Roland um Rücksicht.

Auch Stefan Stübing, Vogelkundler bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Echzell, weist darauf hin, dass die Vögel nicht gestört werden sollten. Natürlich sei es ein faszinierender Anblick, wenn wie am Sonntag südlich von Butzbach rund 200 Kraniche zu beobachten seien. Aber ein Abstand von 500 Metern sei einzuhalten, um die Tiere nicht aufzuscheuchen. Bis sie wieder zur Ruhe kämen, dauere es eine Weile. Und dann komme womöglich schon der nächste, der sie störe. »Die Tiere übernachten im Ried und in der Horloffaue, tagsüber suchen sie auf Äckern nach Fressen«, erklärt er, warum sie auch andernorts zu sehen sind.

Wohin die Kraniche von ihrer Rast weiterziehen, sei eine spannende Frage, so Stübing. Fliegen sie nach Norden, nach Brandenburg und Mecklenburg, zurück oder gen Süden? »Oder, das ist mein Tipp, versuchen sie, hier zu überwintern?« Bald wissen wir mehr.(dab)

Im Bingenheimer Ried sind aktuell Bauarbeiten im Gange: Ein Prädatorenschutzzaun wird gebaut.

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