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Toilettenhäuschen ist jetzt bunt

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Von: Harald Schuchardt

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»Kreativberg« nennt sich die Künstlergruppe um den Künstler und Sozialarbeiter Simon Kneip (u. r.) Unter dem Motto »Natur« sind alle kreativ geworden. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Kein besonders reizvoller Anblick war bisher die Toilettenanlage mit der anschließenden Trafo-Station der Ovag auf der Seewiese. Das hat sich seit dem Wochenende radikal geändert. Aus dem Gebäude wurde ein Kunstwerk, das schon beim Entstehen die Spaziergänger zum Verweilen, Zuschauen und Fragen einlud.

Die Idee, das Ensemble in ein Kunstwerk zu verwandeln, stammt von Beatrice Scherzer und dem Team der Koordinierungsstelle »Fünf-Finger-Treff« in der östlichen Altstadt, der im Auftrag der Stadt von der Diakonie Wetterau geführt wird.

Bereits mehrere partizipative Kunstaktionen wurden vom Fünf-Finger-Treff durchgeführt, bisher ausschließlich in der Altstadt. Mit dem neuen Projekt wurde dieser Bereich bewusst verlassen und erneut unterstützt die Stadt das Kunstprojekt.

Mit Spraydose, Pinsel und Farbe

Künstlerischer Leiter ist Simon Kneip. Der Künstler und Sozialarbeiter, der auch Mitglied im Kunstverein Friedberg ist, verfügt über reichlich Erfahrung mit Kunstprojekten im öffentlichen Raum.

So zeichnete der Mitbegründer des Künstlerkollektivs »Projektraum Sechs« in Bingenheim auch für das viel gelobte Projekt »Unterführung Kühler Grund« verantwortlich. Und fast alle, die damals dabei waren, sind auch jetzt wieder aktiv. »Wir nennen uns jetzt Gruppe Kreativberg«, sagt Nadine Ahrens, die auch beim Inklusionsverein »Mensch, mach mit« tätig ist.

Wie alle Teilnehmer hat auch Ahrens mehrere Motive für das Projekt unter dem Motto »Natur« beigetragen. In einem Workshop waren die Vorschläge gesammelt und ein Plan erstellt worden. »Ich habe die Anlage abfotografiert, das Ganze digitalisiert, und dann haben wir die Vorschläge auf der Vorlage hin- und hergeschoben«, erläutert Kneip die Vorbereitungsphase des »Großprojekts«. Die grüne Grundierung war vor der Aktion von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs aufgebracht worden.

Für Lea Amelie Kelm ist es bereits die dritte Teilnahme an einem solchen Projekt. »Ich habe auch an der Gestaltung des Dorheimer Trafo-Turms des NABU mitgemacht«, erzählt die Florstädterin, die gerade auf einem der beiden Gerüste steht und eine Blume in einer Hand malt.

»Das soll die Verbindung des Menschen mit der Natur aufzeigen«, sagt die 19-Jährige und ergänzt: »Wir sehen das Alte und wandeln es in was Neues um.« Dabei nutzt sie nicht nur die Spraydosen, sondern malt auch mit Pinsel und Farbe. »Jeder kann die Technik anwenden, die er gerne möchte«, sagt Kneip. So unterschiedlich wie die Maltechniken, so verschieden sind die Motive, wie ein Reh, das neben einer Skyline steht.

»Das haben wir so zusammengefügt und beide stehen im Dialog« sagt Kneip. Das Reh hat die 17 Jare alte Paula Heitmann gemalt, die Idee zu der Skyline stammt vom 18 Jahre alten Jan Pfrenger, der auch noch einen Frosch und einen Berg zu der Kunst-Collage beitrug.

Passanten sind begeistert

Auch der Schüler am Burggymnasium ist ein »alter Hase« in Sachen Kunst, ebenso wie Aiden Summerfield (22). »Die Unterführung damals ist schon Klasse geworden«, schwärmt Pfrenger noch immer. Inspiriert von den drei Türen aus »Alice im Wunderland« malte Anke Löffel auf eine der Türen der Trafo-Station ein Auge, das durch ein Schlüsselloch schaut. »Das ist mein erstes Auge«, meint die Florstädterin. Einziges Manko an beiden Tagen: Die Sonne meinte es fast zu gut mit dem »Künstlerkollektiv«. So wurden hin und wieder Pausen eingelegt und sich mit Passanten unterhalten.

»Das ist eine tolle Idee«, meinte ein Kreisstädter, der Kneip fragte, ob er denn auch eine solche Aktion an einer Tiefgarageneinfahrt durchführen würde.

Schnell wurden die Telefonnummern ausgetauscht, und der Friedberger will diese Idee nun der Eigentümerversammlung vortragen. »Das wäre schon prima, wenn es auch an privaten Gebäuden weiterginge«, meinte Kneip.

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Mit viel Freude und Einsatz verwandelt die Künstlergruppe die bisher nicht ansehnliche WC-Anlage in ein farbenfrohes Kunstwerk. © Loni Schuchardt
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Anke Löffel hat aus einer Tür ein Schlüsselloch mit Auge geschaffen © Loni Schuchardt

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