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»Too good to go«: Essen per App retten

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Von: Inge Schneider

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Die App »Too good to go« zeigt Supermärkte, Geschäfte und Restaurants im Umkreis an, in denen die »Magic Bags« zu bekommen sind. © Inge Mueller

Per App Lebensmittel, Snacks und Mahlzeiten bestellen, die nicht (mehr) verkauft werden können, zu einem unschlagbaren Preis bezahlen und anschließend genießen: Auch in Oberhessen machen immer mehr Supermärkte, Läden, Bäckereien oder Tankstellen mit.

Too good to go - Zu gut, um es wegzuwerfen« heißt die Idee aus Dänemark, die ein junges Start-up-Unternehmen vor sieben Jahren in Kopenhagen ausgetüftelt hat. In Deutschland und einigen Nachbarländern ist die App bereits erfolgreich. Auch in Oberhessen erfreut sie sich immer größerer Beliebtheit.

Ob im Pressegespräch, in Social Media oder diversen TV-Formaten: Gründer, teilnehmende Geschäfte und Nutzer betonen immer wieder, dass es ihnen vor allem um Nachhaltigkeit gehe. In Deutschland landen pro Jahr rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll, rechnet die Welthungerhilfe vor. Das meiste davon, nämlich 34 Prozent, sind Obst und Gemüse, gefolgt von Backwaren und zubereiteten Mahlzeiten. Das ist rund ein Drittel des Wocheneinkaufs oder etwa 75 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Zu viel angesichts von Hungersnöten und Klimakrise, befinden die »Too good to go«-Gründer und ihre Franchisepartner sowie die Endverbraucher.

Lebensmittel in

»magischer Tasche«

Im Wetterau- und im Vogelsbergkreis sind Super- und Biomärkte, Bäckereien, Cafés und Tankstellen, Restaurants und Reformhäuser bei »Too good to go« mit von der Partie. Darunter Rewe-Märkte in Schotten und Gedern, Shell-Cafés an Tankstellen, die Bäckerei Künkel in Limeshain, Reichelsheim und Echzell, »Nick, das Lädchen für alles« in Rainrod, das China-Restaurant »Lee’s Garden« in Büdingen und der Markthof von Andrea und Daniel Hilß in Wenings.

Um konkrete Anbieter des Tages zu finden, lädt man die kostenlose »Too good to go«-App aus den bekannten App-Stores auf sein Smartphone oder Tablet herunter, gibt den eigenen Wohnort an und erhält passende Geschäftsadressen mit Angaben zur Distanz, zum Abholzeitpunkt und zum Preis. Auf einen Blick sieht man auch die Kategorie der angebotenen Waren sowie die Bewertungen anderer Nutzer. Im Geschäft bekommt man für Preise ab 2,90 bis etwa 4,50 Euro die Lebensmittel oder die Mahlzeit in einer »Magic Bag«, einer »magischen Tasche«, die ihren Inhalt von außen nicht verrät, nach Aussage vieler Testnutzer auf YouTube aber auch noch nie enttäuscht hat. Ganz im Gegenteil. Die meist jugendlichen Nutzer berichten, sie hätten aus ihrer »Magic Bag« auch noch ihre Schulklasse oder die Büromannschaft verpflegen können.

Bedürftigkeit oder gar Armut sieht man in diesen Clips nicht, die »Mission Lebensmittelrettung« kommt frisch, engagiert und schwungvoll herüber. Doch bestätigt sich dieser Eindruck auch in Zeiten von Inflation, Energiekrise und steigenden Kosten? »Man schaut den Leuten natürlich nicht ins Portemonnaie«, sagt Rosmarie Holtz, Verkäuferin der Bäckerei Künkel im Rewe-Markt Echzell. »Aber auf jeden Fall hat der Zustrom von Menschen jeden Alters zugenommen, die das Angebot bei uns nutzen, vor allem in den Abendstunden.« Ähnliches beobachtet auch die Mitarbeiterin des Shell-Cafés in der Tankstelle Nieder-Mockstadt. »Ich tippe schon darauf, dass etliche Bedürftige unter den Kunden sind, die sich bei uns eine ›Magic Bag‹ abholen. Genau sagen kann man das natürlich nicht.« Das China-Restaurant »Lee’s Garden« in Büdingen frequentieren überwiegend junge Leute, die zu Stammnutzern werden und das Essen vom Büfett sehr loben, verrät eine Mitarbeiterin am Telefon. »Sie kommen zuverlässig zur angegebenen Zeit, manchmal mittags, vor allem aber abends.«

Einen guten Querschnitt durch alle Gesellschaftsschichten verzeichnet auch das Team vom Inklusionsbetrieb »Nick, das Lädchen für alles« in Rainrod. »›Too good to go‹ liegt einfach im Trend«, mutmaßt man. Die »Magic Bag« bei »Nick« enthält vor allem Obst und Gemüse.

Einfach

im Trend

Silvio Häuser, angestellter Kaufmann im Rewe-Markt von Lucass Onar in Gedern, stellt fest: »Bei meinem früheren Arbeitgeber, dem Rewe-Markt in Fernwald, gab es ein deutliches Anziehen des Bedarfs an ›Magic Bags‹ nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und den steigenden Lebenshaltungskosten.« Der Gederner Rewe habe nach Umbau erst im März wieder geöffnet und mit der Aktion »Too good to go« begonnen, insofern lägen noch keine Vergleichsdaten zur Situation vor Kriegsausbruch vor, sagt Häuser. Dass die Beliebtheit der Idee in Zeiten steigender Preise weiter zunehmen wird, darin sind sich alle Befragten einig.

Weitere Infos gibt es auf www.toogoodtogo.de. VON INGE SCHNEIDER

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