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Trotz Wohnort in Amerika: Friedberg bleibt für Künstlerin Heimat

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Schon als Kind hat Natalie Smith gerne gemalt. © pv

Künstlerin Natalie Smith lebt seit über 30 Jahren in den USA. Trotzdem versteht die gebürtige Friedbergerin die Wetterau nach wie vor als ihre Heimat. Was verbindet sie mit Friedberg?

Künstlerin im Sommer, Skilehrerin im Winter - Natalie Smith lebt seit über 30 Jahren in Amerika. Nichtsdestotrotz hat die gebürtige Friedbergerin, die im Bundesstaat Idaho in Sun Valley wohnt, immer noch eine Verbindung zu Deutschland. »Friedberg bleibt meine Heimat«, sagt sie.

1986 hat Smith ihr Abitur an der Augustinerschule in Friedberg gemacht. In Gießen studierte sie im Anschluss daran »Angewandte Theaterwissenschaften«. Als sie im Urlaub auf Korsika gewesen sei, habe sie einen Piloten kennengelernt: »Wir sind dann zusammen in die USA gereist«, sagt sie. Durch ihren amerikanischen Vater, de r beim Militär war, besi tzt Smith eine amerikanische Staatsbürgerschaft. In Amerika studierte die Künstlerin unter anderem Malerei sowie Regie und Schauspiel. »Später habe ich als Choreografin gearbeitet. Nichtsdestotrotz war das Malen immer an meiner Seite«, berichtet Natalie Smith.

Fr üher, in der Schule, ha be sie auch immer ge malt. Kun st sei ihr Lieblingsfach gewesen, sagt sie. Vor sieben Jahren hat sich die Friedbergerin wieder der Malerei zugewandt, de nn sie belegte einen Online-Kurs in Malerei. Das Format habe ihr mit zwei Kindern gut gepasst. »Ich habe gemerkt, das i st etwas, wo mir das Herz aufgeht. D a habe ich mich rein gekniet.«

Mehr Respekt für ihre Kunst

In Idaho ist vor kurzem eine Lokalzeitung auf die 55-jährige Smith aufmerksam geworden. Sie sagt, dass auch für die Amerikaner internationale Geschichten wie ihre sehr spannend seien: »Das ist e in Türöffner. Das Gespräch wird dadurch interessant.« Auch hat sie bemerkt, dass sie durch den Artikel der Lokalzeitung häufiger erkannt wurde: »Ich wurde auf einer ganz anderen Ebene mit mehr Respekt wahrgenommen.« Als Künstlerin malt sie im Sommer fast ausschließlich an ihren Gemälden und bereitet diese für den Verkauf vor. Im Winter ist sie als Skilehrerin tätig. »Da arbeite ich dann jeden Tag. Der Schnee liegt sehr hoch, es werden bis zu -20 Grad.«

Der Prozess des Malens

Smith erlebt den Prozess des Malens sehr unterschiedlich. Es komme vor, dass sie vorher ein Konzept im Kopf habe, aber manchmal male sie auch einfach drauf los. »Der schwierigste Moment ist es, eine weiße Leinwand vor sich zu haben«, sagt sie. »Das Malen ist für mich fluid, es ändert sich ständig - wie ein Lebensweg.« In dem Zuge spricht sie auch darüber, dass ihrer Meinung nach die »Grenzen« in Amerika viel flüssiger seien: »In Deutschland erlebe ich das viel starrer. In Amerika kann man zum Beispiel Karrieren wechseln ohne Stigma.« Als Künstlerin erlebt sie, dass sie mit dem Malen beginnt und sich das Konzept ständig ändere. »Ich höre zu, was das Gemälde sein möchte. Ich höre hin, wa s es sein soll, und folge dem Instinkt .« Aus diesem Grund findet Smith viel Gefallen an der abstrakten Malerei: »Sie ist wie der Lebensweg, nämlich abstrakt.«

Respekt und Pünktlichkeit

Natalie Smith fühlt sich immer noch Friedberg verbunden: »Die ganze deutsche Art ist und bleibt in meiner DNA.« Sie erzählt aber auch von Konflikten, die ihr im alltäglichen Leben auffallen. »In den USA sind die Menschen anders. In Deutschland erhält man Respekt, wenn man pünktlich ist - wenn dann hier jemand zu spät kommt, finde ich es schwierig, der Person Respekt entgegenzubringen«, schildert sie. Sie müsse sich daran erinnern, dass das in Amerika nun mal anders sei. Smith hat sich zur Aufgabe gemacht, die »deutsche DNA« nach Amerika zu bringen: »Ich möchte zeigen, was es heißt, deutsch zu sein. Man ist zuverlässig und hält seine Versprechen.«

Sie ist ein Friedberger Mädchen

Mittlerweile ist die Friedbergerin nicht mehr so häufig in Deutschland zu Besuch. Zu Klassentreffen komme sie gerne, um zu sehen, wie sich alle entwickeln. »Das letzte Mal war ich in Deutschland, als mein Großvater gestorben ist.« Von ihm hat sie einen Kittel geerbt, den sie jedes Mal anzieht, wenn sie an etwas malt. »Da sind jetzt viele Mal-Flecken drauf. Wenn ich den Kittel trage, danke ich meinem Großvater für den Weg, den er mir geschenkt hat. Er hat mich immer unterstützt und nie hinterfragt, warum ich ›nur‹ Künstlerin sein möchte.«

»Friedberger Mädchen« - so bezeichnet sich Natalie Smith selbst. »Wenn ich in Deutschland bin, quietscht mir die Seele«, erzählt sie und strahlt. Mit der deutschen Sprache kann sie sich nach wie vor identifizieren: »Sie fühlt sich wie Heimat an.« Nichtsdestotrotz weiß sie, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Deutschland leben möchte. »In den USA gibt es viel mehr Freiheit, der Himmel ist einfach größer. Ich lebe in den Bergen, die Luft ist so frisch. Das gibt es in Deutschland in der Form nicht.«

Kultur Friedbergs als Teil von ihr

Mit Friedberg verbindet Smith die Burg und die Innenstadt mit der Kaiserstraße. »Auch der Fünffingerplatz und die Kultur, die schon so lange da ist - sie sind ein Teil von mir.« Aber für die 55-Jährige ist der Himmel in Amerika größer: »Das erfüllt mein Herz.«

Für die Zukunft wünscht sie sich, ihre Werke in Deutschland ausstellen zu können. Ihr Endziel sei, sich weiterzuentwickeln und immer in Bewegung zu bleiben: »Stillstand ist für mich das Schlimmste auf der Welt. Ich brauche Freiheit und Größe.« Auch in der Malerei hat Smith Vorstellungen: »Die Documenta in Kassel ist ein Ziel für mich.« Sie hält es nicht für ausgeschlossen, nach Deutschland zurückzukehren, auch, da ihre Mutter in Friedberg lebt. »Vielleicht kann ich mit einem Bein in Amerika und mit einem Bein in Deutschland sein.« Smith ist der Überzeugung, dass immer wieder eine neue Tür aufgeht, wenn man sich dem Fluss des Lebens hingibt.

Für den direkten Kontakt zu Natalie Smith kann ihr Instagram-Profil unter dem Benutzernamen @nataliesmithartist oder ihre Website unter dem Link www.nani-art.net besucht werden.

INFO: Welche Künstler inspirieren Natalie Smith?

Die 55-jährige Natalie Smith, die nun schon seit mehr als 30 Jahren in den USA lebt, fühlt sich nach eigenen Angaben unter anderem inspiriert von Rembrandt. Außerdem ist sie Fan von Louise Fletcher: »Mit ihren abstrakten Landschaften inspiriert sie mich.« Auch Smith drückt sich bei ihrer Malerei abstrakt aus, damit kann sie sich identifizieren. Weitere Künstler und Künstlerinnen, die Natalie Smith inspiriert haben, sind: Hung Liu, Rosso Emerald Crimson, Charline von Heyl, Alteronce Gumy sowie Beatrice Modisett.

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Heute malt Natalie Smith beruflich und verkauft ihre Werke international. © pv

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