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Tunnelsanierung: Neue Zufahrt für Autos soll 3,6 Millionen Euro kosten

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Von: Jürgen Wagner

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Die vordere der Bahnbrücken nach Fauerbach (im Hintergrund) wurde jüngst saniert. Als Nächstes ist die Brücke in der Görbelheimer Hohl an der Reihe. Sie wird so breit, dass auch Lastwagen zum Kasernengelände gelangen. © Nicole Merz

Wie viele Zufahrten werden für die Friedberger Kaserne benötigt? Die DB will eine Bahnbrücke sanieren. Für 3,6 Millionen Euro könnten auch Autos durchfahren. Eine Chance für die Stadtentwicklung?

Die Bahnunterführung in der Görbelheimer Hohl soll erneuert werden. Nachdem die Bahn kürzlich eine der Brücken in Richtung Fauerbach sanieren ließ, ist als nächstes diejenige an der Reihe, die von der Freseniusstraße an den Tennisplätzen vorbei direkt zum Kasernengelände führt. Vorab hatte die Bahn die Sanierung mit der Stadt abgestimmt. Die Durchfahrtsbreite wächst von 7,52 auf 12,96 Meter. So können auch Lastwagen von dieser Seite zur Kaserne gelangen. Die Stadt übernimmt rund 2 Millionen Euro der Sanierungskosten.

Dies ist die östliche Zufahrt zum neuen Stadtviertel. Zwei weitere zentrale Zufahrten zum Kasernengelände - so sieht es die Planung bislang vor - sollen im Westen in der Frankfurter Straße entstehen: am Elvis-Kreisel und in Höhe des Grünen Wegs am ehemaligen Haupteingang.

Nun eröffnet sich eine weitere Option, um den neuen Stadtteil verkehrstechnisch zu erschließen. Die DB Netz AG will nicht nur, sie muss eine Bahnunterführung am südlichen Ende des Dachspfads sanieren. Was vor Ort nicht deutlich wird: Der Dachspfad verläuft vom Mainzer-Tor-Weg durch die ehemalige Housing Area und quer durchs Kasernengelände bis zum Kraftwerk in Höhe des Fresenius-Werks. Das Kraftwerk liegt kurz vor dem Bahndamm, den man durch einen Tunnel unterqueren kann.

Dieser Tunnel ist abgängig. Der Beton des Überbaus und der Widerlager ist brüchig. Für die Bahn besteht kein Grund, den etwa fünf Meter breiten Durchschlupf zu vergrößern. Er muss nur saniert werden. Aber hat die Stadt ein Interesse an einer Aufweitung? An einem Tunnel, der dann nicht nur Fußgänger und Radfahrerinnen zur Verfügung steht, sondern auch dem Autoverkehr? Das will die Bahn von der Stadt wissen, bevor die Planungen beginnen. Eine Veränderung des Brückenbauwerks ist nach der Sanierung auf Jahrzehnte hin nicht denkbar. Bevor Fakten geschaffen werden, soll die Stadt sagen, ob sie den Tunnel für die Verkehrsplanung benötigt. Und die erforderlichen Millionen zur Verfügung stellt.

Bleibt es bei der Tunnelbreite, ist die Sanierung alleine eine Sache der Bahn. Dann könnte hier ein Rad- und Fußweg entstehen. Drei weitere Varianten sind laut DB Netz AG vorstellbar: ein einseitiger Fuß- und Radweg mit der Option, eine Zu- oder Abfahrt zur Kaserne zu schaffen. Breite: 10,25 Meter, Kosten: 3,15 Millionen Euro; außerdem die Varianten B (13 Meter/3,36 Millionen) und C (15,30 Meter/3,6 Millionen), die eine zweispurige Zu- und Abfahrt samt beidseitigem Fuß- und Radweg ermöglichen.

Rathaus sieht einmalige Chance

Die Stadtverwaltung schlägt »aufgrund der Dringlichkeit der Sanierung« Variante C vor; dadurch könnten sich kürzere Fahrwege für den motorisierten Verkehr aus dem Stadtteil heraus ergeben. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) sagte dieser Zeitung, es handele sich um eine einmalige Chance. Er sehe das entspannt; wenn die Stadtverordneten dies für zu kostspielig ansehen, verzichte man auf die Möglichkeit.

Brückenbauten sind teuer. Das mussten die Grünen jüngst im Ausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr erfahren, als sie (nach CDU und SPD in den vergangenen Jahren) den Antrag stellten, die B 275 innerhalb Friedbergs zu verlegen. Dann würden viele Straßen zu Stadtstraßen herabgestuft und die Politik vor Ort könnte selbst entscheiden, wo welche Tempo-Beschränklung eingeführt wird.

Wie Bürgermeister Antkowiak im Ausschuss sagte, müssten bei einer Umlegung der B 275 über das Industriegebiet Süd (was Fauerbach enorm entlasten würde) die Pfingstweide ertüchtigt und die Tunnelbögen der Bahnbrücken von und nach Fauerbach aufgeweitet werden. »Die Kosten sind nicht abschätzbar«, sagte der Bürgermeister in der Ausschussitzung. In diesem Zusammenhang gab er auch eine Einschätzung zum Bau der Ortsumgehung Ossenheim im Zuge der B 275 ab: »Aufgrund der Diskussionen um Landverbrauch werden wir diese Umgehung wohl nie sehen.« Und die erweiterte, für motorisierten Verkehr nutzbare Bahnunterführung im Dachspfad?

Im ISEK-Verfahren und auch in den politischen Diskussion um die Kasernenentwicklung wurde immer wieder betont, es solle ein Stadtteil mit möglichst wenig Verkehr entstehen. Es gibt erste Stimmen aus den Fraktionen, die diese finanzielle Zusatzbelastung ablehnen. Nach Auskunft von Antkowiak hat der Magistrat der Vorlage zugestimmt, damit das Vorhaben »in den Gremien mit den Stadtverordneten ergebnisoffen diskutiert werden kann«.

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