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Über das Leben und die Liebe

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Von: Harald Schuchardt

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Aljosha Konters Kompositionen liegen irgendwo zwischen Pop, Jazz und Liedermachen. Er nennt seine Stücke augenzwinkernd »Liebemacher-Pop«. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Eigentlich wollte Singer-Songwriter Aljo-sha Konter am Sonntagabend mit seinem musikalischen Begleiter, dem Keyboarder Philipp Marx, im Alten Hal-lenbad auftreten, doch daraus wurde nichts. »Philipp hat Corona, aber die beiden hatten in den letzten Tagen keinen Kontakt«, verkündete Andreas Lürding, einer der Macher des Kulturtaucherprogramms.

Doch bevor der Wahl-Stuttgarter als Solist die Besucher begeisterte, hatte Lürding noch eine Überraschung parat. Kurzfristig hatte er Julia Moon verpflichtet. Die junge Musikerin kennt das Theater Altes Hallenbad bereits, ist sie doch Mitglied der holländisch-deutschen Folkband »Magic Mumble Jumble«, die bereits zu Gast im »Aha« war.

Die Gitarristin und Sängerin begann ihren Überraschungsauftritt, passend zum Muttertag, mit dem Song »Worst to be«, den sie für ihre Mutter geschrieben hat. Es folgte ein knappe halbe Stunde gefühlvolle Musik, die überwiegend in der »Corona-Spielpause« entstanden ist. »Das sind meist traurige Lieder, es war ja auch eine traurige Zeit«, meinte Moon, die sowohl mit ihrem Gitarrenspiel als auch mit ihrer einprägsamen Stimme überzeugte.

Doch Moon widmet sich auch »schönen Themen«, wie Tagträumereien und Fantasien, die sich musikalisch gelungen umsetzt. Mit dem eingängigen »Love me, leave me«, erlebten die Zuhörer sogar eine Premiere, denn »der Song ist gestern fertig geworden, das wird jetzt abenteuerlich«, meinte Moon. Doch das Abenteuer gelang bestens und mit dem einzigen deutschen Song »Nie wieder lügen« leitete Moon, die mit langem Beifall belohnt wurde, geradezu perfekt zum Auftritt von Aljosha Konter über.

»Aljosha kommt«, klang es sphärisch aus den Boxen, das erinnerte etwas an die »Carmina Burana« und war nicht die einzige Überraschung, die der gebürtige Badener für seine Zuhörerschaft parat hatte. »Wer hätte gedacht von Anfang an, dass Gutes gut werden kann«, singt der 32-Jährige und gibt so sein Grundmotto vor: Konter liebt das Leben, die Liebe und sein soziales Umfeld. Seine Intention beschreibt er in einer Textzeile so: »Das Einzige, was zählt, ist das Leben zu leben.« So wundert es nicht, dass er seine überwiegend fröhlichen und sehr eingängigen Kompositionen, die irgendwo zwischen Pop, Jazz und Liedermachen liegen, als »Liebemacher-Pop« bezeichnet.

Er singt nach eigenem Bekunden für alle Verliebten und die, die es gerne sein möchten. Und da die Melodien sehr eingängig sind, fällt es Konter leicht, die Besucher zum Mitsingen zu bewegen. Manchmal ist er gleich mehrfach zu hören. Mit dem Loop nimmt er kurze Sequenzen von Gesang, Gitarrenspiel und Bluesharp auf, um sich dann damit anschließend selbst zu begleiten. Zwischendurch erzählt Konter von seiner Jugend mit vier Geschwistern in einem kleinen Dorf an der deutsch-schweizerischen Grenze, widmet seinen Geschwistern und seinen Eltern zwei Songs, wie »Es war eine schöne Zeit«.

Er kann auch Wolfgang Petry

Doch der Liedermacher kann auch anders: Im ruhigen Song »Unumgänglich« beschäftigt er sich mit Sterben und Tod. Geradezu aggressiv ist dagegen sein Anti-Kriegs-Lied »Immer wieder könnt ich kotzen«, in dem er all die Despoten und ihre Gefolgschaft anprangert, die Kriege anzetteln, egal ob im 1000-jährigen Reich oder jetzt gerade in der Ukraine.

Fröhlich endet der Auftritt von Konter, der im Verlauf des Konzerts mit zwei eigenen Versionen der Prinzen--Hits »Alles nur geklaut« und »Männer« mit »Mini-Grönemeyer-Einlage« überzeugte. Zur Überraschung der Besucher spielt Konter Wolfgang Petrys Superhit »Verliebt, verloren.« Und wer auf den Text hört, der weiß warum: Er entspricht ganz einfach Kolters Philosophie.

Für die stürmisch geforderten Zugaben begibt sich Konter ins Publikum, singt »The Lion sleeps tonight« - und noch einmal singen alle begeistert mit. »Aljosha geht«, singt er schließlich und die Besucher lassen ihn nur ungerne gehen.

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Julia Moon ist als Überraschung aufgetreten. © Loni Schuchardt

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