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Über vier Jahre Haft für 23-Jährigen

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Von: Hedwig Rohde

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Am Amtsgericht Friedberg ist der 23-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt worden - für Taten im vergangenen Jahr in Friedberg und Niddatal. ARCHIVFOTO: KEH © Kim Luisa Engel

Friedberg (doe). Zu einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten sowie zur Einweisung in eine Entziehungsanstalt hat das Schöffengericht am Amtsgericht Friedberg unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange einen 23-Jährigen wegen Raubes, schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung verurteilt. Eine verminderte Schuldfähigkeit des mehrfach vorbestraften jungen Mannes zum Zeitpunkt der Taten sah das Gericht nicht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Tatgeschehen vom Vormittag des 22. August 2021 in Friedberg war bereits am ersten Verhandlungstag (diese Zeitung berichtete) erörtert worden. Einige Zeugen ergänzten am zweiten Tag das entworfene Bild um Details. So bestätigten Aussagen von Nachbarn die heftige und laute Gegenwehr der 46-jährigen Frau, die der 23-Jährige vom Bahnhof Friedberg aus verfolgt und in der Gebrüder-Lang-Straße von hinten attackiert hatte. Erneut gab es keine Hinweise auf den Versuch einer Vergewaltigung.

Man könne die Angabe des Angeklagten, er habe im Alkohol- und Drogenrausch die Unterhose der Frau als »Fetisch« haben wollen, nicht mit der notwendigen Sicherheit widerlegen, begründete Richter Bange die Entscheidung des Gerichts, diesen Vorwurf fallen zu lassen.

An einem Punkt schweigt der Zeuge

Recht farbige Schilderungen ergaben auch die Zeugenaussagen zum Tatgeschehen vom 29. April 2021. Gemeinsam mit mindestens einem Bekannten war der Angeklagte an diesem Tag in Niddatal eingetroffen, um einen Besuch zu machen - bei wem, darüber schwieg sich der 20-jährige Zeuge so hartnäckig aus, dass Richter Bange ihn einigermaßen aufgebracht über die Möglichkeiten einer Erzwingungshaft informierte. Schließlich berief sich der junge Mann auf sein Zeugnisverweigerungsrecht für den Fall, dass er sich durch eine Aussage selbst belaste. Die unausgesprochene Schlussfolgerung daraus: Die jungen Leute könnten an diesem Tag nach Niddatal gekommen sein, um ihren Dealer aufzusuchen.

Das Auto hatten sie dabei vor einer Einfahrt geparkt. Die laute Aufforderung einer Anwohnerin an den Fahrer, er solle umparken, damit sie zum Einkaufen fahren könne, veranlasste nun den als Beifahrer eigentlich unbeteiligten Angeklagten, sich sofort in eine zunächst verbale, rasch handgreiflich werdende Auseinandersetzung mit der jungen Frau zu stürzen. Er schlug sie unter anderem mit der Faust ins Gesicht, sie prügelte mit dem Tragegurt ihrer Handtasche auf ihn ein. Einen Nachbarn, der ihr zu Hilfe kommen wollte, packte der Angeklagte und stieß ihn mit solcher Wucht gegen ein geparktes Auto, dass dessen Kunststoff-Heckklappe mehrfach beschädigt wurde, einen anderen Nachbarn drückte der Angeklagte schlagend auf den Boden.

Günstige Sozialprognose

Mit dem bereits am ersten Verhandlungstag gegebenen Bericht des Gutachters Dr. Ulferts stimmte eine Sozialpädagogin der JVA Gießen darin überein, dass sich der Angeklagte in der nun seit über acht Monaten währenden Untersuchungshaft - ohne Zugang zu Alkohol und Drogen - als aufrichtig reuig erweise und gewillt sei, seine Lebensführung radikal zu ändern. Zu seiner günstigen Sozialprognose trage auch das verbesserte Verhältnis zu seiner Mutter bei, die sich um ihn kümmere. Dem Vorschlag der Sozialpädagogin, den Angeklagten in eine nahe Koblenz gelegene Klinik zu entlassen, die imstande sei, ihn direkt aufzunehmen, vermochte das Gericht jedoch nicht zu folgen.

Es schloss sich in seinem Urteil dem Antrag von Staatsanwältin Daniela Zahrt an, wonach die zahlreichen Vorstrafen des jungen Mannes, seine trotz aller Berauschtheit durchweg zielgerichtete Vorgehensweise und seine an beiden Tattagen erwiesene hohe Aggressivität die von der Verteidigung beantragte Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten nicht zuließen.

Erschwerend, so Richter Bange, komme hinzu, dass eine Tat nur kurze Zeit nach einer vom Jugendschöffengericht verhängten Bewährungsstrafe begangen worden sei. Den nun als Raub und Körperverletzung gewerteten Überfall auf die 46-jährige Frau ahndete das Gericht mit drei Jahren Haft, die Körperverletzung und Sachbeschädigung vom April 2021 unter Berücksichtigung der zuvor verhängten Bewährungsstrafe mit einem Jahr und vier Monaten. Der Haftbefehl blieb bestehen.

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