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Umgestaltung der Kaiserstraße: Immense Schäden – Grüne scheitern mit Wunsch nach mehr Tempo

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Von: Jürgen Wagner

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Im Sommer gleicht die Kaiserstraße einer grünen Insel. Dann zeigen die Linden ihre ganze Pracht. Wird die Einkaufsmeile saniert, werden die Bäume weichen müssen. Danach sollen neue angepflanzt werden. Dass die Kaiserstraße dann wieder ergrünt, dürfte etwas Zeit in Anspruch nehmen. ARCHIVFOTO: NICI MERZ © Nicole Merz

Seit Jahren wird über die Sanierung der Kaiserstraße in Friedberg gesprochen – ohne sichtbasres Resultat. Die Grünen haben nun einen alten Antrag hervorgekramt.

Friedberg – Im März 2017 unternahmen die Friedberger Grünen mal wieder den Versuch, Bewegung in ein begonnenes, aber längst nicht beendetes Großprojekt zu bringen. Mit einem Antrag im Stadtparlament wollten sie die Sanierung der Kaiserstraße vorantreiben. Nach dem 1. Bauabschnitt, dem drei Jahre zuvor neu gestalteten Elvis-Presley-Platz, sollte endlich der 2. Bauabschnitt begonnen werden.

Bernd Stiller (Grüne), Vorsitzender des Ausschusses für Energie, Wirtschaft und Verkehr, erinnerte am Mittwoch an die kontroverse Diskussion seinerzeit. Der Magistrat wurde damals aufgefordert, ein Gutachten zu den Kanalanschlüssen auf der Kaiserstraße vorzulegen. Eine europaweite Ausschreibung sollte vorbereitet werden. In dem 2017er-Antrag hieß es auch, als 2. Bauabschnitt solle eine »Markterweiterung EPP bis Bindernagel angestrebt« werden, dann solle die Sanierung in Richtung Burg fortgesetzt werden.

Sanierung der Kaiserstraße in Friedberg: „Gibt es ein Gesamtkonzept?“

»Gibt es ein Gesamtkonzept? Wird die Kaiserstraße für längere Zeit gesperrt oder nur sukzessive? Was muss passieren, dass auf die Schnelle etwas passiert?« Fragen, die Stiller am Mittwoch in der Ausschussitzung an Bürgermeister Antkowiak richtete. Der war kurz vorm Platzen.

Um Antkowiaks Antwort auf den Grünen-Vorstoß von 2017 vorwegzunehmen: »Der Antrag ist erledigt, und fertig!« Tatsächlich wurde das damals angemahnte Gutachten zum Zustand der unterirdischen Infrastruktur (Wasser- und Abwasserrohre, Strom-, Gas-, Telefonleitungen etc.) im September des gleichen Jahres öffentlich in der Stadthalle präsentiert. Sieben Jahre zuvor waren die Kanäle mit Kameras untersucht worden. Die Schäden, hieß es schon damals, seien immens.

Friedberg: Immense Schäden im Untergrund der Kaiserstraße

Unter der Kaiserstraße herrscht demnach ein heilloses Durcheinander von Wurzeln, Kabeln, Rohren und Leitungen. Immer wieder platzen Rohre, gibt es in den Kellern der Häuser Wasserschäden. Antkowiak bekräftigte: Dass die Infrastruktur im Untergrund saniert werden muss, daran bestünden keine Zweifel. Und ein zweites, aktualisiertes Gutachten, gebe er nicht in Auftrag: »Das kostet nur Geld, das Ergebnis kann man sich denken.« Die Schäden im Untergrund dürften in den letzten Jahren eher zugenommen haben.

Auch die übrigen Punkte des Grünen-Antrags von 2017 nahm sich Antkowiak vor. Punkt 2: »Hat sich mit dem letzten Antrag zur Sache erledigt.« Punkt 3: »Wird im Architektenwettbewerb geklärt.« Und so weiter. Der Versuch der Grünen, Bewegung in eine unbeweglich scheinende Sache zu bringen, scheiterte folglich daran, dass der Antrag von 2017 längst überholt ist.

Sanierung der Kaiserstraße in Friedberg: Europaweite Ausschreibung

Die Stadtverordnetenversammlung hat, darauf wies Antkowiak hin, in der letzten Sitzung eine europaweite Ausschreibung für die Umgestaltung der Kaiserstraße beschlossen. Planungsbüros sollen ihre Vorstellungen zur Umgestaltung und auch zum Baustellenmanagement vorlegen. Bevor die Ausschreibung veröffentlicht wird, sollen die Parlamentarier im Ausschuss über den Inhalt der Ausschreibung informiert werden. Das hatte Antkowiak dem Stadtparlament zugesichert.

Folglich könne man Fragen wie die, wann die Sanierung beginne, wie lange sie dauere und welche Einschränkungen es geben werde, heute noch nicht beantworten, sagte der Bürgermeister. »Ich bin kein Hellseher.«

Sanierung der Kaiserstraße in Friedberg: Bäume sollen neu gepflanzt werden

Der WZ-Bericht vom 15. September 2017 über die Präsentation des Kanal-Gutachtens war überschrieben mit der Zeile »Alle Bäume müssen weg«. Das weist auf ein weiteres Problem bei der Sanierung der Friedberger Einkaufsmeile hin, das auch am Mittwoch wieder zur Sprache kam. Viele der Linden vor den Häusern seien in einem sehr guten Zustand, sagte Beate Neuwirth (Grüne). Ob es denn eine Möglichkeit gebe, die Bäume zu erhalten?

Antkowiak verneint dies. »Die kommen weg. Danach werden neue gepflanzt.« Umpflanzen kommt für den Rathauschef nicht in Frage. Die Erfahrungen mit umgepflanzten Bäumen vom Elvis-Presley-Platz sind eher mittelprächtig, aber die Kosten für die Aktion waren dem Vernehmen nach recht hoch.

Matthias Ertl (UWG) warnte davor, den Planern zuviele Vorgaben zu machen. Welche das sein werden, wird in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung besprochen. (Jürgen Wagner)

Zuletzt war auch eine autofreie Kaiserstraße in Friedberg im Gespräch.

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