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Vom Bocksbart bis zum Gänsefuß

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Von: red Redaktion

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Beate Alberternst (4. v. l.) weist auf einen »Neubürger« am Wingert hin: die gelb blühende Königskerze. © pv

Friedberg (pm). Bei bestem Wetter startete die Kräuterexkusion des NABU Friedberg. Ruth Müller konnte viele Interessierte begrüßen. Als Fachfrau führte Dr. Beate Alberternst die Gruppe durch den Dorheimer Wingert. Sie zeigte den Gästen eine ganze Reihe verwertbarer Kräuter, die manchmal ganz unscheinbar an Wegesrändern wachsen.

So fand Alberternst bereits auf dem kurzen Weg zum Wingert die ersten Kräuter am Wegrand, darunter die Wegwarte, mit lateinischem Namen Cichorium intybus, deren Wurzel verwendbar ist (Zichorienkaffee). Auch der seltene Bocksbart, dessen Blütenstiele essbar sind und nach Spargel schmecken, und der Beifuß, ein bekanntes Küchengewürz, sind hier zu finden.

Eine Besonderheit sind die derzeit blühenden Pracht-Königskerzen. »Die Blüten lassen sich als Hustentee verwenden«, sagte Alberternst. »Diese Pflanze wird bei uns als Zierpflanze kultiviert und stammt ursprünglich aus Ost- bzw. Südosteuropa. Nach dem Bau der Umgehungsstraße hat sie sich hier angesiedelt. Vermutlich ist sie mit der angelieferten Erde hierher gelangt.«

Am Eingang zum Wingert machte die Referentin die Teilnehmer auf die Zaunrübe aufmerksam, die für Menschen giftig sei, aber die Nahrungsgrundlage für die Zaunrüben-Sandbiene darstelle. Diese Biene sammle ihren Pollen und Nektar ausschließlich an der Zaunrübe. Auf den Schafweiden des Wingert fanden sich Pimpinelle und Schafgarbe. Pimpinelle, eines der sieben Kräuter der Grünen Soße, ist essbar und Schafgarbe ist sogar als Heilpflanze bekannt. Typische Pflanzen der angrenzenden Wiesen sind Wiesensalbei und der Glatthafer, die hier weit verbreitet sind.

Verschiedene Bodenstrukturen und Flächennutzungen, wie sie hier auf dem Wingert vorkommen, bieten völlig unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften eine Heimat: die Glatthaferwiesen auf den Streuobstgrundstücken und auf der anderen Seite eine Ackerfläche, also Bereiche mit offenem Boden. Hier wurden der Gänsefuß und die Brennnessel gefunden. Beide Gewächse können als Spinatersatz gegessen werden. Außerdem entwickeln die Samen der Brennnessel, in einer Pfanne ohne Fett geröstet, einen nussigen Geschmack, erklärte Alberternst. So seien sie als Topping für Salat oder Müsli bestens geeignet. Die Pflanze und deren Samen seien vorzügliche Mineralienspender.

Gegen Ende machte die Referentin noch auf die Knoblauchsrauke aufmerksam. Frisch gepflückt findet sie als Knoblauchersatz Verwendung. »Sie ist jedoch nur für kalte Speisen geeignet.« Auch Vogelknöterich wächst hier, der früher als Futter für die Sittiche zu Hause gesammelt wurde.

Viele Fragen und Gespräche untereinander wurden zum Abschluss bei einem Glas Dorheimer Wingertapfelsaft, frischem Roggenbrot vom Dorheimer Bäcker sowie dem von Ruth Müller zubereiteten vegetarischen Kräuteraufstrich geführt.

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