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Waldbrandgefahr in der Wetterau steigt

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Für den Wetteraukreis gilt aktuell die zweithöchste Waldbrand-Alarmstufe. © IMAGO

Die Waldbrand-Gefahr steigt. Für den Wetteraukreis gilt aktuell die zweithöchste Waldbrand-Alarmstufe. Heute steht einer der heißesten Tage des Jahres an - und die Wetteraussichten lassen vermuten, dass es noch trockener wird.

Die Grillplätze in der Wetterau sind noch nicht gesperrt. »Aber ich gehe davon aus, dass es bald dazu kommen wird«, sagt Kreisbrandinspektor Lars Henrich. Denn: Die Waldbrand-Gefahr steigt. Für den Wetteraukreis gilt die zweithöchste Waldbrand-Alarmstufe.

In diesem Jahr hat es laut Lars Henrich bisher nur im Büdinger Wald einen kleinen Buschbrand gegeben, der von der Feuerwehr schnell gelöscht war. Aber jederzeit kann es wieder losgehen. Henrich wirkt im Gespräch trotzdem gelassen, die Einsatzabteilungen seien auf den Ernstfall vorbereitet, sagt er.

Knochentrockenes

Laub auf Boden

In den 18 000 Hektar Wald, die Bernd Reißmann und seine Mitarbeiter vom Forstamt Nidda in der Wetterau verwalten, ist das Laub vom Vorjahr auf dem Boden knochentrocken. Sobald es dort funkt, lodert der Waldboden auf. Gleiches gilt laut Reißmann für die Nadelwald-Schonungen, in denen eine dicke Schicht alter Nadeln auf dem Boden liegt. Sogar auf den durch Dürre und Stürme abgeräumten Windwurf-Flächen liege noch viel altes Astwerk, das bei Funkenflug auflodern könnte. »Die Waldböden haben viel trockenes Material. Das Phänomen ist neu«, stellt der Forstamtsleiter fest. Es macht ihm Sorgen. Um Brände zu vermeiden, bittet Reißmann alle mit Autos anreisenden Ausflügler, die Wagen niemals auf Grasstreifen abzustellen. Denn die trockenen Halme könnten sich am heißen Auspuff entzünden. Das Rauchen im Wald sei sowieso und immer verboten.

Die vielen Spaziergänger und Radfahrer in den Wetterauer Wäldern sieht der Forstmann als Verbündete. In den vergangenen Sommern habe es auch deshalb nicht so oft gebrannt, weil fast jeder ein Mobiltelefon dabei habe und Alarm schlagen könne, wenn er irgendwo Qualm sieht. Feuer-Notrufe nimmt jederzeit die Alarmnummer 112 entgegen.

In der aktuellen Warnstufe gilt für das Forstamt eine Dienstbereitschaft - rund um die Uhr ist jemand erreichbar für den Fall, dass eine der 138 Einsatzabteilungen im Kreis zur Waldbrandbekämpfung ausrücken muss. Für jedes Flurstück sind »Katastrophenschutzkarten« vorbereitet. Die zeigen den Feuerwehrleuten, wo sie in der Nähe Wasser zapfen können.

Und im Brandfall rücken die Förster notfalls mit schwerem Gerät aus, wenn der Wind das Feuer auf Dickichte mit viel totem Holz hintreibt.

Der Klimawandel wird die Waldbrandgefahr künftig in fast jedem Sommer akut machen, befürchtet Bernd Reißmann. »Wir müssen deshalb den Wald umbauen, damit er widerstandsfähiger wird«, sagt er. Der Fachmann setzt auf Mischwald - reine Fichtenschonungen werden nicht mehr angepflanzt. Punktuell werde man trockenresistente Exoten wie die Libanonzeder, die türkische Tanne oder die asiatische Buche in den Wetterauer Wald pflanzen. Und dann sehen, ob sie dort gedeiht. Ansonsten wachsen vorwiegend junge Linden, Traubeneichen, Feld- und Spitzahorn in den neu aufgeforsteten Kulturen.

Im Moment sind die Waldarbeiter damit beschäftigt, die nur hüfthohen Jungbäume freizuschneiden, damit sie nicht von Brombeeren, Brennnesseln und hohem Gras überwuchert werden. Das sei noch richtige Handarbeit, sagt der Forstamtsleiter. Die Arbeiter schwingen dazu die Heidesense - ein Schnittwerkzeug mit kurzer Klinge. Andere Kollegen streifen durch den Forst auf der Suche nach erwachsenen Bäumen, die von Borken- oder Drehkäfern befallen sind. Diese kranken Gehölze werden nicht mehr mit Gift behandelt, weil das andere Insektenarten schädigen würde. Die Bäume werden stattdessen gefällt - und schnell abgeräumt, damit sie nicht als Futter für Waldbrände dienen.

Viel zu

wenig Regen

Doch was kann man tun, wenn es noch weitere acht Wochen heiß und trocken bleibt und die freigeschnittenen Jungbäume verdursten? »Das ist nicht schön«, sagt Reißmann. Man kann die Schösslinge nicht alle künstlich bewässern. Für sie müsste es im Sommer immer mal wieder einige Tage mit sanftem Landregen geben. »Aber den haben wir ja nicht mehr.«

Für den langen Rest des Sommers wird die Waldbrandwarnung wohl aktuell bleiben. Denn die Niederschläge blieben bisher deutlich hinter denen des halbwegs »normalen« Sommers 2021 zurück. Aus den Messdaten des Deutschen Wetterdienstes hat der Hamburger Michael Theurer auf www.mtwetter.de eine aktuelle Statistik gemacht. Demnach droht der Sommer 2022 in der Wetterau noch trockener zu werden als der Dürresommer von 2018. In Gedern-Schönhausen fielen vor vier Jahren 52,7 Millimeter Regen. In diesem Jahr kamen vom 1. bis zum 12. Juli nur 4,9 Millimeter auf den Boden - also weniger als zehn Prozent der Juli-Regenmenge im Dürrejahr.

Die Messstelle auf dem Hoherodskopf verzeichnete im Juli 2018 genau 24,2 Millimeter Regen - in der aktuellen Julihälfte waren es 9,9 Millimeter.

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Bernd Reißmann Forstamt Nidda © pv

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