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Wer war der schlagende Busfahrer?

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Von: Oliver Potengowski

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Wetteraukreis (sax). Weil er vor fast zwei Jahren einen Schüler im Bus geschlagen haben soll, ist vor dem Amtsgericht Büdingen gegen einen inzwischen 70-jährigen Mann verhandelt worden. Während der Angeklagte bis zu seinem Schlusswort zu den Vorwürfen schwieg, beeindruckte das Opfer des Übergriffs durch eine ruhige und detaillierte Aussage. Ebenso eindeutig erklärte er, dass der Angeklagte nicht der Fahrer sei, der ihn geschlagen habe.

Deshalb sprach das Gericht den 70-Jährigen frei.

Diese Heimfahrt von der Schule wird ein inzwischen zwölf Jahre alter Junge aus Merkenfritz so schnell nicht vergessen. Schon zwei Tage zuvor hatte die Busfahrt von der Schule nicht zu Hause, sondern im benachbarten Gedern geendet. Der Busfahrer habe ihn, weil er während der Fahrt telefoniert habe, nicht bemerkt, berichtete der Junge. Später bat der Fahrer ihn um Entschuldigung. Im Gespräch mit seinen Eltern und der Schule wurde dem Schüler nochmals eindringlich gesagt, dass er sich bemerkbar machen solle, wenn der Busfahrer ihn nicht an der Haltestelle in Merkenfritz absetzt.

Am 13. Mai 2020 bekam der damals zehnjährige Schüler die unfreiwillige Gelegenheit, diese Anweisungen zu befolgen. Statt ihn in Merkenfritz abzusetzen, fuhr der Bus erneut am Heimatort des Jungen vorbei. Mehrfach habe dieser versucht, den Fahrer anzusprechen, doch dieser habe nicht reagiert. Auch unter dem Eindruck des Erlebnisses zwei Tage zuvor bekam der Schüler, der der letzte Fahrgast im Bus war, Panik, weinte, schrie, stampfte mit den Füßen auf und trat gegen die Sitze.

Zwölfjähriger bekommt viel Lob

Schließlich hielt der Bus am Ortsende von Gedern an. Als der Junge habe aussteigen wollen, habe ihn der Fahrer am Arm zu sich gerissen und ihm eine Ohrfeige gegeben. Dabei sei ihm ein Backenzahn ausgefallen, berichtete der Schüler. Er sagte aus, dass der Busfahrer, der telefoniert habe, eindeutig nicht derselbe war wie der, der ihm zwei Tage später den Zahn ausschlug. Diesen beschrieb er sehr präzise.

Richterin Josefine Duda bat alle Personen im Gerichtssaal, die Masken abzunehmen. Der Junge sollte sich umsehen, ob er den Busfahrer, der ihn geschlagen habe, wiedererkenne. Ausdrücklich fragte sie nach, ob es vielleicht der Angeklagte sei. Doch wie bereits bei der Polizei erklärte der Junge, dass der Angeklagte nicht dieser Busfahrer sei. Für seine Aussage bekam der Zwölfjährige großes Lob von allen Prozessbeteiligten. »Es gibt wirklich viele Erwachsene, die sind viel aufgeregter.«

Die Plädoyers fielen kurz aus: Sowohl Staatsanwalt als auch Verteidiger forderten einen Freispruch. »Ich habe diesen Bub nie geschlagen«, betonte der Angeklagte.

Am Geschehen selbst habe sie keinen Zweifel, sagte Richterin Duda. Sie habe aber auch keinen Zweifel daran, dass es nicht der Angeklagte war. Nur: »Die Frage ist, wer es war.«

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