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Wetterau: Obstbäume kennzeichnen oder besser nicht?

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Die gelbe Schleife an Obstbäumen, wie sie früher genutzt wurde, wird mittlerweile durch ein Kreuz oder einen Punkt ersetzt, da die Kennzeichnung im Frankfurter Raum bedeutet, dass diese Bäume eben nicht abgeerntet werden dürfen. © Myriam Lenz

Auf kommunalen Flächen werden in Karben und Reichelsheim Bäume markiert, die man abernten kann. Was sagen die Vertreter der Obst- und Gartenbauvereine in Oberhessen zu dieser Idee?

Nachahmenswerte Idee oder nicht? In Karben und in Reichelsheim werden Obstbäume markiert, die von Fremden abgeerntet werden dürfen. Das ist eine Aktion der Kommunen und dem Naturschutzfonds Wetterau unter dem Motto »Wetterauer Ernte(n) - Streuobstwiesen erleben«.

F rüher kennzeichnete man mit einem gelben Band, aber das führte zu Verwirrung, weil dieselbe Markierung im Frankfurter Raum bedeutet, dass von den Bäumen nicht gepflückt werden darf. 2022 ist der gelbe Punkt beziehungsweise ein gelbes Kreuz als Alternativmarkierung Symbol für »grünes Licht«: Interessierte dürfen hier das Obst pflücken, das Heruntergefallene auflesen.

Obstbäume in der Wetterau: Drei Wiesen in Weckesheim dabei

I n Weckesheim werden drei Streuobstwiesen rund um den Bergwerksee zwischen den Stadtteilen Dorn-Assenheim und Weckesheim zur Ernte freigegeben. Die übrigen drei Streuobstwiesen dürfen nicht abgeerntet werden. Hier finden Interessierte insgesamt 56 Apfel-, 19 Walnuss-, zehn Birnenbäume und elf Süßkirschen. Das Obst braucht also nicht auf dem Boden zu verfaulen. Auf der Website des Naturschutzfonds Wetterau.de wird sogar über die Lage der markierten Bäume informiert.

Wie sieht das im Ostkreis aus? Versucht wurde die Markierungsaktion 2020 in Nidda. Viele Streuobstwiesen aus städtischem Besitz sind ohnehin verpachtet und kommen nicht infrage, aber im Bereich Stehfelder Weg und an wenigen anderen Flächen war dies möglich. Insgesamt habe nur mäßige Resonanz bestanden, berichtet Niddas Umweltbeauftragte Kerstin Bär. So wurden 2021 die freigegebenen Flächen auf der Homepage der Stadt aufgelistet, auf die zeitaufwendige Markierung wurde verzichtet, Interessierte meldeten sich direkt.

Obstbäume in der Wetterau: Verfaultes Obst als Futter für Tiere

Auch 2022 sind bereits Bäume am Stehfelder Weg an zwei Interessierte vergeben. Kerstin Bär nimmt auch gern weitere Meldungen zum Ernten auf geeigneten Liegenschaften unter der Rufnummer 0 60 43/8 00 62 59 entgegen. Allerdings gilt auch hier derselbe Appell wie in Karben, verantwortungsbewusst mit den Bäumen und Wiesen umzugehen.

Karlheinz Euler vom Vonhäuser Obst- und Gartenbauverein berichtet, dass die Mitglieder dies nicht anbieten, auch private Besitzer machen nicht mit. Er bedauert, wenn im Spätherbst herabgefallenes Obst verfault, weist aber darauf hin, dass Vögel und Wildtiere dies gern als Futter nutzen.

Obstbäume in der Wetterau: Rauscherfest in Ober-Widdersheim

Johannes Naumann, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ortenberg, weist auf die viele Arbeit vom Vorfrühjahrsschnitt bis zur herbstlichen Ernte hin, die sich die Mitglieder auf der vereinseigenen Streuobstwiese in Selters machen. So ernten sie gemeinsam, teilen einiges auf und treffen sich dann zum gemeinsamen Keltern. Der Saft wird pasteurisiert und haltbar in Drei- oder Fünf-Liter-Beutel gefüllt, die die Mitglieder zum Selbstkostenpreis mitnehmen. Ernte- und Keltertag werden immer aktuell bekannt gegeben.

In ihrem Kreis habe man das Markierungs- und Freigabemodell schon diskutiert, sei aber davon abgekommen, berichtet Burkhard Grünbein, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ober-Widdersheim. Die Allgemeinheit sei beim Rauscherfest mit frisch gekeltertem Saft, Apfelwein und Zwiebelkuchen willkommen, dieses Jahr am Samstag, 24. September, ab 14 Uhr vor dem Vereinsheim Wiesenstraße. Dort könne man im Gespräch über die Pflege von Obstbäumen erfahren. und mehr noch, wenn man den Rundwanderweg um das Vereinsgrundstück am Schirnberg gehe, wo Tafeln über den »Lebensraum Streuobstwiese« informieren.

Obstbäume in der Wetterau: Beim Pflücken und Keltern helfen

Auch für die Früchte des Obst- und Baumlehrpfades Ulfa gibt es immer wieder Nachfrage, ist von Ortvorsteher Christian Döll zu erfahren. Dort wachsen alte Apfelsorten, deren Früchte in keinem Supermarkt zu finden sind. Wer sich an den Pflegearbeiten beteiligt oder als Verein der Dorfgemeinschaft einiges bietet, kommt bei der Ernte zuerst dran. In ungünstigen Jahren sei allerdings nicht viel Obst übrig. Interessierte können sich beim Ortsbeirat Ulfa erkundigen.

Also wenig Chancen im Ostkreis für Leute ohne eigenen Garten? Kerstin Bär hat da eine andere Idee: »Es ist schon Vertrauenssache, wen man auf seine Obstwiese lässt. Bei guter Nachbarschaft lässt sich das durch direktes Fragen lösen. Wenn man dann noch dem Besitzer beim Sammeln von Fallobst, beim Pflücken und Keltern hilft, ist es einen echte Win-win-Situation, beide Teile haben etwas davon.«

Info: Die Haftungsfrage

Nach Auskunft des Landesverbands Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege ist die Haftungsfrage in Zusammenhang mit den Schleifen, Punkten oder Kreuzen für die Erntefreigabe nicht zu vernachlässigen. Demnach haftet der Grundstückseigentümer für Unfälle auf seinem Grundstück, könnte sogar eine Anzeige wegen Körperverletzung erhalten. Viele Vereine versuchen mit einem Schild zum Haftungsausschluss vorzusorgen.

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Vielleicht kleiner und im Teint nicht ebenmäßig, alte Sorten aber punkten mit Geschmack. © Elfriede Maresch

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