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Wetterau: Störche, Strom und (Natur-)Schutz

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Von: Kim Luisa Engel

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Büschelabweiser - wie hier in Gettenau - benutzt auch die Ovag für ihre Strommasten. FOTO: JÜRGEN F. BRAUN © pv

Oft nisten Störche auf Strommasten - auch in der Wetterau. Ein Leser hat beobachtet, dass viele Nester entfernt und Halbkugeln als Schutz aufgestellt worden sind. Was hat es damit auf sich?

Im letzten Sommer konnte man beim Radeln an der Nidda von Wöllstadt nach Karben auf einem Mast der Überlandleitungen vier Storchennester bewundern«, schreibt Reinhold Rühl aus Niddatal. Auf weiteren Masten seien einzelne Nester zu finden gewesen. »In diesem Jahr waren auf diesem Mast die Nester entfernt und zwei rote und zwei weiße große Halbkugeln an den Stellen zu sehen, wo die Nester waren«, schreibt Rühl. Auch auf anderen Masten seien die Storchennester entfernt und durch solche Halbkugeln ersetzt worden. Dies veranlasse ihn zu fragen: »Will man keine Storchennester auf diesen Strommasten?«

»Das vermehrte Nisten auf Strommasten führt zu regelmäßigen Stromausfällen«, teilt das Energieversorgungsunternehmen Avacon über Sprecherin Julia Falkenstein mit. Daher sei es das Anliegen der Firma, das Einnisten auf Masten weitestgehend zu verhindern.

Wetterau: Storchennester können zu Stromausfällen führen

Ovag-Pressesprecher Michel Kaufmann hatte erklärt, dass die Halbkugeln und die Ortsangaben darauf hindeuteten, dass es sich hier »sehr wahrscheinlich« nicht um Masten der Ovag handele.

Dazu passe auch, dass im vergangenen Jahr an diesen Stellen noch Storchennester waren. »Diese haben im 110kV-Netz unseres vorgelagerten Netzbetreibers, die Avacon Netz GmbH, in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl an Versorgungsunregelmäßigkeiten und somit auch zu Versorgungsstörungen von privaten und gewerbetreibenden Verbrauchern gesorgt«, sagt Kaufmann. Daraus resultierten defekte elektrische Geräte, Betriebs- und Produktionsausfälle und hohe Kosten bei den Verbrauchern.

Wetterau: Avacon benutzt Halbkugeln gegen Störche

Die Avacon sei deswegen angehalten worden, Maßnahmen zu ergreifen, um ihrem Auftrag - also der Versorgung mit Energie in der richtigen Qualität - gerecht zu werden. Diese Verfahren werden laut Avacon-Sprecherin Falkenstein gemeinsam mit der Naturschutzbehörde abgestimmt. Eine Möglichkeit sei das Aufstellen von Halbkugeln. »Leider nicht immer mit Erfolg«, sagt sie. Dies deckt sich mit den Beobachtungen von Rühl: »Nach einiger Zeit haben die Störche drei der vier Halbkugeln mit Nestern überbaut.«

Falkenstein betont, dass die Avacon keine Störche von Strommasten vertreiben wolle. Allerdings habe die Region eine überaus hohe Anzahl an Störchen. Mittlerweile seien es über 150 Paare, die sich durch das Schaffen von Feuchtgebieten angesiedelt hätten.

Wetterau: Natur- und Artenschutz ist Energieversorgern wichtig

Es gehe um Betriebssicherheit, aber auch um den Vogelschutz, teilt Falkenstein von der Avacon mit. Ziel sei also, die Störche am Nestbau auf Strommasten zu hindern, damit es bei dem Energieversorger nicht zu Stromausfällen komme und die Art gleichzeitig geschützt werden könne.

Im Zuge der stetig wachsenden Storchenpopulation steigen auch für die Ovag als regionalen Netzbetreiber die Herausforderungen im Bereich ihrer Mittelspannungsanlagen, sagt Kaufmann.

Dem Energieversorger liege der Natur- und Vogelschutz seit Jahren am Herzen. Kaufmann: »Wir wollen nicht, dass Gelege zerstört werden oder gar Jungstörche verenden, wenn es beispielsweise zu - durch Nestteile hervorgerufene - Kurzschlüssen kommt, die zum Brand eines Nestes führen können.« Die Schutzeinrichtungen auf den Freileitungsanlagen der Ovag entsprächen den aktuellen Vorgaben der Anwenderregel für Natur- und Vogelschutz.

Wetterau: Büschelabweiser gegen Störche eingesetzt

»Alle Maßnahmen, die zum Beispiel bei Nestbauversuchen von uns durchgeführt werden, sind in enger Abstimmung mit der staatlichen Vogelschutzwarte oder der Naturschutzbehörde des Wetteraukreises abgeklärt«, sagt Kaufmann. In vielen Fällen seien die Masten zum Schutz der Tiere sogar über die Vorgaben der Vogelschutzrichtlinie hinaus mit zusätzlichen Einrichtungen ausgerichtet.

Im Hinblick auf die Versorgungssicherheit ihrer Kunden, der Verkehrssicherungspflicht gegenüber Dritten und den Vogelschutz werde die Ovag an ihrer Vorgehensweise festhalten. Statt Halbkugeln, die nur für Hochspannungsmasten geeignet seien, verwendet die Ovag Büschelabweiser. Diese würden ihren Zweck in der Regel gut erfüllen, sagt Kaufmann. Abdeckhauben für Stützer-Isolatoren, Abspann-Isolatoren sowie Sitz- und Abweisstangen in verschiedenen Bauformen würden auch genutzt. Manche Tiere seien jedoch recht findig, wenn es darum gehe, sie zu umgehen.

Info: Freileitung abbauen

In Bezug auf Natur- und Vogelschutz arbeite die Ovag bei Lindheim daran, die Freileitung aus dem Bereich der dortigen Feuchtwiesen abzubauen bzw. Ersatzverkabelungen einzurichten, sagt Pressesprecher Michel Kaufmann. Auf Anfrage von Naturschutzgruppen sei man grundsätzlich gewillt, Masten zum Zwecke des Vogelschutzes als Nistplätze stehenzulassen.

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Leser Reinhold Rühl hat, im Vergleich zum Vorjahr, beobachtet, dass einige Nester entfernt und Halbkugeln an deren Stelle aufgebaut wurden. © pv
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Kein seltenes Bild: Oft nisten Störche in der Wetterau auf Stommasten. © pv

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