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Wetterau: Von Integration bis Hospizhilfe - Bürgerpreis für soziales Engagement von Klaus Auls

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Von: Kim Luisa Engel

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Klaus Auls auf seiner Terrasse in Bad Nauheim. Der 76-Jährige begleitet als Hospizhelfer Menschen ehrenamtlich beim Sterben. Zudem bildet er Integrationslotsen aus. © Kim Luisa Engel

Klaus Auls aus Bad Nauheim engagiert sich als Hospizhelfer, aber auch für Geflüchtete. Schwerpunkt seiner Ehrenämter ist der soziale Bereich. Für sein Lebenswerk hat er den Bürgerpreis bekommen.

Klaus Auls bekommt in seiner Jugend mit, wie ein Mädchen ertrinkt. »Das war ein Schlüsselerlebnis«, sagt er heute. Mit 16 wird er daher ehrenamtlicher Bademeister in einem Freibad. Viele weitere Ehrenämter sollten in 60 Jahren - bis heute - dazukommen. Deshalb ist der 76-Jährige Auls mit dem Hauptpreis des Bürgerpreises der Sparkasse Oberhessen für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

»Dass ich einen Hauptpreis bekommen habe, hat mich überrascht«, sagt er. Über die Wertschätzung seiner Arbeit freut Auls sich sehr. »Ich habe die Hoffnung, dass, wenn so etwas öffentlich stattfindet, Nachahmer kommen«, sagt er über die Preisverleihung. Dass Menschen sich fragen: »Gibt es vielleicht auch eine Nische für mich, in der ich mich engagieren kann?«

Bürgerpreis in der Wetterau: Von Jugendarbeit bis Flüchtlingshilfe

Klaus Auls engagiert sich seit sechs Jahrzehnten in zahlreichen Vereinen und Institutionen. Sein Schwerpunkt: der soziale Bereich. An seinem alten Wohnort in Melbach hat er ab 1986 die offene Jugendarbeit in Wölfersheim vorangetrieben, die »WöBüs« - die Bürger für Wölfersheim - entwickelt und in den 90ern die Aufnahme von Asylsuchenden vorbereitet. Um nur einige Stationen zu nennen. Mit seinem Umzug nach Bad Nauheim hat er sich gefragt: »Was kann ich hier vor Ort, ohne ein Auto, erreichen?« So wird er Integrationslotse beim Internationalen Zentrum Friedberg (IZF).

Schnell hat er Kontakt zu Menschen aus Somalia oder der Türkei. Er kümmert sich um die Familien, oft Frauen mit Kindern. Sorgt zum Beispiel dafür, dass Partner nachkommen können, erledigt Formalia, sucht Gesprächspartner oder Ärzte für kranke Kinder. »Für viele der Kinder bin ich der weiße Opa.« Bis heute sei er eine Art Familienangehöriger. »Wir sind in Freundschaft verbunden, auch wenn sie jetzt weniger Unterstützung brauchen.« Ein Bedarf an Integrationslotsen sei aber immer da - gerade durch den Ukraine-Konflikt. Deshalb freut sich Auls, dass er beim IZF gerade 17 Menschen ausbilden kann.

Bürgerpreis in der Wetterau: Hospizhilfe großer Teils von Auls’ Ehrenamt

Ein weiterer großer Teil von Auls Ehrenamt ist die Hospizarbeit. Der 76-Jährige engagierte sich zuerst in der Hospizhilfe Wetterau, seit 2015 im Wetterauer Hospizdienst. Nach seiner Ausbildung zum ambulanten Hospizhelfer ist er sofort in die Arbeit eingestiegen, begleitet seither Menschen in Krankenhäusern, Seniorenheimen und zu Hause auf ihrem letzten Lebensabschnitt.

»Das lag nahe. Das wurde bei mir schon früh in die Wege geleitet«, sagt Auls. Nach zehn Jahren Ehe stirbt seine erste Frau. Später stirbt auch seine Schwester. Die Arbeit als Hospizhelfer ist laut Auls sehr unterschiedlich: »Ich treffe komatöse Menschen und Menschen, die noch bei guten Sinnen und Gedanken sind.«

Bürgerpreis in der Wetterau: Über 80 Menschen beim Sterben begleitet

Das Gegenüber bestimmt, wo es langgeht, sagt er. »Mein Ansinnen ist es, dem gerecht zu werden.« Auls ist es wichtig, die Person dann auch bis zum Grab zu begleiten. »Erst wenn ich auf der Beerdigung war, ist meine Aufgabe abgeschlossen.«

Über 80 Menschen hat Auls beim Sterben begleitet. Was macht das mit ihm? Trennen, sagt er. Das sei wichtig. »Mitgefühl ist das eine, aber das Mitleiden muss man vermeiden.« Im Verein wird deshalb Supervision angeboten, die Hospizhelfer tauschen sich untereinander aus - auch über die Freuden der Arbeit. Und, sagt er: »Man muss auf sich selbst achten.« Auls macht das. Er schwimmt jeden Tag 1000 Meter und läuft mindestens fünf Kilometer zu Fuß.

Bürgerpreis in der Wetterau: »Langeweile kenne ich nicht«

Eine Sache ist ihm noch wichtig: »Die Themen Sterben, Tod, Trauer müssen aus dieser Schmuddelecke raus.« Deswegen hält er Vorträge darüber, in Schulen oder Vereinen. Um die Menschen aus der Beklommenheit herauszuholen. »Der Tod gehört zum Leben dazu.«

Als sein Lebenswerk - die Kategorie, in der er ausgezeichnet wurde - bezeichnet Auls die Summe aus all dem, was er bisher getan hat. Er sei immer bestrebt, für Frieden und Harmonie zu sorgen. Seine positive Grundhaltung wolle er anderen nahebringen, sie so mitreißen. Er helfe, unterstütze und organisiere gerne. Als gelernter ITler hat er auch Computer und seine Dienste gespendet, etwa an eine Waldorfschule in Rumänien oder dem Frauenhaus Friedberg.

Seine Arbeitsstunden dokumentiert er in einer Excel-Tabelle. »Statistisch gesehen bin ich jeden Tag mindestens fünf Stunden ehrenamtlich tätig«, sagt Auls. »Langeweile kenne ich nicht.« Seine Frau sagt, wenn er eine Aufgabe beende, warteten drei neue auf ihn. Das stimmt, sagt Klaus Auls. »Ich entziehe mich den Herausforderungen nicht.«

Info: Die Preisträger

Kultur, Sport, Hilfe für Mitmenschen - ohne ehrenamtlich Engagierte wäre vieles nicht möglich. In der Wetterau gibt es zahlreiche Menschen, die sich für andere einsetzen - auf ganz unterschiedliche Weise. Die Stiftung der Sparkasse Oberhessen würdigt dieses Engagement jährlich mit der Verleihung des Bürgerpreises Oberhessen. In einer Serie stellen wir die Preisträger von 2022 vor. Heute geht es um Klaus Auls aus Bad Nauheim, der einen Hauptpreis für sein Lebenswerk erhalten hat.

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