Peter Müller-Rose von der Bad Nauheimer Kur-Apotheke weiß von einer verstärkten Nachfrage nach Impfpass-Digitalisierungen zu berichten.
+
Peter Müller-Rose von der Bad Nauheimer Kur-Apotheke weiß von einer verstärkten Nachfrage nach Impfpass-Digitalisierungen zu berichten.

Fokus auf Corona

Wetterauer Apotheken müssen nun auch Corona-Impf-Betrug erkennen

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
    schließen

Ein Zweitliga-Trainer mit mutmaßlich gefälschtem Impfausweis und der Start für die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz: Beides spielt für Apotheker eine Rolle - auch in der Wetterau.

Wetterau - Am Mittwoch hat Dr. Uwe Nauland vier Stunden länger Corona-Tests vorgenommen, als er eigentlich geplant hatte. An diesem Tag trat die 3G-Regel am Arbeitsplatz in Kraft, kein Wunder also. Nauland mag Statistiken, und so weiß er auch, dass er im Eingangsbereich seiner Römer-Apotheke in Okarben bisher 706 Stunden auf Corona getestet hat. Hinzu kommen die Tests beim gemeinsamen Angebot von vier Karbener Apotheken. Innerhalb von sechs Monaten habe er neun positive Testergebnisse verzeichnet, sagt Nauland, dann im Oktober zehn und im November bisher 14.

Dass die 3G-Regel am Arbeitsplatz den Tests einen Schub gibt, hat Peter Müller-Rose von der Kur-Apotheke in Bad Nauheim am Mittwoch, gemerkt: »Wir sind heute ausgebucht.« Auch Bernd Ulrich, Betreiber der Engel- und der Liebig-Apotheke in Friedberg, wusste von einem testintensiven Tag zu berichten.

Corona in der Wetterau: Neue Regel bringt starke Nachfrage

Testen und Impfen gelten als entscheidende Waffen im Kampf gegen die Pandemie. Beide machen in diesen Tagen auf besondere Weise Schlagzeilen: Markus Anfang, nun Ex-Trainer des Fußball-Zweitligisten Werder Bremen, soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, einen gefälschten Impfausweis besessen haben. Und die Tests stehen durch die Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz verstärkt im Fokus.

»Wir haben in der Wetterau tatsächlich vereinzelt Hinweise zu gefälschten Impfpässen. Die Ermittlungen zu diesen Verfahren laufen. Aktuell bewegt sich die Anzahl der Ermittlungsvorgänge noch im einstelligen Bereich. Wir stehen dabei in enger Verbindung mit der zuständigen Staatsanwaltschaft«, erläutert Corina Weisbrod, Pressesprecherin der Polizeidirektion Wetterau.

Reue nach Betrugsversuch

»Wir sind sensibilisiert. Wenn uns etwas komisch vorkommt, versuchen wir dem nachzugehen«, sagt Peter Müller-Rose. Die Nachfrage nach der Digitalisierung von Impfpässen sei aufgrund neuer Corona-Vorschriften gestiegen. Bei den Pässen habe es hier und da schon Auffälligkeiten gegeben. In einem Fall sei ein Betriebsarzt eingetragen gewesen, den es - so das Ergebnis einer Recherche - gar nicht gebe.

Bernd Ulrich berichtete von einem Betrugsversuch am Mittwoch in einer Friedberger Apotheke: Eine Person habe den Imfpass zwecks Digitalisierung abgegeben und ihn dort gelassen. Bei dem Vorgang sei die Fälschung aufgeflogen, die Polizei sei informiert worden. Diese habe sich bei der Person gemeldet, die den Betrugsversuch zugegeben und mitgeteilt habe, sich impfen lassen zu wollen.

Gefälschte Impfnachweise in der Wetterau: Aufgeflogen wegen Rechtschreibfehler

Uwe Nauland berichtete von einer Apothekerin, der ein Betrugsversuch aufgefallen sei, weil das Wort »Unterschrift« mit »ie« geschrieben gewesen sei. Nauland hat, wie er sagt, eher ältere Kundschaft, die oftmals keinen digitalen Impfnachweis benötige. Er sei mit seinem Digitalisierungsangebot spät gewesen, da hätten viele Menschen das schon andernorts erledigen lassen. Dennoch weiß er von einer Begebenheit in seiner Apotheke zu berichten: Eines Abends um 20 Uhr seien zwei jüngere Menschen gekommen, um ihren Impfnachweis digitalisieren zu lassen. Sein Drucker sei kaputt gewesen, er hätte das Zertifikat nur mailen können. Daran allerdings hätten die beiden unverständlicherweise kein Interesse gehabt. »Ich vermute mal, dass sie Dreck am Stecken hatten«, sagt Nauland.

»Die Freiheit falsch verstanden«

Ulrich spricht mit Blick auf Betrugsversuche auch Coronatests an. Vom 11. Oktober bis zum 12. November musste man Antigen-Schnelltests in Apotheken selbst bezahlen. Ausnahmen galten für Schwangere, für Kinder und Jugendliche, für Kontaktpersonen eines Infizierten und für Leute mit ärztlichem Attest, das ihnen bescheinigte, dass sie sich nicht impfen lassen können. Aus dem Kreis von Leuten, die nur so getan hätten, als dürften sie sich nicht impfen lassen, habe es Betrugsversuche gegeben, sagt Ulrich. Der eine oder andere habe behauptet, er müsse kostenlos getestet werden.

Bleibt für Apotheker, beim Digitalisieren ein wachsames Auge zu haben und von den Antigen-Schnelltests genügend auf Lager zu haben. Es könne im Zuge der 3G-Regel am Arbeitsplatz zu einem Engpass bei Tests kommen, die Apotheken hätten aber gut vorgesorgt, sagt Ulrich. Apotheken hätten früh darauf hingewiesen, dass sich auch Geimpfte testen lassen sollten, denn auch sie könnten das Virus übertragen. »Wir haben die Situation, wie sie jetzt ist, auch weil wir die Freiheit falsch verstanden haben.«

Und was ist mit dem Impfen in Apotheken?

Alle Friedberger Apotheken betreiben gemeinsam im Rathauspark das Corona-Testzentrum. Vor allem dort sei die Nachfrage nach den nun wieder kostenlosen Antigen-Schnelltests gestiegen, sagt Bernd Ulrich, Inhaber der Liebig- und der Engel-Apotheke, beide in Friedberg. Doch könnten Apotheken auch in die Impfkampagne eingespannt werden? Von Ulrich gibt es dafür ein klares Ja. »In acht europäischen Ländern um uns herum wird in Apotheken geimpft«, sagt der Friedberger. »Es geht darum, so schnell wie möglich unkompliziert Impfangebote zu machen.« Apotheker hätten in dieser Pandemie bewiesen, wie schnell sie in der Lage seien, neue Verordnungen schnell umzusetzen, sagt Ulrich und verweist auf ihren Beitrag dazu, dass genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stand, zudem auf Masken, Tests und Zertifikate. »Apotheken haben diese komplexen Sachen hochprofessionell umgesetzt.« Die Apotheken sollten gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten und dem Gesundheitsamt Wege beschreiten, die die gute, verlässliche und schnelle Versorgung der Menschen in der Region ermöglichen. »Das ist nicht nur der gesetzliche Auftrag der Apotheken, sondern auch unsere Pflicht.«

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare