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Wetterauer Kammerjäger schildern ihre heftigsten Fälle: „Auf ihm lagen die Ratten und schliefen“

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Monja Breitenbach und Frank Weißenfels rücken Schädlingen auf den Leib. Bei den Betroffenen besteht in der Regel ein großer Informationsbedarf.
Monja Breitenbach und Frank Weißenfels rücken Schädlingen auf den Leib. Bei den Betroffenen besteht in der Regel ein großer Informationsbedarf. © Petra Ihm-Fahle

Wenn Schaben auf dem Boden kriechenist man alles andere als begeistert. In solchen und anderen Fällen sind Schädlingsbekämpfer gefragt, Menschen wie Frank Weißenfels und Monja Breitenbach.

Friedberg – Iiiiih! Was krabbelt dort auf dem Boden? Läuft da was in der Wand? Wenn Schädlinge ins Haus gezogen sind, müssen sich Kammerjäger des Problems annehmen. Frank Weißenfels aus Gambach beispielsweise. Der 60-jährige IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer ist jemand, der schnell eine Vertrauensebene herstellt. Das ist in dieser Branche wichtig.

Früher war Weißenfels Koch, doch schon als Kind bekam er einiges von der Arbeit seines Vaters mit, eines Schädlingsbekämpfers. Später übernahm er den Betrieb. In seinem Familienunternehmen ISH sind mit ihm seine Frau, Tochter Monja Breitenbach und ein Mitarbeiter tätig. Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Sanatorien, Seniorenheime, große Betriebe, aber auch Privatkunden gehören zur Klientel.

Gerade war Weißenfels noch im Telefonat mit einer Kundin. Einmal aufgetaut, besteht bei Betroffenen enormer Redebedarf. »Ich bin manchmal mehr Psychologe als die eigentliche Arbeit ausmacht«, sagt er und lacht. Beginnt er, über seinen Job zu sprechen, ist dieser Punkt nicht nur für Außenstehende nachvollziehbar. Erinnert sich Weißenfels an manch einen Fall zurück, kann auch er Gänsehaut bekommen.

Wetterauer Kammerjäger berichten: Schweinestall voller Kakerlaken

Die häufigsten Probleme treten mit Kakerlaken, Mäusen, Ratten, Wespen und Mardern auf. Weißenfels weiß den Dingen beizukommen, braucht mitunter aber detektivisches Gespür. Etwa, als ihn jemand wegen Horden von Kakerlaken alarmierte. »Der Kunde fing 30 bis 40 Kakerlaken pro Nacht, indem er doppelseitiges Klebeband über die Türschwellen legte«, schildert er die Ausgangslage. Weißenfels musste herausfinden, woher der nicht enden wollende Strom Krabbeltiere kam. Wie sich herausstellte, vom Nachbargrundstück. »Wir gingen in den Schweinestall, wo alles voller Kakerlaken war.« Von dort breitete sich das Ungeziefer im ganzen Ort aus. »Wir entfernten die Kakerlaken aus dem Stall, und das Problem löste sich nach und nach.«

Wetterauer hat mit Ratten zusammen gewohnt

Einmal rief ihn eine Kommune aus dem Wetteraukreis, da in einem Haus viele Ratten seien und die Nachbarschaft mitbetroffen sei. »Wir suchten den Bewohner, der in einer Garage lag und schlief. Auf ihm lagen die Ratten und schliefen ebenfalls. Es war ein entsetzliches Bild.« Der Mann habe mit den Ratten gewohnt - Dutzende seien im ganzen Haus herumgelaufen. Als Weißenfels rausging, war er fahl wie ein Tischtuch.

Mäuse gehören ebenfalls zu den Schädlingen, »allein heute hatten wir schon drei Anrufe«, erzählt er. Es liege am Wetter, da der Winter nicht richtig kalt sei. Bei Mäusen besteht vor allem ein Geräuschproblem, aber sie können laut Weißenfels auch Krankheiten übertragen. »Wer Mäuse in der Speisekammer hat, sich Chips holt und die sind angefressen - das ist eklig.«

Erlebnisse von Wetterauer Kammerjägern: Kundin bildete sich die Plage nur ein

Früher hielt Weißenfels Vorträge bei den Landfrauen. »Es sollte eine Stunde dauern, aber ich kam erst nach zwei Stunden raus, da so viele Fragen da waren«, berichtet er und lacht. Etwa zur Wahl der Substanzen und Vorgehensweisen, wobei der Trend in manchen Fällen weg von der Chemie hin zum biologischen Mittel geht.

Der Besuch des Schädlingsbekämpfers ist Betroffenen oft peinlich, daher legt Weißenfels Wert auf Diskretion. Er und seine Tochter Monja fahren in einfachen Autos vor, Schutzanzüge tragen sie nicht. Wie er sagt, seien auch »Scharlatane« in der Branche unterwegs, die wenig erreichen und viel abrechnen. Insofern rät er zur Vorsicht.

Viel spielt sich beim Thema Schädlinge auch im Kopf ab. Eines Tages hatte das Unternehmen eine Kundin, die sich das Ungeziefer einbildete. »Wir gaben ihr Insektenklebeflächen«, erläutert Monja Breitenbach. Als die Frau zurückkam, haftete nur Staub an den Klebeflächen, wie eine biologische Untersuchung belegte. »Die Frau war überzeugt, dass es Tiere sind. Sie wollte, dass wir alles vernebeln, aber das haben wir nicht gemacht.« Ein anderes Mal wurde Weißenfels gerufen, weil die Betroffenen ein »Zirpen« hörten. Ein Stockwerk tiefer fand er die Ursache: Es war ein Feuermelder, der wegen leerer Batterien piepte.

Tiere auf der Roten Liste

Nicht immer, wenn Kunden die Schädlingsbekämpfer der Firma ISH aus Münzenberg-Gambach rufen, wird das Unternehmen aktiv. Ein Beispiel ist das Wespennest im Gartenhäuschen. »So etwas machen wir nicht weg. Es wäre eine Verschwendung von Ressourcen. Zum einen, weil die Kunden ihr Geld ausgeben, zum anderen, weil sie die Tiere nicht am Leben lassen«, erläutern Inhaber Frank Weißenfels und seine Tochter Monja Breitenbach. Sei ein Einsatz unnötig, weil kein Mensch in der Nähe ist, dürften sie ein Nest nicht entfernen. Häufig kämen auch Anrufe wegen Hornissen, die auf der Roten Liste stehen - auch da nimmt das Unternehmen Abstand. »Wenn die Leute es trotzdem wollen, müssen sie einen Antrag bei der Naturschutzbehörde stellen. Wir machen es erst, wenn es genehmigt wird.« Bei Mardern, die unter Naturschutz stehen, arbeiten die Schädlingsbekämpfer gern mit Vergrämungsmitteln. Sofern eine Lebendfalle zum Einsatz kommt, muss sie Futter und Wasser enthalten und täglich kontrolliert werden.

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