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Wetterauer Unternehmen auf der Suche nach Azubis

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Von: Sabrina Dämon

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Wer sucht, der findet: Zahlreiche Ausbildungsstellen für das kommende Lehrjahr sind noch zu besetzen, auch bei dem Wöllstädter Unternehmen Etiscan. © Sabrina Dämon

Ausbildung? Oder lieber studieren? Schulabgänger entscheiden sich heutzutage oft für ein Studium. Das spüren auch die Betriebe. Drei Wetterauer Ausbilder über Probleme und über Perspektiven.

Die Lage ist katastrophal«, sagt Kerstin Münster. »Obwohl wir alles versucht haben, ist die Anzahl der Bewerber für Ausbildungsstellen so gering wie noch nie.« Die Geschäftsführerin des Wöllstädter IT-Unternehmens Etiscan bildet seit rund 25 Jahren in drei Berufen aus: IT-Fachinformatiker Systemintegration, IT-Fachinformatiker Anwendungsentwicklung sowie Kaufmann/-frau für Büromanagement.

Für gewöhnlich - so sei es zumindest vor ein paar Jahren gewesen - kämen die meisten Bewerbungen in der Osterzeit. In diesem Jahr seien aber nur wenige eingegangen. »Ich habe das Gefühl, die jungen Leute sind in einer Art Schockstarre«, sagt Münster. »Viele wissen nicht, was sie tun sollen. Aber es kann ja nicht sein, dass alle studieren wollen.«

Um jungen Menschen eine Ausbildung im IT-Bereich vorzustellen, habe Münster einiges versucht: Zusammenarbeit mit Schulen, Stände auf Ausbildungsmessen. Aber: »Ausbildungsmessen sind nicht besonders gut besucht, das war eher ernüchternd.« Künftig möchte sie versuchen, mehr Kontakt in Schulen aufzubauen, etwa in Form von Vorträgen im Informatik-Unterricht - »um den jungen Leuten Appetit zu machen«.

Für das kommende Ausbildungsjahr sind noch alle drei Stellen zu besetzen. Münster hofft weiterhin auf Bewerber - zumal sie, wie sie sagt, eine Ausbildung in der IT-Branche nur empfehlen könne: Die Perspektive sei gut, auch im Bereich Gehalt. Viele ehemalige Azubis seien noch immer im Betrieb. »Einer unserer Ex-Azubis ist seit 22 Jahren bei uns, er hat nebenberuflich noch studiert und sich brillant entwickelt.«

Kritik: Kaum noch Berufsschulen

Steinmetzmeister Martin Röhling aus Nidda kennt die Problematik - zwar nicht im eigenen Betrieb, aber von Kollegen in der Branche. Seit 2011 ist Röhling selbstständig und bildet sowohl zum Steinmetz als auch zum Naturwerksteinmechaniker aus. Zum neuen Ausbildungsjahr hat er zwei Lehrlinge eingestellt.

Dass immer weniger junge Leute eine Ausbildung machen wollen, hat seiner Meinung nach mehrere Gründe. »Viele Eltern sagen: Das Kind muss studieren, was Gescheites machen. Im Handwerk werden die Finger nur dreckig.« Aber, sagt er, »man sieht, was man erschaffen hat«. Viele wüssten nicht, dass man auch mit einem Meistertitel studieren könne. Er als Steinmetzmeister könnte bspw. Architektur, Kunsthistorik, Geologie studieren. Oder als Dozent an Berufsschulen arbeiten. »Es gibt genug Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung.«

Ein weiterer Faktor, glaubt Röhling, warum weniger junge Leute eine Ausbildung machen wollen: »Wir haben nur noch wenige Schulen.« Da die Zahl der Lehrlinge gesunken sei, hätten einige Berufschulen geschlossen. Röhlings neue Lehrlinge gehen daher in die Schule in Wunsiedel in Bayern an der tschechischen Grenze zum Blockunterricht.

Röhling macht auch die Politik für die Situation verantwortlich. »Es müsste mehr Geld in die Ausbildung gesteckt werden« - etwa durch Werbe-Initiativen. Die Innungen machten bspw. Filme über Berufe - »aber wir können nicht alles selbst machen«.

Bei Hassia in Bad Vilbel setzt man auch darauf, für die Ausbildung zu werben. Ein Team des Unternehmens sei stets mit einem Stand auf den Azubi-Messen »Einstieg« in Frankfurt oder »Go-fit« in Offenbach und beantworte Fragen rund um die Ausbildungswege, sagt Pressesprecherin Sibylle Trautmann. »Wir haben auch ein paar Filme dabei, um den Interessenten ihre künftigen Arbeitsplätze konkret und anschaulich zu zeigen.« Zudem gebe es Clips auf der Homepage oder auf Youtube: »Darin stellen unsere Azubis die Berufsbilder mithilfe von Interviews selbst vor« - nach dem Motto: »Von Azubis für Azubis.« Hassia versuche zudem, den Ausbildungsplatz attraktiv zu gestalten: »mit eigenem Fitness-Studio zur kostenlosen Nutzung sowie kostenlosen Getränken am Arbeitsplatz und für zu Hause«.

Neben den Ausbildungsberufen Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlagerist, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Mechatroniker und Industriekaufmann/-frau bietet Hassia seit 2019 zudem die Ausbildung zum Berufskraftfahrer an. »Für das kommende Ausbildungsjahr bieten wir drei Ausbildungswege an«, sagt Trautmann: Mechatroniker, Industriekaufmann/-frau und Berufskraftfahrer. Fünf Bewerber hätten eine Stelle bekommen. Ein Vorteil einer Ausbildung, sagt Trautmann: »Wenn die Noten und die Leistungen gut sind, werden die Azubis übernommen.«

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