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„Alles wird teurer“: Preise für Erdbeeren aus der Wetterau könnten deutlich steigen

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Von: Kim Luisa Engel

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Die Saison für Wetterauer Freiland-Erdbeeren beginnt bald. Materialknappheit und Preissteigerungen durch den Ukraine-Krieg könnten die roten Früchte jetzt teurer machen.

Friedberg – Leuchtend rot, süß und saftig sollen sie sein. Der Startschuss für die Erdbeersaison in der Wetterau ist gefallen - zumindest bei den Betrieben, die mit Gewächshäusern und Folientunneln arbeiten. Durch die Wärme darin reifen die süßen Früchtchen nämlich früher als auf dem Feld, wo sie vom Wettergott abhängig sind. Doch auch der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auf die roten Leckerbissen: Allgemeine Preissteigerungen und Verknappungen von Material erhöhen die Produktionskosten. Werden neben den Erdbeeren in dieser Saison auch die Preise für ein Schälchen saftig sein?

»Im Moment wird alles teurer. Das macht auch vor Lebensmitteln keinen Halt«, sagt Jens Dieffenbach vom gleichnamigen Hof in Wölfersheim. Mit dem Krieg sind unter anderem die Preise für Düngemittel, Treibstoff und Folien gestiegen. »Mit Dünger haben wir nichts am Hut«, sagt Dieffenbach, der einen Biohof betreibt. »Den stellen wir betriebseigen durch unsere Hühner her.« Auch die Schälchen für die Erdbeeren habe er schon vor dem Krieg bestellt, er warte aktuell darauf. »Ich denke, das könnte nächstes Jahr zum Problem werden«, sagt er.

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Die Erdbeeren in Folientunneln sind bereits reif. Anne Bär vom Spargel- und Erdbeerhof Bär zeigt - hier auf einem Bild von 2021 -, wie die Früchte richtig geerntet werden. © Nicole Merz

Wetterauer Erdbeeren: Aktuelle Dieselpreise hauen „gewaltig rein“

Bei Heinz Christian Bär vom Spargel- und Erdbeerhof Bär in Burg-Gräfenrode gibt es seit etwa zwei Wochen Erdbeeren aus dem Folientunnel. Er berichtet, dass die Schalen teurer geworden sind. Die Preissteigerung betreffe auch die Folien, mit denen größere Kisten ausgelegt würden. Deutlich merkten Bärs allerdings den aktuellen Dieselpreis. Auf ihrem Hof haben sie einen kleinen Laden, beliefern Supermärkte und Restaurants mit ihrer Ware, müssen dementsprechende Strecken zurücklegen. »Das haut gewaltig rein«, sagt Bär.

Auch für Dieffenbach seien die Dieselpreise »enorm«, dafür bezahle er gerade das Doppelte. »Dadurch wird alles teurer«, sagt der Obstbauer. Das Fräsen und das Verstreuen von Stroh, eben die Arbeiten, für die er einen Traktor brauche. Auch das Ausliefern an Kunden und Märkte sei davon betroffen. »Wir müssen die Preise steigern«, folgert Dieffenbach. Aktuell gehe er »vorsichtig« von einer Anhebung um zehn Prozent aus.

Wetterauer Erdbeeren: Freiland-Saison beginnt Ende Mai

Was das Schälchen in dieser Saison kosten soll, weiß er allerdings noch nicht. Denn momentan gibt es auf seinem Hof noch keine Erdbeeren, er arbeitet ohne Folienhäuser. Dieffenbach geht aber davon aus, dass die Freiland-Saison in etwa zwei Wochen beginnen kann. »Meist öffnen wir unser Selbstpflücker-Feld Ende Mai.«

Das Wetter, informiert der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in einer Pressemitteilung, sei ein großer Unsicherheitsfaktor. Letztlich entscheide es über den Erfolg der Erdbeersaison. »Der Regen hat den Pflanzen gut getan«, sagt Dieffenbach. Zudem sei es jetzt sonnig und den Winter über warm gewesen. Auch Familie Bär hat Freilanderdbeeren. Diese seien bei Nachtfrost, den es im Frühling öfter gegeben habe, mit Vlies abgedeckt. »Bei Sonne kommt der dann weg«, erläutert Bär. Auch bei seinem Hof in Burg-Gräfenrode stehe die Freiland-Saison noch bevor. »Dann geht es erst richtig los.«

In der Wetterau hat vor wenigen Monaten ein neuer Hofladen direkt an der B3 eröffnet. Drei Freunde haben sich dafür zusammengetan.

Wetterauer Erdbeeren: Mindestlohn für Erntehelfer steigt im Oktober

In der Hochsaison würden zusätzliche Erntehelfer benötigt, sagt Bär. Auf dem Hof hätten sie eine »Stammmannschaft« - die kommt seit knapp 15 Jahren. »Die freuen sich schon«, sagt er. Auch Dieffenbach kann auf die Helfer vom vergangenen Jahr zurückgreifen. Er hofft, dass es in diesem Jahr keine Probleme wegen der Pandemie gibt. Er und Bär erzählen, dass Erntehelfer zeitweise nur mit dem Flugzeug nach Deutschland einreisen durften. »In diesem Jahr ist es aber nicht so«, sagt Bär.

Im Oktober wird der Mindestlohn, den die Helfer und Verkaufsmitarbeiter erhalten, auf 12 Euro erhöht. »Das betrifft aber erst die nächste Saison«, sagt Biobauer Dieffenbach. Er vermutet, dass die roten Früchte aus dem Ausland erst einmal günstiger bleiben werden. Dort gebe es andere Produktionsverhältnisse und zum Teil keinen Mindestlohn.

Heinz Christian Bär sieht es ähnlich: In Deutschland würden die Mitarbeiter »ordentlich bezahlt«, in anderen Ländern sei der Mindestlohn vielleicht halb so hoch, und man müsse sich mit deren Erdbeeren messen. Jeder Betrieb, sagt er, müsse für sich selbst klären, inwieweit er mit den Preisen noch klarkomme und ob er sie erhöhe. (Kim Luisa Engel)

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