»Wieder zu spät aus den Startlöchern

  • Vonred Redaktion
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Wetteraukreis (pm). »Nachdem die vierte Corona-Welle voll am Laufen ist, kommt endlich auch der Wetteraukreis aus den Startlöchern. Mit rotierenden Impfangeboten will er ab dem 29. November fehlende Erst- und notwendige Auffrischungsimpfungen stemmen. Doch baut er mit der Impfanmeldung über die Hausarztpraxen und einer Hotline im Gesundheitsamt ein Nadelöhr in das Angebot ein«, kritisieren die Kreis-Grünen.

Die FDP begrüßt einerseits zusätzliche Impfaktivitäten im Wetteraukreis nach Absprache mit Hausärzten. Kritisch sehen die Liberalen allerdings die Verteilung: »Warum werden die 85 000 Einwohner in Bad Vilbel, Rosbach, Bad Nauheim und Ober-Mörlen außen vor gelassen?«, fragt FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzender Jörg-Uwe Hahn.

Zum neuen zentralen Impfzentrum äußern sich die Grünen: »Im Sommer wurde die Lage unterschätzt und kleingeredet, jetzt wird sie wieder altbacken gemanagt. Nur infolge des Erlasses des Sozialministeriums vom Samstag entsteht nun wohl in Wölfersheim noch ein festes Impfzentrum.« Die Günen fordern ein schnelles, niederschwellig erreichbares und umfassendes Angebot für alle.

Fraktionsvorsitzende Isil Yönter: »Wir warnten im Juli im Sozialausschuss davor, dass mit dem Runterfahren der Impfmaßnahmen und der Schließung des Impfzentrums die falschen Signale gesendet werden.« Zwar habe Gesundheitsamtsleiter Dr. Merbs eingeräumt, dass man auf der Hut sein solle. Ende des Jahres könnten alle Intensivbetten wieder belegt sein. Von Auffrischungsimpfungen aber habe auch er im Juli nichts gehalten. »Eine fatale fachliche Fehleinschätzung«, kritisieren die Grünen. Bei der aktuellen Entwicklung rechnen sie damit, dass viele sich nun doch zur Impfung entschließen: diejenigen, die sich zweitimpfen lassen, die über 18-Jährigen und auch die zwei Millionen der ab Zwölfjährigen. Hinzukämen die Auffrischunggen bei den bereits voll Geimpften. Yönter: »Der Wetteraukreis ist auf diesen Bedarf nicht hinreichend vorbereitet.«

Bei der nun geplanten Lösung der rotierenden Impf- angebote stellen sich den Grünen zwei entscheidende Fragen: »Reicht das Angebot für den Bedarf aus, und wie kommen die Menschen zu ihrem Termin?«, fragt die Kreistagsabgeordnete Myriam Gellner.

Telefonisch in Arztpraxen durchzukommen, sei im Regelfall schon ein Problem. Nun kämen hier noch die Anrufversuche der Impfwilligen hinzu. Auch die Hotline des Kreises scheine nicht wirklich auszureichen, wenn schon öffentlich vorgewarnt wird, dass die Anrufenden Geduld mitbringen sollen.« Gellners Kollegin Isabella McNicol: »Wir fragen uns, warum es keine Impfportale wie im Hochtaunuskreis gibt, an denen sich jede und jeder jederzeit anmelden kann. Wir hoffen, dass diesmal der Impfstoff zeitig bestellt wird und somit genügend vorhanden ist.«

Die FDP lobt, dass die Bürger zusätzliche Impfmöglichkeiten erhalten: »Wenn nunmehr nach Erklärungen der Stiko alle Personen ab 18 Jahren einen dritten Stich bekommen sollen, hat sich der Druck auf die Hausärzte und auf die Betriebsärzte erheblich erhöht. Deshalb ist es klug, dass in Absprache mit den Wetterauer Hausärzten mobile Teams durch das Kreisgesundheitsamt organisiert werden.«

Der Druck werde aber noch größer, wenn die Stiko und die EMA auch das Impfen jüngerer Schüler empfiehlt. »Darauf muss auch der Wetteraukreis vorbereitet sein«, so FDP-Kreistagsfraktionschef Hahn. Andererseits sei aber sehr überraschend, dass mit Bad Vilbel, Rosbach, Bad Nauheim und Ober-Mörlen Kommunen von diesem neuen System ausgeschlossen seien. »Das sind 85 000 Einwohner.«

Die FDP möchte deshalb von Landrat und Kreisausschuss wissen, warum und nach welchen Kriterien die regionale Verteilung vorgenommen wurde. Abschließend stelle sich die Frage, ob und wenn ja welche Impfstoffe im Wetteraukreis zur Verfügung stehen: »Für dem dritten Piks hat die Stiko nur bestimmte Impfstoffe empfohlen, stehen diese insbesondere für die Hausärzte genügend zur Verfügung?«

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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