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Wird zu früh gelockert? Das sagen Wetterauer Hausärzte

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Von: Christoph Agel

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Kann sie weg oder ist sie noch für was gut? Am heutigen Samstag entfällt in einigen Bereichen die Maskenpflicht, in anderen bleibt sie bestehen. Die Wetterauer Hausärzte Dr. Wolfgang Pilz und Dr. Alexander Jakob erläutern, wie sie die Regel-Lockerungen zu diesem Zeitpunkt bewerten. SYMBOLFOTO: IMAGO/RENE TRAUT © Red

Was sagen Hausärzte zu den Corona-Lockerungen, die ab dem 2. April 2022 gelten? Diese Zeitung hat bei Dr. Wolfgang Pilz aus Ockstadt und bei Alexander Jakob aus Bad Nauheim nachgefragt.

„Ich wäre da vorsichtig gewesen, hätte zumindest mal bis Ostern gewartet«, sagt Dr. Wolfgang Pilz mit Blick auf die ab dem heutigen Samstag deutlich gelockerten Pandemie-Regeln. Es gebe derzeit sehr viele Corona-Patienten, sagt der Hausarzt mit Praxis in Ockstadt. »So viele hatten wir noch nie.« Damit meint Pilz sowohl Verdachtsfälle als auch letztlich bestätigte Corona-Infektionen. Pilz ist ehemaliger Vorsitzender des Bezirks Wetterau im Hausärzteverband Hessen und dort zuständig für Corona-Fragen.

Täglich Hunderte Neuinfektionen und eine Inzidenz von weit über 1000 - auch in der Wetterau reitet Corona aktuell auf einer hohen Welle. »Im Moment haben wir ein unheimliches Durcheinander von Maßnahmen, Regeln und Problemen«, sagt Pilz. Das dürfte ab heute nicht überschaubarer werden. Der Staat müsse einfache Regeln machen und diese klar kommunizieren, fordert der Ockstädter Hausarzt.

Corona in der Wetterau: Lockerungen notfalls wieder rückgängig machen

An Überschaubarkeit scheint es auch zu mangeln, wenn es um die Bewertung der Virus-Gefährlichkeit und um den Umgang damit geht. »Rufen Sie zehn Ärzte an, dann haben Sie zehn verschiedene Meinungen zu dem Thema«, sagt Pilz. Er ist jedenfalls der Ansicht, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei weiterhin sinnvoll. Auch in der eigenen Praxis. Zumal laut Pilz schon ein Viertel des Personals infiziert gewesen ist. »Ich bin dafür, Masken in engen Innenräumen und in medizinischen Einrichtungen zu tragen«, macht der Ockstädter Hausarzt deutlich. »Unbedingt sollten wir auch beachten, wie sich das Ganze in anderen Ländern entwickelt, die die Lockerungsmaßnahmen schon vorgezogen haben.«

Viele Menschen, die sich mit der Omikron-Variante infizieren, haben laut Pilz nur leichte Symptome, es gebe aber auch einige Patienten, die 14 Tage aus dem Verkehr gezogen seien. Nicht nur formal im Sinne von Quarantäne, sondern auch tatsächlich im Sinne von Krankheitssymptomen.

Wolfgang Pilz warnt: »Dieses Virus ist so ansteckend, da gehen Sie nur an einem vorbei, dann haben Sie es schon übertragen.« Umso bedauerlicher findet er es, dass das Testzentrum des Wetteraukreises in Reichelsheim geschlossen worden ist.

Corona in der Wetterau: Hohe Arbeitsbelastung in Praxen

Nun aber müssen Gesellschaft und Politik sinnvoll mit den hohen Infektionszahlen und den Regel-Lockerungen umgehen. Wie soll das gelingen? Pilz: »Ich mahne ein bisschen zur Vorsicht und zur genauen Beobachtung der Entwicklung der nächsten Zeit. Zur Not muss man auch bereit sein, bei einer Verschlechterung der Situation Maßnahmen wieder rückgängig zu machen.«

»So wünschenswert eine Rückkehr zur Normalität ist, so erstaunt doch der Zeitpunkt der Lockerungen, der uns auf einem Höhepunkt der Infektionszahlen und Arbeitsbelastungen trifft«, beklagt Dr. Alexander Jakob, Hausarzt in Bad Nauheim und aktueller Vorsitzender des Bezirks Wetterau im Hausärzteverband Hessen. »In vielen Arztpraxen wird weiter von der Notwendigkeit des Tragens von Masken in deren Räumlichkeiten ausgegangen und dass dort von den Schutzmaßnahmen noch kein Abstand genommen werden kann.« Jakob bestätigt, dass es eine sehr hohe Zahl an Corona-Erkrankten und deshalb auch viele Krankschreibungen gebe. Die hohe Zahl der Patienten hat einen enormen Aufwand in den Praxen zur Folge. Jakob dazu: »Rückmeldungen der anderen Hausärzte betreffen aktuell vor allem die hohe Arbeitsbelastung durch die Diagnostik und Behandlung der Corona-Patienten, die durch den Wegfall der Finanzierung des Testzentrums in Reichelsheim für viele nochmals stark zugenommen hat.«

Corona in der Wetterau: Das sagen die Ärzte

Jene Corona-Patienten, die nicht zu den vielen Menschen mit leichten Symptomen gehören, seien total schlapp, hätten Fieber, Halsschmerzen, sehr starken Schnupfen und würden schwitzen, sagt der Ockstädter Hausarzt Dr. Wolfgang Pilz. Das gelte auch für junge geboosterte Menschen, die sich infizieren. Neben den akuten Symptomen gebe es auch die Gefahr von Long Covid. Und: »Es sterben nach wie vor jeden Tag viele Menschen an Umständen, bei denen die Corona-Infektion zumindest beteiligt ist.«

Auch Dr. Alexander Jakob, Hausarzt in Bad Nauheim, hat viel Erfahrung mit Covid-19-Patienten. Seine Zusammenfassung: »Die Symptome reichen über Infektsymptomatik der Atemwege mit Schnupfen und Husten, Druck auf der Brust mit teils Atembeschwerden, über Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schmerzen des Bewegungsapparates. Desweiteren werden Magen- und Darmbeschwerden, Fieber und Müdigkeit sowie Schlappheit geschildert.« Auch junge und geboosterte Patienten haben laut Jakob ausgeprägte und längere Verläufe, »auch wenn in diesem Fall die milden und leichten Verläufe überwiegen«. Bei ihm in Behandlung befinden sich zudem Long-Covid-Patienten. Es gebe auch Leute, die über negative Folgen der Corona-Impfungen berichten würden. Nicht immer sei ein Zusammenhang herstellbar, aber im Falle eines plausiblen Zusammenhangs werde dies entsprechend gemeldet, um mögliche Impfnebenwirkungen zu erfassen.

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