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Zeuge im Friedberger Amtsgericht: „Vielleicht wollte er mir nur Angst machen“

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Von: Sophie Mahr

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Hier soll der Angeklagte zwei junge Männer angegriffen haben. Der Angeklagte bestreitet, an diesem Ort gewesen zu sein. Doch laut Aussage eines Ermittlers gebe es Spuren, die seine Anwesenheit belegten.
Hier soll der Angeklagte zwei junge Männer angegriffen haben. Der Angeklagte bestreitet, an diesem Ort gewesen zu sein. Doch laut Aussage eines Ermittlers gebe es Spuren, die seine Anwesenheit belegten. © Nicole Merz

Im Fokus des zweiten Verhandlungstages in Friedberg (Wetterau) gegen einen 23-Jährigen stehen der Vorwurf eines Angriffs mit einer Machete sowie ein versuchter Raub nach einem geplatzten Drogengeschäft vor einer Spielhalle.

Friedberg - Neun Straftaten soll ein 23-Jähriger, derzeit in Haft, begangen haben. Fünf Taten hat der Angeklagte am ersten Tag vor dem Friedberger Amtsgericht eingeräumt. Die anderen bestreitet er. Da ein Zeuge am ersten Verhandlungstag nicht erschienen war, wurde er am zweiten polizeilich vorgeführt. Seine Abwesenheit begründete er damit, dass er nichts mit der Tat zu tun habe. »Ich war nur der Fahrer.«

Laut Anklage sollte der Beschuldigte diesem Zeugen Wohnungsschlüssel geben, die weder dem Angeklagten noch dem Zeugen gehörten. Doch der Angeklagte habe sich geweigert, und die Situation sei eskaliert.

Auf Nachfrage, weshalb der Zeuge diese Schlüssel haben wollte, sagte dieser, dass ihn eine Bekannte darum gebten habe. Denn der Angeklagte habe denjenigen bedroht, dem die Schlüssel gehörten. Der Zeuge kenne weder den Angeklagten noch den Besitzer der Schlüssel. Die Bekannte habe er an jenem Abend in einer Shisha-Bar kennengelernt.

In der Anklage heißt es weiter, dass der Beschuldigte mit einer Machete auf den Zeugen losgegangen sei. Den Angriff mit der Machete hatte der Angeklagte bei seiner Aussage verneint.

Wetterau: Erinnerungslücken vor Gericht

»Ich erinnere mich nicht mehr so genau«, sagte der Zeuge auf Nachfrage. »Es kann eine Machete oder ein Küchenmesser gewesen sein.« Nachdem der Richter den Größenunterschied zwischen einer Machete und einem Küchenmesser verdeutlicht hatte, sagte der Zeuge, dass es eher ein Küchenmesser gewesen sei. Dieses habe der Beschuldigte nach ihm geworfen.

An die gegen ihn gerichtete Drohung »Einer von uns wird heute sterben, entweder du oder ich«, erinnere er sich nicht mehr, sagte der Zeuge. »Es ist so lange her und viel herumgeschrien worden. Das Leben geht ja weiter, und ich denke nicht mehr daran.«

Der Angeklagte soll zwischendurch neue Messer, einen Wetzstein sowie eine Pfeffermühle aus der Wohnung geholt und damit auf den Zeugen geworfen haben. Da er diesen jedoch verfehlt habe, sei das Auto einer Anwohnerin beschädigt worden.

Der Zeuge ergänzte, dass auch sein Auto dabei Dellen abbekommen habe. Anders als in der Anklage formuliert, sei der Zeuge nicht von dem Messer verletzt worden.

»Vielleicht wollte er mir nur Angst machen. Er ist eigentlich ein Lieber, Netter. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag«, sagte der Zeuge, obwohl er den Angeklagten nicht kenne, ihn aber von dem Vorfall eindeutig wiedererkenne. Auf Nachfrage fasste er seine Aussage weiter: »Ich meine, wenn ich ihn jetzt so sehe, wie er da sitzt.«

Verhandlung in der Wetterau: Viele Zeugen zu Schlägerei vor Spielhalle befragt

Alle weiteren Zeugen waren wegen eines Vorfalls in Karben geladen. Dem 23-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit einem oder mehreren Personen versucht zu haben, zwei junge Männer auf der Straße vor dem »Casino Brilliant« auszurauben.

Dabei soll er einen der beiden zusammengeschlagen haben. Der Angeklagte sagte, dass er nicht bei dem Casino gewesen sei. Während des ersten Verhandlungstages sagten die beiden Geschädigten aus, dass sie nach einem Besuch der Spielhalle eine Zigarette geraucht hatten, als drei Unbekannte auf sie zugekommen seien und nach einer Zigarette fragten.

Daraufhin habe man zusammen geraucht. Anschließend hätten die Unbekannten ihnen Haschisch zum Kauf angeboten. Als sie dies ablehnten, seien sie bedrängt und geschlagen worden. Einer der Angreifer habe eine Bierflasche zerbrochen und damit gedroht.

Der eine Zeuge habe diese weggetreten, woraufhin sein Freund habe fliehen können. Er selbst sei zusammengeschlagen worden, hätte später aber weglaufen können.

Da es auf der Straße dunkler gewesen sei als vor der Spielothek, habe der Zeuge die Angreifer nicht gut sehen können. Als er den Angeklagten im Gerichtssaal anschaute, war er sich nicht sicher, ob dieser dabei war. Auch sein Freund sagte, dass er niemandem im Gerichtssaal wiedererkenne.

Wetterauer Polizei ermittelt neuen Zeugen

Einer der Ermittler sagte aus, dass aus den Aufzeichnungen der Funkzelle sowie aus genommenen DNA-Spuren hervorgehe, dass der Angeklagte am Tatort gewesen sei. Zudem gebe es Fotos von der Videokamera der Spielhalle, die zwar nicht den Vorfall zeigten, aber zwei der mutmaßlichen Täter.

Im Verlauf der beiden Verhandlungstage kamen einige Ermittler des Vorfalls zu Wort. Da die Polizei am Morgen des zweiten Verhandlungstages jemanden festgenommen hat, der womöglich Angaben zu dem versuchten Raub in Karben machen könnte, wird der Prozess fortgesetzt.

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