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Ziel: Eine Kaiserstraße mit weniger Verkehr

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Von: Jürgen Wagner

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Eine Kehrmaschine reicht nícht, um die Friedberger Kaiserstraße wieder in Schuss zu bringen. Jetzt startet die Ausschreibung für die Umgestaltung. Sorgen bereiten vielen Friedbergern die Bäume und die Versorgungsleitungen darunter. © Nicole Merz

Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat den Weg frei gemacht für die Sanierung der Friedberger Kaiserstraße. Jetzt sind die Planer an der Reihe. Klar ist: Die Kaiserstraße wird ihr Gesicht verändern.

Als im Dezember 2014 auf dem Elvis-Presley-Platz der Weihnachsmarkt eröffnet wurde, lautete die Schlagzeile in dieser Zeitung »Neuer Platz schon zu klein«. Das war ironisch gemeint, es herrschte dichtes Gedränge. Der neue Elvis-Presley-Platz kam und kommt immer noch gut an bei den Friedbergern, auch wenn es durchaus Verbesserungsvorschläge gibt. Das geplante Café etwa fehlt noch immer.

Es wird auch nach dem Umbau der Kaiserstraße Kritiker geben, die dieses oder jenes anders gemacht hätten. Eines aber steht jetzt schon fest: Die Kaiserstraße wird keine reine Durchfahrtsstraße mit angeschlossener Geschäftsmeile mehr sein, der Autoverkehr wird abnehmen. In den Erläuterungen zur Gremienvorlage »Ziele im Rahmen des Realisierungswettbewerbs für die Umgestaltung der Kaiserstraße« wird auf den »zu stark dominierenden motorisierten Individualverkehr« hingewiesen.

Die Zielvorgaben dienen den Teilnehmern des Wettbewerbs (Stadtplanern, Ingenieurbüros) dazu, ihre Pläne so zu gestalten, dass die Ideen der Stadt zur Geltung kommen. Den Wettbewerb hatten die Stadtverordneten im Februar beschlossen. Auch sonst wurde jede Menge Vorarbeit geleistet, vom ISEK-Prozess, der die Bürger in die Stadtentwicklung einbezog, über ein Mobilitätskonzept bis zu früheren Planungen, die ausgewertet wurden. Für Fachplaner wird ein »Entfaltungsspielraum« freigehalten. Das gilt besonders für die Freiraumplanung, also jene Areale, die nicht dem Verkehr vorbehalten sind.

Auf der künftigen Kaiserstraße wird ein »ausgeglichenes Verhältnis verschiedener Verkehrsmittel« gewünscht. Es sollen »nachhaltige Grünstukturen« geschaffen werden, die »dem starken Versiegelungsgrad entgegenwirken«. Im Einklang mit der historische Bausubstanz soll so eine höhere Aufenthaltsqualität entstehen. Um eine »vitale Stadtmitte« von Friedberg zu schaffen, sollen die »kleinteiligen Nutzungseinheiten weiter ausgebildet werden«. Die Trennwirkung der Kaiserstraße soll abgemildert werden, stattdessen soll es Verbindungen in Ost-West-Richtung zur Seewiese und zur Altstadt geben.

Was wird aus den Bäumen?

Die Frage, die wohl alle Friedberger bewegt: Was wird aus den Bäumen, was wird aus der ortsbildprägenden Allee? Eine Frage, die die Grünen dazu brachte, einen Ergänzungsantrag zu stellen. Darin plädieren sie für einen »existenzverträglichen Umbau der Kaiserstraße für den Einzelhandel«, fordern Einzelbewertungen für Bauabschnitte und Bäume. Fraktionsvorsitzender Markus Fenske: »Wir werden nicht alle Bäume retten können.« Fenske erinnerte aber daran, dass die Allee wichtig für die Einmaligkeit der Kaiserstraße sei.

Die Bäume sind deshalb ein Problem, weil das darunter liegende Versorgungsnetz teils abgängig ist. Strom, Wasser, Abwasser- und andere Leitungen müssen neu verlegt werden. Vielerorts dürften sie von den Wurzeln der Bäume beschädigt sein. Die Grünen listeten weitere Punkte auf, die es während der Bauphase zu berücksichtigen gelte. Stadtbauamtsleiter Tobias Brandt verwies auf das Baustellenmanagement, das man einrichten werde und das für viele der im Grünen-Papier genannten Punkte verantwortlich sei.

Fenske zog den Grünen-Antrag noch während der Beratung zurück. »Wir haben Vertrauen ins Bauamt.« Das betonte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Dieter Rack. Die Vorbereitungsarbeiten des Bauamtes entlockten ihm ein »großes Kompliment«, die von der Politik gestellten Aufgaben würden unter Brandts Leitung »mit Leidenschaft betrieben«, sagte Rack. »Das Team des Stadtbauamtes brennt für die Aufgabe«, unterstrich Bürgermeister und Planungsdezernent Dirk Antkowiak (CDU).

»Bevor es zu Tränen der Rührung kommt, lasst uns abstimmen«, durchbrach Ausschussvorsitzender Patrick Stoll (CDU) die fast schon vorweihnachtliche Stimmung. Auch die Kaiserstraße befindet sich jetzt im Advent, sprich: in freudiger Erwartung auf die Ankunft der Bauarbeiter. Am Ende gab es ein einstimmiges Votum für die Zielvorgaben der Stadt; der Grünen-Antrag wurde als Anlage in die Vorlage aufgenommen.

Außengastronomie wird ganzjährig möglich

Auch in Friedberg hat sich »das Verhalten der Besucherinnen und Besucher von Bewirtungseinrichtungen sehr deutlich geändert«, schreibt die UWG in einem Antrag zur Stadtverordnetenversammlung (nächste Sitzung am 8. Dezember). »Der Trend nach draußen begann mit dem Rauchverbot in den Gaststätten und hat sich während der Corona-Pandemie weiter verstärkt.« Eine Rückentwicklung dieses Trends sei nicht zu erwarten, schreibt der Fraktionsvorsitzende Friedrich Wilhelm Durchdewald. In der vergangenen Woche legte er im Ausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr einen Erweiterungsantrag zur Außenbewirtschaftung in Friedberg vor. Nachdem kürzlich die »Schafställe« auf der Kaiserstraße abgebaut wurden, entwickelte sich eine Diskussion darüber, ob man den Wirten künftig mehr Spielraum einräumen soll. Sven Weiberg (Linke) stellte in der Diskussion die rhetorische Frage, was denn mehr Aufenthaltsqualität auf der Kaiserstraße schaffe: Parkplätze oder Außengastronomie? Während die FDP den Vorschlag von UWG und Linken nicht gut heißen konnte und sich bei der Abstimmung enthielt, votierten die Vertreter der übrigen Parteien für folgende Regelung: »Die Sondernutzungssatzung bezüglich der Außenbewirtschaftung wird dergestalt geändert, dass eine ganzjährige Nutzung bis zum Beginn des Kaiserstraßenumbaus unter Beachtung der Gebührensatzung möglich wird. Aufstellung und Nutzung von Gas- und Elektroheizungen zu diesem Zweck werden ausgeschlossen.« Hat das Stadtparlament zugestimmt und die Satzung ist in Kraft getreten, ist Außenbewirtschaftung in Friedberg wieder möglich. Es gibt eine Hoffnung auf Glühwein im Freien! Durchdewald kommentiert die Abstimmung so auf Facebook: »Die Aufstellung der Terrassen wird sicher erst im Frühjahr wieder rentabel sein.«

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