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Stadt der offenen Baustellen: Diese Projekte liegen in Friedberg auf Eis

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Von: Jürgen Wagner

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Halbfertig: Auf dem Verkehrskreisel am Junity sollen Plexiglasfiguren aufgestellt werden. Das gestaltet sich schwierig, die Baumaßnahme zieht sich seit dem Frühjahr 2020 hin. Wie manche anderen Baustelle in Friedberg auch.
Halbfertig: Auf dem Verkehrskreisel am Junity sollen Plexiglasfiguren aufgestellt werden. Das gestaltet sich schwierig, die Baumaßnahme zieht sich seit dem Frühjahr 2020 hin. Wie manche anderen Baustelle in Friedberg auch. © Nicole Merz

In Friedberg gibt es überall unerledigte Baustellen. Ein Facebook-Nutzer hat einige aufgezählt: Von der Brücke am Kühlen Grund bis zum Kreisel am Junity. Wir haben beim Bürgermeister nachgefragt.

Friedberg - »Mal schauen, was davon 2022 erledigt wird«, hat ein Nutzer der Facebook-Seite »Ideen für Friedberg« unter eine Liste geschrieben. Andere Nutzer sind auffordert, »alle Provisorien, dauerhaften Beschädigungen, nicht beendete Bauwerke« zu melden. Aufgelistet werden etwa: die Behelfsbrücke am Kühlen Grund, der Kreisel am Junity, die beschädigten Info-Points zur Stadtgeschichte am Usatal-Radweg, ein »Seilbahn-Gerippe« im Entrocamento-Weg, die holprige Friedberger Straße in Ockstadt und die fehlenden Bänke auf dem Elvis-Platz.

Die Liste ließe sich fortsetzen bzw. es gibt auch im Rathaus solche Listen. Eine liegt dieser Zeitung vor. Sie ist lang. Allein unter dem Punkt »Laufende Verfahren« werden über 40 Projekte aufgezählt. Beispiele: die Folgenutzung der Jugendarrestanstalt, der Waldfriedhof Ossenheim, der Umbau der Schlossscheune Ockstadt. Daneben gibt es zahlreiche B-Planverfahren. Die Palette der unerledigten Aufgaben reicht von Verkehrsgutachten über den Aufbau eines Baulückenkatasters bis zur Digitalisierung von Bauakten.

In Facebook wird auch der Usatal-Radweg unter den 24 Hallen erwähnt. Der sei »notdürftig repariert«, es gebe »eine Menge Pfützen«, dies sei »einer der grausamsten Orte in Friedberg«. Hier widerspricht Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU): »Der Usatalradweg unter den 24 Hallen weist keine Pfützenbildung aus. Die Bereiche mit wassergebundener Decke wurden erst kürzlich ausgebessert.« Die Stadt freue sich immer über Hinweise der Bevölkerung und versuche, »die Mängel schnellstmöglich zu beheben.« Die Friedberger Straße in Ockstadt etwa befindee sich in der Planung. Im Frühjahr soll die Ausschreibung folgen, dies sei »abhängig von der Genehmigung des Fördermittelbescheids«.

Friedberg: Aus Provisorium wird Dauernutzung

Seit 2009 ist der Stadt bekannt, dass die kleine Brücke am Kühlen Grund baufällig ist. Im März 2019 wurde sie gesperrt, der Bauhof konstruierte eine Brücke über die Brücke, damit sie von fußgängern und Radfahrern weiter genutzt werden kann. Das Provosorium wird noch einige Weile erhalten bleiben, der Bau der neuen Brücke verzögere sich »aufgrund diverser strittiger Rahmenbedingungen«. Antkowiak räumt ein, dass es derzeit »eine Vielzahl an offenen, nicht begonnen, aber auch angehaltenen Projekten« gebe. Zum einen liege das am »gesteigerten Interesse an Projekten in der Stadt«: Es gibt viele Anfragen zur Aufstellung von Bebauungsplänen und viele Bauanträge. Zum anderen liege es an anstehenden Großprojekten (Kaserne, Kaiserstraße, Bahnhof und Umfeld) und an gesetzlichen Neuerungen. »Hinzu kommen eine Vielzahl an Folgeprojekten, die sich aus dem ISEK-Prozess zur Stadtentwicklung ergeben und Umstrukturierungsprozesse innerhalb der Abteilung.«

Nach wie vor sind Stellen im Rathaus nicht besetzt. Im Bauamt und im Baubetriebshof seien es aktuell 14. Immerhin hat Antkowiak einen Nachfolger für den abtrünnig gewordenen Bauamtsleiter gefunden: »Ab dem 1. April ist die Stelle wieder besetzt.«

Kreisel am Friedberger Junity: Es dauert ein wenig

Zu den halbfertigen Projekten, die ins Auge stechen, zählt der Verkehrskreisel am Junity. Dieser sollte eigentlich bereits 2018 gebaut werden. Der Bauboom und die steigenden Preise in der Baubranche kamen dazwischen. Zwei Jahre später wurde der Kreisel gebaut. Wieder ein Jahr später, im Mai 2020, präsentierten Schülerinnen und Schüler des Burggymnasiums den Entwurf für die Innengestaltung samt den Figuren, die dort installiert werden sollen.

Knapp zwei Jahre später fehlen die Figuren immer noch. Antkowiak: »Bei der Planung handelt es sich um einen individuellen Gestaltungsentwurf von Schülern des Burggymnasiums. Es werden keine standardisierten Baustoffe und Gestaltungselemente verwendet. Vielmehr greifen die Planer unter anderem auf Materialien wie beleuchtetes Plexiglas zurück. Erfahrungen in der Verarbeitung und der lichttechnischen Beurteilung liegen dem Amt hier nicht vor. Für die weitere Bearbeitung des Projektes ist die Abstimmung zwischen Planern, Tiefbauingenieur, Statiker, Lichtplaner und Elektroplaner notwendig.« Und Geduld, viel Geduld.

Dünne Personaldecke

Seit Jahren wird bemängelt, dass im Rathaus viele Vorgänge zu lange dauern, da es an Personal fehle. Sind im Bauamt und im Baubetriebshof Stellen nicht besetzt, fällt dies leicht ins Auge: Die Arbeit bleibt dann mitunter liegen. Reicht die Personaldecke in der jetzigen Stärke aus? »Nein«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). »Für den Stellenplanung 2021 wurde eine neue Stelle beantragt und genehmigt, die im Oktober 2021 besetzt werden konnte und derzeit in der Einarbeitung ist. Zum Stellenplan 2022 wurden zwei zusätzliche Stellen beantragt und durch die Stadtverordneten beschlossen. Nach Genehmigung des Haushalts durch die Kommunalaufsicht können die beiden Stellen ausgeschrieben werden. In künftigen Stellenplänen werden wir bei Bedarf weitere Stellen beantragen.«

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