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Zugleich ein reiches und ein armes Land

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Pater Paschal Chiekezi © pv

Friedberg-Ockstadt (pm). Seit Anfang August befindet sich der Priester Paschal Chiekezi in der Pfarrgemeinde St. Jakobus Ockstadt - als Urlaubsvertretung für Pfarrer Bernd Weckwerth. Pater Paschal stammt aus Nigeria, lebt und studiert seit sieben Jahren in Rom und schreibt derzeit seine Doktorarbeit. Er hatte angeboten, einen Vortrag über sein Heimatland zu halten.

Es wurde ein hochinteressanter Vortrag, dem am Freitag im Jugendheim sehr viele Interessierte beiwohnten.

Krieg mit Millionen Toten

Bis zum 19. Jahrhundert bestand Nigeria aus 370 Königreichen, die friedlich miteinander lebten. Das Land war reich an Bodenschätzen. Im Zuge der Kolonialisierung durch die Briten wurden diese Königreiche 1914 zwanghaft zusammengelegt, und die Briten gaben dem Land den Namen nach dem Fluss Niger. Nigeria ist mit über 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land in Afrika. Im Zeitraum von 1989 bis 2019 hat sich die Bevölkerungszahl des Landes verdoppelt. Die kulturelle Vielfalt ist groß - es werden allein über 500 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Die Armut ist im Norden besonders ausgeprägt. Kinder gehen auf die Straße, um zu betteln. Sie haben so gut wie keine Schulbildung, da es lediglich eine Koranschule gibt. 2002 wurde die Terrorgruppe Boko Haram im Nordosten gegründet.

Ganz anders sieht es im Süden aus, der wiederum in drei Zonen unterteilt ist: Süd/Süd - Südost und Südwest. In den 60er Jahren versuchte der Südosten, unabhängig zu werden, und hier entstand dann der nigerianische Krieg, der von 1967 bis 1970 tobte und dem drei Millionen Menschen zum Opfer fielen - darunter allein 1,7 Millionen Kinder, die verhungerten. Die Hauptstadt im Süden ist Lagos, eine reiche Stadt - reich an Bodenschätzen und Ölvorräten -, aber auch mit Armenvierteln,. Aber gerade mit dem Öl geht man unachtsam um, und so sind viele Seen und Flüsse ölverschmutzt und Fische sterben. Die Hauptstadt von Nigeria selbst ist Abuja.

Der Südosten ist das Herz der katholischen Bevölkerung. Pater Paschal stammt auch aus dieser Region - aus Owerri. Sein Vater gilt als Wunder - ist er doch 101 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 70 Jahre. Aus dieser Region kommen sehr viele Priester. Nigerianische Priester findet man in der ganzen Welt - auch in Friedberg, denn der dortige Kaplan stammt auch dieser Region. Er und Pater Paschal kennen sich gut. Pater Paschal lobte die Deutsche Bischofskonferenz, denn sie hatte in seiner Heimat ein Priesterseminar gebaut. Nach seinem Vortrag bedankte sich der Pater für die finanzielle Unterstützung aus Deutschland für sein Land.

Während seiner Vertretungszeit war er sehr viel unterwegs, denn er wollte das Geschehen vor Ort kennenlernen. Ihm zur Seite standen Raymund Hofmann und Mitglieder der Pfarrgemeinde, die mit ihm so manches unternahmen. Die vier Wochen Vertretungszeit gingen viel zu schnell rum, und am Sonntag wurde er in der Abendmesse nach dem Gottesdienst, dem sehr viele Gläubige beiwohnten, von den Pfarrgremien herzlich verabschiedet. Es sprachen Raymund Hofmann und Katharina von Franckenstein für den Pfarrgemeinde- und den Pfarrverwaltungsrat. Pater Paschal bedankte sich für die Gastfreundschaft. Vielleicht sieht man sich im nächsten Jahr für vier Wochen wieder. FOTO: PV

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