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Zwischen Halluzination und Realität

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Von: Christine Fauerbach

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Friedberg (cf). Erstmals im Kunstverein zu sehen sind Werke des Malers Arthur Löwen. Auf Einladung von Kurator Joachim Albert präsentiert der Künstler in der Kreisstadt 13 Gemälde und zwei Installationen. Die Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins im Wetterau-Museum trägt den Titel »Portraits«.

Dieser Titel sei metaphorisch gemeint, sagt der Künstler. Gestartet ist der Wahl-Frankfurter mit seiner Werkreihe am Anfang des Lockdowns 2020. Konzentriert habe er sich damals auf eine Werkreihe mit kleinformatigen Bildern.

Inspiriert wurde er zu seiner aktuellen Werkreihe durch die Auseinandersetzung mit Band 1 »Eine Idee erscheint« des Romans »Die Ermordung des Commendatore« von Haruki Murakami. Dort heißt es unter anderem: »Vielleicht würde es mir eines Tages gelingen, das Nichts zu porträtieren. Ebenso wie es einem gewissen Maler gelungen war, das Bild mit dem Titel »Die Ermordung des Commendatore« zu malen. Doch dazu braucht ich Zeit. Ich musste die Zeit zu meinem Verbündeten machen.«

Aus dem Prolog des Romans von Murakami (erschienen 2017) las bei der Vernissage Kurator Albert vor. Er bekannte, dass der populäre japanische Schriftsteller von internationalem Ruf einer seiner Lieblingsautoren sei. Im Roman entdeckt ein Maler in einem Haus, das er gerade hütet, ein altes Gemälde. Diesem entsteigt eine Figur, ein Mann ohne Gesicht. Eine zwischen Halluzination und Realität spielende Geschichte nimmt ihren Lauf.

Künstler Arthur Löwen stellte sich angeregt durch den Roman die Frage, ob es auch heute noch möglich ist, ein Bild zu malen, das dem Betrachter als etwas Eigenes gegenübersteht. »In seinen Bildern arbeitet Löwen durch Farbe einen spezifischen malerischen Raum heraus, der die Gemälde zu eigenen Charakteren werden lässt, um damit die Basis zu schaffen für den Dialog zwischen Betrachter und Werk«, sagt der Kurator. Möglicherweise stellten sich die Betrachter in der Ausstellung »Portraits«, die Frage: Wer blickt hier wen an? Seit sieben Jahren lebt und arbeitet Löwen in Frankfurt. Sein Atelier befindet sich im Frankfurter Atelierhaus »Basis«.

Nach dem Studium an der Kunsthochschule Mainz bei Professor Winfried Virnich, schloss Löwen sein Studium in Kunst und Philosophie in der Klasse von Walter Dahn an der HBK Braunschweig ab.

Seither hat der 35-Jährige seine Arbeiten auf verschiedenen Ausstellungen in seiner Wahlheimat Frankfurt, in Köln und Hannover sowie in Amsterdam gezeigt. Löwen sagt, dass er ein produktiver Künstler, der viel malt, sei. Neben den kleinformatigen Portraitbildern sind auch großformatige wie »Mann ohne Gesicht«, »DNA« und »Dal Segno« in der Löwen-Ausstellung des Kunstvereins zu sehen. Ergänzt werden die mit Acrylfarben auf Leinwand gemalten Bilder durch die zwei »Archiv«-Installationen. Die hängenden Tücher nutzt der Künstler während seines Arbeitsprozesses zum Aufsaugen der Farben. »Auf den Stoffen sind die Farbspuren aller meiner Bilder gespeichert, die ich in den letzten Jahren gemalt habe. In Friedberg zeige ich sie erstmals als Archiv.«

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