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Zwischen Täuschung und Erfindung

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Von: red Redaktion

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»We love German Weapons«: So hat Künstler Thomas Behling sein Werk betitelt. © pv

Friedberg (pm). Der Kunstverein eröffnet die erste Ausstellung in diesem Jahr am Samstag, 22. Januar. Unter dem Titel »Erste Warnung vor einem Zusammenhang«, der nicht ganz ohne Ironie auf das hindeutet, was Besucherinnen und Besucher erwartet, präsentiert der KVFB Arbeiten von Thomas Behling.

Faszinierend und verstörend

Behling arbeitet, wie er sagt, mit dem weltanschaulichen Erbe in den Hinterköpfen der Menschen, welches oft einem bewussten Selbstverständnis widerspreche. Er nimmt Aspekte der Täuschung und Erfindung auf, überspitzt und bricht diese, um die Funktionsweise der Illusion zu verdeutlichen - mit dem Ergebnis, dass hinter dem einen, schlichten Weltbild oft ein weiteres, ebenso vereinfachendes Modell der Welt zum Vorschein kommt.

Es interessiert ihn, wenn es gelingt, genau die Grenze zu treffen zwischen Ernst und Ironie, zwischen kritischer Analyse und naiver Huldigung.

Herauskommen Objekte, die Bezug nehmen auf gegenwärtige kapitalistische Mechanismen wie Krieg, Umweltzerstörung, Nationalismus, die ebenso faszinierend wie verstörend anzuschauen sind.

Der 1979 in Hannover geborene Künstler studierte Freie Bildende Kunst, zunächst an der FH Otternberg, schließlich an der Hochschule für Künste in Bremen und schloss dort als Meisterschüler von Yuji Takeoka sein Studium 2006 ab.

Seitdem nahm er an zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, zuletzt zum Beispiel 2021 in Japan.

Während seine frühen Arbeiten, zwar vom Rahmen gehalten, sich noch im Zweidimensionalen abspielen, aber schon Bezug nehmen auf unsere kulturelle Identität, erobert sich Behling ab 2012 den dreidimensionalen Raum mit seinen Bildobjekten: kleine antike Kabinette etwa versieht er mit gemischten Materialien, alten und neuen, und erzeugt so ein Spannungsfeld zwischen dem, was sein könnte, und dem, was ist.

Wie der Künstler die aktuellen Themen umsetzt, erklärt Kunstvereinsvorsitzender Jo-achim Albert anhand des Bildes »We love German Weapons« IV, aus dem Jahr 2013: Saudi-Arabien setzte 2011 seine Panzer dafür ein, im benachbarten Bahrain der dortigen, ebenfalls autokratischen Regierung dabei zu helfen die Revolution niederzuschlagen.

Kurz danach stimmte die deutsche Bundesregierung einem Export des modernsten Leopardpanzers vom Typ 2 A7+ an Saudi-Arabien zu. Der Leopardpanzer vom Typ 2 A7+ ist speziell optimiert für den Kampf in der Stadt. »Der 800 Panzer umfassende Deal wurde nach umfangreichen Protesten im Frühjahr 2014 gestoppt. Deutschland gehört zu den größte Waffenexporteuren der Welt«, sagt Albert.

Behlings Bild besteht aus einer Hartfaserplatte, gestaltet mit Acrylfarbe, Glas, Holz, Plastik, Spachtelmasse, Eisen, und Blattgold. Es ist mit dem Maßen 140 mal 94 mal 17 Zentimetern in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

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