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Frühes Handeln zahlt sich jetzt aus

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Durch den Betrieb des Freibades mit Quellwasser, das von der Sonne erwärmt wird, spart Ortenberg Geld. © Oliver Potengowski

Mit dem Angriff russischer Truppen auf die Ukraine ist Energie sprunghaft teurer geworden. Das sprengt bei Kommunen zum Teil die Haushaltsansätze. Wo in den vergangenen Jahren in Energieeffizienz investiert wurde, sind die Anstiege weniger extrem.

Energiekosten sind nicht nur für die Privatverbraucher ein Thema, das gerade in jüngster Zeit an Bedeutung gewinnt. Steigende Preise, nicht zuletzt auch verursacht durch den Ukraine-Krieg, werden auch Kommunen, die ihre Liegenschaften unterhalten und betreiben müssen, zu schaffen machen.

Die Bäder sind einer der größten Energieverbraucher in Ortenberg, Gedern und Nidda. Während die ersten beiden Städte nur jeweils ein Hallen- beziehungsweise Freibad unterhalten, gibt es in Nidda das Freibad sowie in Bad Salzhausen die Therme mit Außenbecken. Das Bad in Wallernhausen wird nicht beheizt und mit viel ehrenamtlichem Engagement betrieben.

Das Hallenbad hatte Nidda bereits 2016 wegen erheblicher Schäden und Sanierungskosten geschlossen. Ein wiederholt vorgeschlagener Neubau scheiterte bislang. Im Fokus standen dabei in der Hauptsache Konzept und Folgekosten. Teil dieser Diskussionen war dabei auch immer wieder die Justus-Liebig-Therme in Bad Salzhausen. Rund 125 000 Euro musste die Stadt im vergangenen Jahr für Strom und rund 254 000 Euro für Fernwärme bezahlen. Der Betrieb des Freibads, das allerdings auch nur von Mai bis September geöffnet war, ist dagegen mit rund 48 000 Euro Stromkosten und 27 200 Euro für Gas vergleichsweise günstig.

Probleme kündigen sich an

Wegen laufender Verträge haben sich die aktuellen Entwicklungen der Energiekosten noch nicht bemerkbar gemacht. »Wenn wir wie prognostiziert bis zu 100 Prozent Aufschlag haben, sieht man, wo wir landen«, beschreibt Uwe Bonarius von der Stadtverwaltung, mit welcher Kostenexplosion zu rechnen ist. »Das akute Problem haben wir jetzt noch nicht, wird aber kommen«, befürchtet auch Thorsten Eberhard, seit einigen Wochen Bürgermeister der Stadt Nidda. »Klar ist, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen, was die Haushaltsplanung 2023/2024 angeht.«

Er erinnert daran, dass seit Jahren auch über die Zukunft der Therme diskutiert wurde. »Das ist grundsätzlich die Frage: Was passiert damit?« Deshalb seien keinerlei Energiesparmaßnahmen umgesetzt worden. »Das hat auch zu diesem Investitionsstau geführt.«

Bei anderen städtischen Gebäuden wie zum Beispiel dem Bürgerhaus Eichelsdorf habe Nidda dagegen bereits in Wärmedämmung investiert. Wie effizient diese Investitionen waren, könne bisher jedoch noch niemand genau sagen. Deshalb begrüßt Eberhard den Antrag der Grünen, den Energieverbrauch in der Stadt auch auf einzelne Objekte bezogen genauer zu betrachten.

Angesichts der Kostensteigerung müsse Nidda auch überlegen, wo die Stadt kurzfristig Energie sparen könne, erklärt Eberhard im Gespräch mit dieser Zeitung und bringt eine Frage ins Spiel: »Müssen wir das Freibad so warm heizen?« Ende April hatte die Verwaltung in ihrer Ankündigung zur Eröffnung noch mit einer Mindesttemperatur von 24 Grad Celsius geworben.

Gederns Erster Stadtrat Herbert Weber betont dagegen mit Blick aufs dortige Hallenbad: »Es ist im Moment nicht angedacht, die Temperatur grundsätzlich zu senken.« Weil regelmäßig jede Woche 200 bis 300 Mitglieder von Reha-Gruppen das Bad nutzten, sei eine entsprechende Temperatur notwendig.

Er verweist auf die Investitionen der Stadt in Wärmedämmung und Gebäudetechnik des Hallenbades. Bei der Grundsanierung des Bades vor zehn Jahren, die 3,5 Millionen Euro gekostet habe, sind unter anderem auch zwei Blockheizkraftwerke eingebaut worden. Das sind Verbrennungsmotoren, die einen Stromgenerator antreiben. Die Abwärme wird zum Heizen genutzt.

»Wir erzeugen fast den gesamten Strom, den wir verbrauchen, selber«, freut sich Weber. »Wenn man die Wärme betrachtet, haben wir ungefähr 30 Prozent gespart und kriegen den Strom kostenlos dazu.« Dabei verschweigt der Erste Stadtrat nicht einen Nebeneffekt der Sanierung, durch den die Kosten gestiegen sind. Weil das Hallenbad attraktiver geworden ist, kämen deutlich mehr Besucher. Dadurch werde erheblich mehr warmes Wasser verbraucht. »Ich denke, dass die öffentliche Hand eine Verantwortung hat und Vorbild sein muss für den Bürger«, stellt Bürgermeister Guido Kempel fest. In den vergangenen Jahren hat Gedern in die Wärmedämmung einiger städtischer Gebäude investiert. »Wir sind ein großer Energieverbraucher.« Deshalb begrüßen er und Weber die Entscheidung der Stadtverordneten, dass auch Gedern Klimakommune geworden ist. »Ich glaube, dass wir mit diesem Schritt bei unseren Akteuren in der Politik eine Bewusstseinserweiterung haben.« Im Rahmen des Programms sollen die beteiligten Kommunen ihren aktuellen Energieverbrauch und die Wirkung von Einsparmaßnahmen genauer betrachten.

In Bezug auf das Freibad kann Ortenberg die Entwicklung der Öl- und Gaspreise gelassen sehen. Denn das Quellwasser, mit dem das Bad betrieben wird, erwärmt die Stadt über auf den Dächern der Betriebsgebäude verlegte Heizschläuche mit Sonnenenergie. »Wir könnten uns das Schwimmbad nicht leisten, wenn wir nicht das Brunnenwasser hätten und die Sonnenenergie«, sagt Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Das Wasser werde im Sommer in den Schläuchen zum Teil so stark erwärmt, dass kaltes Brunnenwasser zugemischt werden müsse, um eine angenehme Temperatur zu erreichen.

Auch bei anderen städtischen Immobilien hat Ortenberg in den vergangenen Jahren verstärkt in Energieeinsparung und Heizung mit erneuerbarer Energie investiert. So wird das gemeinsame Feuerwehrhaus in Selters mit Holzhackschnitzeln und Sonnenwärme beheizt. Auch bei der Sanierung des Bürgerhauses wurde die Heizung auf Hackschnitzel umgestellt. Weil das Gebäude zugleich auch massiv gedämmt wurde, konnte der Standard Energieeffizienzhaus 85 erreicht werden. Und für die angebaute Gymnastikhalle sogar annähernd den Passivhausstandard.

Statt Heizöl Holzhackschnitzel

Der Wärmeenergiebedarf des Bürgerhauses konnte so auf 25 Prozent gesenkt werden. Statt 60 000 Litern Heizöl vor der Sanierung werden jetzt zum größten Teil Holzhackschnitzel verfeuert. Die sind nicht nur erheblich billiger. Durch die effiziente Dämmung werden auch deutlich weniger benötigt, als es bei dem alten Bürgerhaus noch der Fall gewesen wäre.

Weitere Einsparmöglichkeiten sehen Pfeiffer-Pantring und Pia Heidenreich-Herrmann, die im Bauamt eine der Initiatoren für mehr Energieeffizienz war, bei der Stromerzeugung fürs Freibad. Solarzellen auf rund drei Meter hohen Tischen könnten Sonnenschutz bieten und Strom für den Betrieb liefern. Dadurch könnten die Betriebskosten auch bei zukünftigen Energiepreiserhöhungen bezahlbar bleiben. VON OLIVER POTENGOWSKI

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