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FSJ als echte Chance: Wie junge Menschen in der Pandemie für sich eine Alternative finden

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Samjuel Kraft absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr an der Herzbergschule in Kefenrod. Der 19-Jährige findet, dass die Corona-Krise vor allem Kinder trifft. © Paulina Gertrud Schick

Die Pandemie hat Pläne vor allem junger Menschen durchkreuzt. Einige aber nutzen die plötzlich vorhandene Zeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Drei Erfahrungsberichte zeigen, was möglich ist.

Ins Wasser gefallene Auslandsaufenthalte, gestrichene Ausbildungsplätze und auch der Start in ein Studium ausschließlich über Online-Angebote mögen zunächst abschreckend wirken. Die Auswirkungen der Pandemie stellen junge Leute bei ihrer Zukunftsplanung vor Herausforderungen. Eine sinnvolle und sichere Alternative kann ein Freiwilligendienst sein: Der Internationale Bund (IB) in Friedberg ist Träger für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und den Bundesfreiwilligendienst (BFD) - Drei FSJler erzählen von ihren Erfahrungen.

Gefühl dafür bekommen

Eigentlich wollte sie nach der Schule ins Ausland. Jetzt absolviert Annemarie Förster (19) ihr FSJ an einer Friedberger Sprachheilschule. »Normalerweise lernen wir bei der Berufsorientierung viele Berufe kennen. Online war es schwierig, ein Gefühl dafür zu bekommen, daher fiel mir die Entscheidung zuerst schwer«, erzählt die Büdingerin, die 2021 ihr Abitur an der Gesamtschule Konradsdorf gemacht hat. Um außerhalb von Schule und Studium Erfahrung zu sammeln und sich zu orientieren, entschied sie sich fürs FSJ.

Elisa Heidt wusste nach ihrem Fachabitur im vergangenen Jahr bereits, dass sie Soziale Arbeit studieren möchte. Zurzeit absolviert die 19-Jährige ihr Bildungsjahr an der Henry-Benrath-Gesamtschule in Friedberg. »Ich hatte bereits einen Studien- und auch einen Ausbildungsplatz. Dass ich mich kurzfristig für das FSJ entschieden habe, war rückblickend die beste Entscheidung, weil man extrem viele Einblicke sammeln kann«, sagt sie.

Hilfe bei der Berufswahl

Weil er gut mit Menschen kann, absolvierte Samjuel Kraft in der elften Klasse ein Praktikum an der Grundschule in Kefenrod. Nach der zwölften Klasse kehrte er als Freiwilliger dorthin zurück. »Ich verbringe jeweils drei Stunden im Unterricht, den Nachmittag bin ich bei der Ganztagsbetreuung, die der IB an der Schule eingerichtet hat«, erzählt der 19-Jährige, der an seiner Einsatzstelle für Inklusion zuständig ist. »Mein Wunsch, beim Jugendamt als Jugendgerichtshelfer zu arbeiten, hat sich durch das FSJ bereits bestätigt. Eventuell kann ich mit einem dualen Studium beim IB anknüpfen.«

Die drei jungen Leute haben für sich gute Optionen gefunden, sie sehen sich nicht als Opfer der Pandemie. »Für die Berufswahl haben wir uns eben selbst darum gekümmert, welche Möglichkeiten es gibt«, sagt Annemarie Förster. »Einige meiner Mitschüler haben während dem Homeschooling die Schule abgebrochen«, erzählt Samjuel Kraft von seinen Erfahrungen.

»Ich glaube aber, dass es vor allem für Grundschüler schlimm war, als sie so lange ihre Freunde nicht sehen konnten. Aber auch schulisch, wenn sie daheim nicht so viel Unterstützung bekommen.« Auch sie habe diese Erfahrung gemacht, stimmt Elisa Heidt zu: »Viele Kinder leiden sehr darunter, auch der Wechsel an die weiterführende Schule ist für sie schwieriger.« Ähnliches höre sie von ehemaligen Mitschülern: »Viele sind vom Online-Studium gefrustet und überlegen, aufzuhören.« Zwar sei die Pandemie auch im Freiwilligendienst spürbar, jedoch könnten sie sicher sein, dass sie selbst während eines Lockdowns arbeiten könnten.

Fachkräfte sind unabdingbar

Corona hat es nicht leichter gemacht - ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, ist es aber auch nicht, sind sich die jungen Erwachsenen einig. Dass ihnen trotz Pandemie weiterhin Möglichkeiten offenstehen, mag auch daran liegen, dass sie Berufswünsche im sozialen Bereich anstreben - zeigte die Corona-Krise doch, wie unabdingbar die Fachkräfte der Branche sind.

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Elisa Heidt © pv
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Annemarie Förster © pv

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